Samstag, 16. Juni 2018

There are No Bonds - Only Bonding!

Hier eine Vorlesung von Richard F. W. Bader: "There Are No Bonds - Only Bonding!"
gehalten in der Reihe "Frontiers in Chemistry" an der Case Western Reserve University im Januar 2008.


Quelle: Youtube

Samstag, 9. Juni 2018

The Father of QTAIM

Der Vater der AIM-Methode

Die Quantentheorie der Atome in Molekülen ("QTAIM" oder "AIM") wurde hauptsächlich von Richard F. W. Bader entwickelt. Grundlegende Gedanken seiner Theorien und weiterführende Links findet man auf einer Webseite bei der McMaster University in Hamilton, Ontario (Canada). Dort stehen auch einige auobiografische Notizen von ihm. Darin beschreibt er unter anderem, wie er auf die grundlegenden Ideen zur AIM-Methode kam. Seine Theorie ist in dem Buch "Atoms in Molecules - A Quantum Theory" zusammengefasst. 




Bader kämpfte leidenschaftlich für seine Ideen und es soll wohl nicht gerade einfach gewesen sein, mit ihm zu diskutieren. Einen Eindruck davon erhält man beim Lesen des Protokolls der "Faraday Discussion" im September 2006.
Einen Nachruf auf das Lebenswerk von Professor Bader druckte "The Globe and Mail" im März 2012: "Scientist had the proof his thinking was correct". Humorvolle Aspekte zur Persönlichkeit bietet das "Epilog" genannte Kapitel im Buch "A Matter of Density" von N. Sukumar (Herausgeber) auf den Seiten 103 und 104.

Samstag, 26. Mai 2018

The truth is out there - in electron density

Die Wahrheit steckt in der Elektronendichte


Die Quantentheorie der Atome in Molekülen ("QTAIM") wird vielfach benutzt, um Bindungsverhältnisse zwischen Atomen zu analysieren. Mit dieser Methode bekommen wir Informationen darüber, wie zwei Atome in einem Molekül miteinander verbunden sind. Wir können Atombindungen, Ionenbeziehungen, Donor-Akzeptor-Wechselwirkungen und schwache intermolekulare Wechselwirkungen voneinander unterscheiden. Die Methode beruht auf einer Analyse der Elektronendichteverteilung in einem Molekül. Informationen über die Elektronendichteverteilung erhalten wir entweder aus quantenchemischen Berechnungen oder aus hoch aufgelösten Kristallstrukturdaten. Zentraler Gedanke dieser Methode ist, das Auffinden und die Analyse des bindungskritischen Punktes zwischen zwei Atomen. Dabei handelt es sich um das lokale Minimum (den Sattelpunkt) in der Elektronendichteverteilung zwischen den beiden beteiligten Atomen. Die Methode liefert numerische Werte über die Elektronendichte am bindungskritischen Punkt, die zweite Ableitung der Elektronendichte („Laplacian“) und verschiedene weitere Werte zur Charakterisierung der Elektronendichteverteilung. Außerdem können wir grafische Darstellungen erzeugen, welche die Elektronendichteverteilung im Molekül bildlich wiedergeben.

Hier einige Beispiele für die grafische Darstellung der Elektronendichteverteilung in einem Molekül. Dafür verwendet man sehr gern die "Laplace-Verteilung". Das sind Darstellungen der zweiten Ableitung der Elektronendichte. Diese zeigt sehr gut die lokale Anhäufung (durchgezogene Linien) oder Verarmung an Elektronendichte an (gestrichelte Linien). Die erste Abbildung zeigt einen Schnitt durch die Molekülebene des Ethylens. Zwischen den Wasserstoffatomen und den Kohlenstoffatomen sieht man überall mehrere durchgezogene Linien. Wie auf einer Landkarte zeigen die einen "Berg" von Elektronendichte an. Das ist das typische Bild für kovalente Bindungen. Zwischen den Atomen wird Elektronendichte akkumuliert.

Abb. 1: Laplaceverteilung im Ethylen.

