Freitag, 9. Oktober 2015

Dominance of a few publishers in Chemistry

Der Markt für chemische Literatur wird von wenigen Verlagen dominiert

Zu dieser Aussage kommen die Autoren des Artikels "The Oligopoly of Academic Publishers in the Digital Era" (Vincent Larivière, Stefanie Haustein, Philippe Mongeon) in der Online-Fachzeitschrift der Public Library of Science (PLOS one). Dazu werteten die Autoren 45 Millionen Dokumente aus dem Zeitraum 1973 bis 2013 aus der Datenbank Web of Science aus. Die Untersuchung zeigte, dass in Naturwissenschaften, Medizin und den Sozialwissenschaften die Verlage Reed-Elsevier, Wiley-Blackwell, Springer und Taylor and Francis vor allem seit Beginn der digitalen Ära in der Mitte der 90er Jahre ihren Anteil am Publikationsaufkommen immer weiter steigern konnten. Diese fünf großen Verlagshäuser publizieren inzwischen mehr als 50% aller wissenschaftlichen Artikel (Stand 2013). In den Sozialwissenschaften fand die größte Konzentration statt, 70% der Artikel erschienen bei den fünf Verlagen. Humanwissenschaften sind immer noch relativ unabhängig, 20% erschienen bei den fünf größten Verlagen. Die Naturwissenschaften und die Medizin liegen dazwischen. Bei diesen sind auch starke wissenschaftliche Gesellschaften am Publikationswesen beteiligt, so z.B. die American Chemical Society und die American Physical Society.


In dem Artikel findet sich im Weiteren eine detaillierte Beschreibung des Publikationswesens in Naturwissenschaften und Medizin: 1973 wurden nur ungefähr 20% aller publizierten Artikel auf diesen Gebieten von den fünf großen Verlagshäusern publiziert. Von 2006 an erreichten diese fünf Verlage zusammen 50% aller publizierten Artikel. Drei Verlage publizierten im Jahr 2013 ca. 47% aller erschienen Artikel auf diesem Gebiet: Reed-Elsevier 24%, Springer 11,9% und Wiley-Blackwell 11,3%. Die American Chemical Society (3,4%) und Taylor and Francis (2,9%) haben nur einen kleinen Anteil am Publikationsaufkommen. Aber immerhin gehört neben den kommerziellen Verlagen auch eine wissenschaftliche Gesellschaft (die ACS) zu den Top Fünf in Naturwissenschaften und Medizin.
In der Chemie ist die Konzentration des Publikationswesens auf die Top-Fünf Verlage noch höher (siehe Abbildung): 2006 wurden 80 % aller Artikel von fünf Verlagen publiziert. 2013 ist dieser Wert wieder auf 70% gesunken.


Abbildung: Prozentualer Anteil der Artikel, die von den fünf großen Verlagshäusern zwischen 1970 und 2013 publiziert wurden, aufgeschlüsselt nach Fachgebieten (Abbildung übernommen von Figshare, ursprünglich veröffentlicht in PLOS one).

Der Artikel enthält auch einen Abschnitt über die Ökonomie des wissenschaftlichen Publikationswesens. Darin wird unter anderem erläutert, warum dieser Zweig des Verlagswesens so hoch profitabel ist (ca. 30 bis 38 Prozent Gewinn im untersuchten Zeitraum). So müssen die Verlage für die Artikel (also die publizierten Inhalte, Neudeutsch: "Content") nichts bezahlen. Ebenso wenig bezahlen sie für die Qualitätskontrolle. Beides wird kostenlos von der wissenschaftlichen Community bereitgestellt. Darüber hinaus haben die Verlage das Monopol über die publizierten Inhalte. Sogar jeder einzelne Artikel kann vielfach an Leser verkauft werden.  Im Gegensatz dazu steigen die Preise für wissenschaftliche Zeitschriften um 5 bis 7 Prozent pro Jahr. Dadurch sind viele Universitätsbibliotheken nicht mehr in der Lage, die steigenden Kosten für Zeitschriftenabonnements zu bezahlen.




Über den oben genannten Artikel wurde auch in der Juniausgabe von ChemistryWorld berichtet ("Chemical sciences literature dominated by five publishing houses" von Rebecca Trager). Weiter heißt es dort, dass die führenden Verlagshäuser  ihren Anteil am wissenschaftlichen Publikationswesen vor allem durch die Gründung neuer Zeitschriften und durch den Kauf oder die Übernahme bestehender Zeitschriften vergrößerten. Die Royal Society of Chemistry (RSC) publiziert sechs der 20 führenden multidisziplinären  Chemiezeitschriften. Damit hat die RSC ein deutliches Wachstum ihres Marktanteils erreicht und die Impactfaktoren ihrer Zeitschriften in den letzten Jahren deutlich erhöht. Die RSC betont, dass dieses Wachstum nicht durch Aufkäufe bestehender Zeitschriften erreicht wurde, sondern durch den guten Service den die Gesellschaft als gemeinnütziger Verlag bietet.

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