Abbildung 2 zeigt die Elektronendichteverteilung in Lithiumfluorid. Das Lithium ist an Elektronendichte verarmt. Ringsherum sieht man nur gestrichelte Linien. Dagegen hat das Fluoratom viel Elektronendichte in einem engen Bereich um den Atomkern herum akkumuliert. Im Gegensatz zum ersten Beispiel ist auf der Kernverbindungslinie zwischen beiden Atomen gar keine Elektronendichteanhäufung zu sehen. Die Elektronenhüllen beider Atome sind kugelförmig. Das ist das typische Aussehen bei ionischen Bindungsverhältnissen.
Abb. 2: Laplaceverteilung in Lithiumfluorid.

Ammoniak (NH3) und Borwasserstoff (BH3) bilden ein Addukt. Es handelt sich um einen weissen Feststoff der Formel H3NBH3. Die Verbindung wird als Amminboran oder Borazan bezeichnet. Die Abbildung 3 zeigt einen Schnitt durch dieses Molekül in der Kernverbindungslinie zwischen Bor- und Stickstoffatom. In der Peripherie des Moleküls sieht man Elektronendichteanhäufung zwischen den Atomen Wasserstoff und Stickstoff. Hier liegt eine kovalente Bindung vor. Das Stickstoffatom hat viele durchgezogene Linien um siche herum. Es thront auf einem Berg von Elektronendichte und hat mit Sicherheit die höchste negative Ladung in diesem Molekül. Um das Boratom herum sind nur gestrichelte Linien zu sehen. Diese zeigen eine Verarmung an Elektronendichte an. Zwischen dem Wasserstoff- und dem Boratom befindet sich eine Anhäufung von Elektronendichte. Diese bricht aber in der Nähe des Boratoms plötzlich ab. Solche Wechselwirkungen werden oft als "intermediate Type" zwischen ionisch und kovalent beschrieben. Aber für eine qualifizierte Aussage ist hier auf jeden Fall eine genauere Analyse der numerischen Parameter notwendig. 
Bei diesem Molekül möchte ich vor allem auf die Wechselwirkung zwischen dem Stickstoffatom und dem Boratom hinweisen: Entlang der Kernverbindungslinie zwischen beiden Atomen wird ausgehend vom Stickstoffatom Elektronendichte akkumuliert. Man "sieht" hier gleichsam die Donorwirkung des Stickstoffatoms auf das elektronenarme Boratom! Das ist ein schönes Beispiel für eine Donor-Akzeptor-Wechselwirkung.

Abb. 3: Laplaceverteilung im Addukt aus NH3 und BH3.

p.s. Ich benutze gern die AIM-Methode. Auf Grundlage der Elektronendichteverteilung in einem Molekül liefert sie klare Aussagen zu den Bindungsverhältnissen zwischen den Atomen. Auch intermolekulare Wechselwirkungen können mit dieser Methode klassifiziert werden.

Samstag, 19. Mai 2018

New Pyrotechnics

Pyrotechnik heute


In der Angewandten Chemie erscheinen von Zeit zu Zeit Artikel zur Pyrotechnik. Diese spiegeln die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet wider. Im Mittelpunkt steht gegenwärtig die Entwicklung umweltfreundlicher und sicherer Pyrotechnika und Spengstoffe. Hier einige Beispiele aus den letzten Jahren.

Rote pyrotechnische Leuchtsätze werden in den USA vielfach beim Militär als Signalfeuer, im Zivilleben bei Unfällen und Gefahrensituationen verwendet. Bei der Verbrennung dieser Leuchtsätze werden fein verteilte Strontiumverbindungen und karzinogene poylchlorierte Aromaten (Dibenzodioxine und Dibenzofurane) frei. Die US-Umweltschutzbehörde ist auf dieses Problem aufmerksam geworden und es drohen Regulierungen und gesetzliche Einschränkungen. In zwei Artikeln wurden Lösungen für die Gesundheits- und Umweltprobleme vorgeschlagen. Sabatini und Mitarbeiter entwickelten chlorfreie Leuchtsätze. (Sabatini, Koch, Poret, Moretti, Harbol, Angew. Chem., 127, 2015,11118) Dabei wird Mg/Sr(NO3)2 verwendet, welches durch Zusatz von 5‐Amino‐1H‐tetrazol oder Hexamethylentetramin desoxidiert wird. Diese Leuchtsätze enthalten allerdings noch Strontium.
Noch einen Schritt weiter geht ein Artikel von 2017. Darin berichten Glück, Klapötke und Kollegen  über ein "Strontium‐ und Chlor‐freies rotes pyrotechnisches Leuchtsignal mit hoher spektraler Reinheit". Die neuen Formulierung verzichtet vollkommen auf Strontium und Organochlorverbindungen. Stattdessen wird ein stickstoffreiches Dilithiumsalz als Oxidationsmittel und Farbgeber vorgeschlagen.  Diese neuen Leuchtsätze sollen eine hohe Farbqualität und Lichtreinheit besitzen. (Glück, Klapötke, Rusan, Sabatini, Stierstorfer, Angew. Chem. 129, 2017, 16733)

Quelle der Abbildung: Wikimedia Commons.



Roter Phosphor ist Hauptbestandteil pyrotechnischer Tarnnebel. Diese werden in der Militärtechnik zum Schutz von Schiffen, Truppen und Flugzeugen eingesetzt. Üblicherweise enthalten die Nebelsätze ein energiereiches Reduktionsmittel wie Magnesium oder Silicium und ein Oxidationsmittel wie Kaliumnitrat. Die Verbrennung dieses Gemisches liefert die notwendige Wärme, um den enthaltenen roten Phosphor zu verdampfen. Dieser verbrennt dann mit Luftsauerstoff zu Phosphor(V)-oxid. Der wiederum hydrolisiert an feuchter Luft zu Phosphorsäure. Diese Prozesse verlaufen unter Bildung von großen Mengen weißem Nebel. Solche Nebelsätze sind sehr reibe- und schlagempfindlich. Das führt häufig zu Unfällen. Bei Feuchtigkeitseinwirkung können diese Nebelsätze hoch giftiges und selbstenzündliches Phosphan (PH3) bilden. Auch das ist ein Problem bei der Handhabung und Lagerung dieser Mittel. Wegen dieser Probleme sucht man nach geeigneten Ersatzstoffen für roten Phosphor in Nebelsätzen. 
Koch und Cudził schlagen als Ersatzmittel Phosphor(V)‐nitrid (P3N5) vor (E.-C. Koch, S. Cudziło, Angew. Chem. 128, 2016, 15665). Dieses kann gefahrlos mit KNO3,  KClO3 und sogar KClO4 gemischt werden. Die von den Autoren vorgeschlagenen Formulierungen sind reibeunempfindlich und wenig schlagempfindlich. Bei der Verbrennung entstehen leistungsfähige Tarnnebel. Die Autoren betonen, dass P3N5 ein sicherer, stabiler und leistungsstarker Ersatz für roten Phosphor darstellt.


US-Kriegsschiffe testen pyrotechnischen Tarnnebel (Quelle der Abbildung: Wikimedia Commons)


Die Erzeugung blau leuchtender Flammen ist schwierig und erfordert genau aufeinander abgestimmte Komponenten. Pyrotechniker verwenden für diese Aufgabe Kupfer oder Kupferverbindungen. Diese werden mit einer chlorhaltigen Komponente kombiniert. Bei der Verbrennung soll dann das blau leuchtende Kupfer(I)-chlorid (CuCl) entstehen. Bei der Verbrennung chlorhaltiger organischer Verbindungen entstehen häufig giftige und krebserzeugende polychlorierte Aromaten. Klapötke und Mitarbeiter suchten daher nach eine umweltfreundlicheren Alternative für solche Leutchsätze (Klapötke, Rusan, Sabatini, Angew. Chem. 126, 2014, 9820). Sie schlagen Kupferiodat (Cu(IO3)2) als Oxidator und Farbgeber in chlorfreien blau brennenden Formulierungen vor. Während des Verbrennungsprozesses entsteht die blau emittierende Verbindung Kupfer(I)-iodid (CuI). In der Zusammenfassung des Artikels vermerken die Autoren: "Im Vergleich zu chlorhaltigen Formulierungen wurden durch die beste blau brennende Formulierung auf Basis von Kupfer(I)‐iodid eine höhere spektrale Reinheit, Lichtintensität und Brenndauer erzielt. Ebenso erwies sich diese Formulierung als unempfindlich gegenüber Schlag, Reibung und Hitze."

Feuerwerk am 4. Juli in Washington (Quelle: Wikimedia Commons)


Der vielleicht interessanteste Artikel in dieser Serie stammt von Steinhauser und Klapötke ( Angew. Chem. 120, 2008, 3376). In einem großen Übersichtsartikel wenden sich die Autoren der Pyrotechnik mit dem “Ökosiegel” zu. Sie halten die Ökologisierung der Pyrotechnik für überfällig und sehen darin eine chemische Herausforderung. In den ersten Kapiteln beschreiben die Autoren zunächst die klassischen Bestandteile von Pyrotechnika. Dann erläutern sie die Nebenwirkungen der darin enthaltenen Umweltgifte. Je nach Zusammensetzung können giftige Schwermetalle wie Barium, Blei, Chrom und anderes enthalten sein. Diese werden beim Verbrennen der pyrotechnischen Sätze fein in der Luft verteilt! Als eine Alternative für die Herstellung umweltverträglicher Pyrotechnika schlagen sie stickstoffreiche energiereiche organische Verbindungen wie Tetrazole und Tetrazine vor. Diese liefern beim Verbrennen vor allem Stickstoff (N2) - und das ist nun wirklich umweltfreundlich.


Feuerwerk bei einer Flugshow (Quelle: Wikimedia Commons)

Donnerstag, 10. Mai 2018

Fake News and Information Literacy

Fake-News und Informationskompetenz


Über dieses Thema (und andere) denkt Thomas Hapke in seinem Blog nach. Er arbeitet als Fachreferent an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Seine Interessengebiete sind nach eigenen Angaben die Förderung von Informationskompetenz, Chemie-Information und die Geschichte der wissenschaftlichen Information. Für mich war der "Fake News Beitrag" auf den ersten Blick interessant.
Weitere lesenswerte Artikel sind: "Was es heisst, Informationskompetenz kritisch zu sehen" von 2017 und der leider schon etwas ältere Beitrag "Informationskompetenz in der Chemie" von 2011. 
Lesen.

Albrecht Dürer: Melancholie (Quelle der Abbildung: Wikimedia Commons)

Freitag, 27. April 2018

Bücher publizieren - Ärger mit Verlagen - Open Access

Andreas Mertin schildert seine Erfahrungen beim Publizieren von Fachbüchern. Zitat: "Die Erfahrung, die ich dann später mit verschiedenen Verlagen machte, war die, dass erwartet wurde, dass ich Texte ganz ohne Honorierung ablieferte. „Seien Sie doch froh, dass wir Sie veröffentlichen, dass dient doch Ihrem wissenschaftlichen Renommee“ wurde mir gesagt."
Weiter kritisiert er die Vorgehensweise von Google beim Bücher scannen und macht sich Gedanken über Open Access. 


Der Artikel erschien 2009 in "Tà katoptrizómena, das Magazin für Kunst, Kultur, Theologie und Ästhetik" von Andreas Mertin: "Im Interesse der Sache. Google, Open Access und Heidelberg"


Abbildung: Mittelalterliche Buchillustration "Vita brevis, ars longa" (Quelle Wikimedia Commons)

Samstag, 21. April 2018

Preprints in Chemistry

Preprints in der Chemie


Unter diesem Titel haben wir einen Artikel in den Nachrichten aus der Chemie veröffentlicht. Seitdem im vorigen Jahr kurz nacheinander zwei Preprintserver für chemische Fachliteratur online gingen, ist dieses Thema hoch aktuell. Das "Chemistry Research Network" wird vom Verlag Elsevier betrieben. Kurze Zeit später kündigte die American Chemical Society einen eigenen Preprintserver "ChemRxiv" an. Auch dieser ist inzwischen online.
Das Hochladen von Preprints war bis vor wenigen Jahren in der Chemie eher verpönt. Redakteure von Chemiezeitschriften lehnten vorab veröffentlichte Manuskripte im Allgemeinen ab. Inzwischen hat sich die Einstellung der Zeitschriftenredaktionen jedoch weitgehend gewandelt. Wie der aktuelle Status ist, erfahren Sie in diesem Artikel
Übrigens: Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Chemiker lesen die "Nachrichten aus der Chemie" kostenlos.




Abbildung: "Opticks" von Isaac Newton. Was Newton mit Preprintservern zu tun hat, erfahren Sie in dem Artikel "Preprints in der Chemie". (Quelle der Abbildungen: Wikimedia Commons)


Samstag, 10. März 2018

Hexamethylbenzene as Dication

Das Hexamethylbenzol-Dikation


Kohlenstoff bildet im Normalfall vier Bindungen aus. Das können vier Einfachbindungen wie in Alkanen sein. Kohlenstoff kann auch Doppelbindungen oder Dreifachbindungen ausbilden. In allen diesen Fällen kann man aber eine Valenzstruktur mit vier Bindungen formulieren (siehe Abbildung 1).


Abb. 1: Klassische Bindungsarten bei Kohlenstoffverbindungen.

Es gibt aber auch Ausnahmen von dieser Regel. Dieser Blog berichtete bereits über fünf- und sechsfach koordinierte Kohlenstoffatome, die in der Koordinationssphäre von Übergangsmetallen  erzeugt wurden. Hier kommt nun ein neues Beispiel für eine exotische und spannende Verbindung. Diese enthält nur Kohlenstofffatome. Es ist ein Isomer vom Benzol. Genauer gesagt ein Dikation des Hexamethylbenzols. Malischewski und Seppelt erzeugten das Dikation C6(CH3)62+ als Salz durch Umsetzung von Hexamethyldewarbenzolepoxid in magischer Säure. Als Gegenion fungiert das SbF6-Anion. Die Details zur Synthese finden sie in der Originalmitteilung in der Angewandten Chemie 129 (2017) 374-376. Es sind verschiedene Strukturen für dieses Dikation denkbar (siehe Abbildung 2). Laut quantenchemischen Berechnungen in der genannten Veröffentlichung besitzt das käfigförmige Isomer b die niedrigste Energie.



Abb. 2: Berechnete relative Energien von C6(CH3)62+ nach Angew. Chem. 129 (2017) 374-376.

Den Autoren gelang es, Einkristalle vom Dikation zu züchten und eine Strukturanalyse anzufertigen (siehe Abbildung 3). Tatsächlich liegt hier die käfigförmige Verbindung b vor. Die zentrale Strukturenheit enthält einen regelmäßigen Ring von fünf Kohlenstoffatomen. Über diesem befindet sich ein zentrales Kohlenstoffatom, welches gleichmäßig an die fünf Kohlenstoffatome in der Ebene gebunden ist. Dazu kommt die Bindung zur peripheren Methylgruppe. Damit ist dieses Kohlenstoffatom, sechsfach koordiniert. Es bildet sechs Bindungen zu benachbarten Kohlenstoffatomen aus!



Abb. 3: Molekülstruktur von C6(CH3)62+ aus der Einkristallstrukturanalye (Abbildung erzeugt mit den Daten aus der CSD, CCDC-Nummer 1496330).



Abb. 4: Kristallstruktur von [C6(CH3)6](SbF6)2 mit HSO3F im Kristallgitter. (Abbildung erzeugt mit den Daten aus der CSD, CCDC-Nummer 1496330).

Abbildung 4 zeigt die Kristallstruktur der Verbindung. Die Kohlenstoffatome sind blau, die Wasserstoffatome weiss, die Antimonatome orange, die Fluoratome giftgrün, das Schwefelatom gelb und die Sauerstoffatome rot dargestellt. Es sind drei SbF6-Anionen zu sehen. Eins davon ist fehlgeordnet, deshalb tauchen die giftgrün dargestellten Fluoratome doppelt auf. Zwei der SbF6-Anionen befinden sich auf speziellen Lagen des Kristallgitters (Inversionszentren) und zählen deshalb nur halb. Der Kristallograph bezeichnet das als Platzbesetzungsfaktoren von 50%. 

Ich möchte noch einmal betonen, das es sich um eine ungewöhnliche, ja geradezu exotische Verbindung handelt. Die Herstellung war sicher sehr schwierig und  beinhaltete unter anderem den Umgang mit Supersäuren und wasserfreiem Fluorwasserstoff. Die Autoren schafften es trotz dieser Schwierigkeiten, die Verbindung zu isolieren, Einkristalle zu züchten und eine Strukturanalyse höchster Qualität anzufertigen. Mein Respekt für diese Leistung!


Weiterführende Links:

Samstag, 24. Februar 2018

How to make a ring out of Nitrogen atoms?

Das Pentazolat-Ion


Eine stabile Verbindung aus  Stickstoffatomen ist das N2-Molekül. Es umgibt uns täglich und jeder hat zumindest schon mal davon gehört, dass es Stickstoff in der Luft gibt.
Größere Verbindungen, die nur aus Stickstoff bestehen, sind eher selten bis exotisch. Kürzlich wurde eine Verbindung isoliert, die das Pentazolat-Anion enthält. Dabei handelt es sich um einen Fünfring, der nur aus Stickstoffatomen besteht und eine negative Ladung trägt. Dieses Anion wurde in Form eines Salzes isoliert. Als Gegenionen (Kationen) fungieren dabei H3O+ und Ammoniumionen. Im Kristallgitter sind noch Chloridionen enthalten. Die Abbildung 1 zeigt die im Kristallgitter enthaltenen Bestandteile. Deutlich ist der Fünfring aus Stickstoffatomen zu erkennen (rosa): das Pentazolat-Anion. Das Chloridion ist grün dargestellt. Ammonium, NH4+, ist das rosafarbene Stickstoffatom, welches von vier Wasserstoffatomen umgeben ist. Die beiden Sauerstoffatome sind rot dargestellt. Diese sind von fehlgeordneten Wasserstoffatomen umgeben. Deshalb sind in der Abbildung sechs Wasserstoffatome pro Sauerstoffatom zu sehen. Die Zusammensetzung dieser Einheiten ist aber H3O+.

Abbildung 1: Anordnung des Atome im Kristallgitter von  (N5)6(H3O)3(NH4)4Cl. Abbildung erzeugt mit den Daten aus der ICSD 431382.


Die Verbindung wird von den Autoren als luftstabile weiße Substanz beschrieben. Sie hat eine Zersetzungstemperatur von 117 °C. Die Zusammensetzung des Salzes ist wichtig für die Stabilität des Pentazolates. Das Entfernen von Chlorid oder Ammoniumionen führt zur sofortigen Zersetzung. Offensichtlich sind die Wasserstoffbrückenbindungen im Kristallgitter für die Stabilität der Verbindung verantwortlich (siehe Abbildung 2).




Abbildung 2: Ausschnitt aus dem Netz der Wasserstoffbrückenbindungen im Kristallgitter von   (N5)6(H3O)3(NH4)4Cl. Abbildung erzeugt mit den Daten aus der ICSD 431382.

Die Publikation erschien in Science Vol. 355, 2017, 374-376, Titel: Synthesis and characterization of the pentazolate anion cyclo-N5ˉ in (N5)6(H3O)3(NH4)4Cl, Autoren: Chong Zhang, Chengguo Sun, Bingcheng Hu, Chuanming Yu, Ming Lu.
Übrigens liegt die Publikation hinter einer Bezahlschranke, die ich nicht überwinden kann. Aber über das Problem hatte ich ja kürzlich berichtet. Daher musste ich auf Sekundärliteratur zurückgreifen (Nachr. Chem. 65, 2017, 222). Zumindest konnte ich die Kristallstrukturdaten von der ICSD abrufen.

Samstag, 27. Januar 2018

#ICanHazPDF

Twitter zur Informationsbeschaffung


"Wie Wissenschaftler Bezahlschranken umgehen" unter diesem Titel berichtete der Chemreporter Marco Körner bereits 2015 über eine originelle Methode der Informationsbeschaffung. Unter dem Tag #ICanHazPDF bitten Wissenschaftler auf Twitter um einen bestimmten wissenschaftlichen Artikel. Wissenschaftler an anderen Einrichtungen, die Zugang zu diesem Artikel haben, schicken diesen dann an die angegebene E-Mail-Adresse. Damit werden die Bezahlschranken der Verlage umgangen. Zum Verwischen der Spuren wird der Tweet anschließend wieder gelöscht.
Der Hashtag hat bereits einen Eintrag in Wikipedia erlangt, scheint also immer noch gängige Praxis unter Twitter-Nutzern zu sein.
Anmerkung: Eine solche Praxis der Piraterie kann ich keinesfalls gutheißen. Keiner sollte so etwas tun!
Die Abbildung habe ich unter Verwendung einer Illustration von John Tenniel zu "Alice im Wunderland" erstellt.

Samstag, 13. Januar 2018

How to get more Citations?

Mehr Zitate erhalten

Der dritte Artikel  zur Informationskompetenz im Jahr 2017 handelt genau davon: Wie kann ich als Autor viele Zitate für meine wissenschaftlichen Arbeiten bekommen? Dafür gibt es einige Möglichkeiten. Diese sind in dem Artikel "Mehr Zitationen erhalten" (Nachrichten aus der Chemie 65, 2017, 1223-1227) ausführlich beschrieben. Der Artikel beruht teilweise auf einer Publikation von Nader Ale Ibrahim. Der Informationswissenschaftler beschäftigt sich bereits seit längerem mit der Optimierung der eigenen Zitationen und hat diese im Artikel "EffectiveStrategies for Increasing Citation Frequency" (International Education Studies, 6, 2013, 93-99) zusammengefasst.
Der Zusammenhang zwischen Sichtbarkeit der eigenen Arbeiten und den Auswirkungen auf die wissenschaftliche Karriere ist in nachfolgender Grafik dargestellt.



Abbildung: Die Sichtbarkeit der eigenen Arbeiten erhöhen („Der Ego-Zyklus“). Illustration: U. Böhme
Quelle: "Mehr Zitationen erhalten" (Nachrichten aus der Chemie 65, 2017, 1223-1227)



Samstag, 6. Januar 2018

Die Funktion wissenschaftlicher Bibliotheken

Wozu noch Bibliotheken?


Darüber sprach Michael Knoche in einer Sendung im Deutschlandfunk. Den Beitrag können Sie auf der Webseite des Deutschlandfunks nachlesen. Alle darin formulierten Gründe kann ich zwar nicht nachvollziehen. Der Beitrag liefert aber eine solide Grundlage für Diskussionen und genügend Stoff zum Nachdenken.

Abbildung: Lesesaal der Library of Congress (Foto: Carol M. Highsmith, Quelle: Wikimedia Commons)

Samstag, 11. November 2017

Information Literacy 3.0

Neue Artikel zur Bibliometrie, Altmetrik und Informationskompetenz

Dieses Jahr haben wir wieder einiges zu diesen Themen in den Nachrichten aus der Chemie veröffentlicht. Da wäre zunächst der Artikel "Die dunkle Seite der Bibliometrie". Wie der Titel schon andeutet werden darin bekannt gewordene Manipulationen und Tricksereien rund um den Impactfaktor vorgestellt. Aber wie Peter Gölitz kürzlich in einem Editorial in der Angewandten Chemie feststellte: "... nach [dem Goodhart-Gesetz] wird jeder Indikator zur Ermittlung der Wirtschaftsleistung nach einiger Zeit nutzlos, da er unweigerlich manipuliert wird." So ist es auch mit dem Impactfaktor.
Der Artikel zur "dunklen Seite" ist übrigens zur Zeit auf der Webseite von Wiley-VCH frei zugänglich. Hier das Zitat plus Link: Nachr. Chem. 65 (2017) 1024-1027.

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/nadc.20174065326/full
Abbildung: Titelseite der Nachrichten aus der Chemie mit einer Illustration zum Thema "Die dunkle Seite der Bibliometrie"


Der zweite Artikel beschäftigt sich mit der Altmetrik. Diese könnte eine sinnvolle Alternative zum Impactfaktor bieten und ein realistischeres Bild über die tatsächliche Nutzung der wissenschaftlichen Fachliteratur liefern. Ob das tatsächlich so ist erfahren Sie, wenn Sie den Artikel "Neue Wege in der Bibliometrie" lesen. Zitat plus Link: Nachr. Chem. 65 (2017) 1125-1128.


Illustration: Uwe Böhme



Samstag, 4. November 2017

The Mechanical Bond


Die Technologie des Tricorders


aus der Serie "Raumschiff Enterprise" wird in dem Buch "The Nature of the Mechanical Bond" nicht direkt behandelt. Aber es geht um ähnlich faszinierende Dinge, nämlich Schalter, Funktionseinheiten und ganze Maschinen - alles aus Molekülen.  Das Buch wurde von C. J. Bruns und J. F. Stoddart verfasst. Letzterer ist ein Pionier und anerkannter Meister auf dem Gebiet der supramolekularen Chemie. So anerkannt, dass er für seine Arbeiten 2016 gemeinsam mit zwei weiteren Wissenschaftlern den Nobelpreis für Chemie für „das Design und die Synthese von molekularen Maschinen“ erhielt.


Freitag, 6. Oktober 2017

Viktor Obendraufs schöne Experimente Band 1 und 2


Zu diesen beiden Büchern las ich bereits mehrfach sehr lobende Rezensionen, siehe z. B. Nachrichten aus der Chemie 65 (2017) 684 und die gleiche Zeitschrift 63 (2015) 817. Nur leider gelingt es mir nicht die Bücher zu bestellen oder auch nur anzuschauen. Amazon gibt für beide Bücher die Auskunft: "Derzeit nicht verfügbar." Schweitzer Fachinformation hat von diesen Büchern noch nie gehört und im Buchhandel war es auch nicht bestellbar. Ich vermute mal das liegt an dem Verlag "Agentur und Verlag Rubikon".  Dieser nutzt wahrscheinlich nicht alle Vertriebswege. Beim Verlag kann man das Buch direkt bestellen. Ohne allerdings vorher einen Blick hineinwerfen zu dürfen, ist mir das zu zu riskant. Schade.



Samstag, 10. Juni 2017

Hinweis für die Leser des Blogs:

Als neues Werkzeug gibt es auf dieser Seite eine Liste mit Themen, die in diesem Blog bereits besprochen wurden. Schauen Sie dazu rechts unten auf dieser Seite!

Samstag, 3. Juni 2017

Infographics on Chemistry

Infografiken über chemische Sachverhalte

Manch ein Chemielehrer sucht eine Nebenbeschäftigung. Der bekannteste (fiktive) Chemielehrer ist sicher Walter White. Seine Beschäftigung mit der Herstellung und dem Vertrieb von Methamphetamin in der Serie Breaking Bad wurde von vielen mit Spannung verfolgt. Es gibt allerdings auch weniger aufregende, dafür aber um so nützlichere Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung. 
Andy Brunning ist High School Lehrer in Großbritannien. Er gestaltet in seiner Freizeit wunderschöne und äußerst interessante Infografiken. Diese veröffentlicht er auf seinem Blog Compound Interest. Seine populärsten Posts sind über Lebensmittel. Das ist ein Thema, welches uns alle interessiert. Dabei beantwortet er Fragen des Alltags wie: Warum bekommt man einen Kater nach zuviel Alkohol? Warum riecht der Urin seltsam nach dem Genuss von Spargel? Warum soll man keine Grapefruit essen, wenn man Medikamente einnimmt?


Quelle der Grafik: www.compoundchem.com "The Chemistry of a Hangover"


Quelle der Grafik: www.compoundchem.com "The Chemistry of Asparagus"


Quelle der Grafik: www.compoundchem.com "The Chemistry of Grapefruit"

 
Alle Infografiken sind auf seinem Blog gut sortiert abrufbar unter dem Stichwort Infographics Index. Auch die Chemical and Engineering News berichteten bereits über die Grafiken von Andy Brunning.

Donnerstag, 27. April 2017

Neu in der Bibliothek

Moderne Anorganische Synthesechemie

ist die Übersetzung des Originaltitels von "Modern Inorganic Synthetic Chemistry" von Ruren Xu und Yan Xu. Dahinter verbirgt sich eine Zusammenstellung der verschiedensten Synthesemethoden. Die Kapitel behandeln Grundlagen, Synthesebeispiele und Literaturstellen folgender Teilgebiete:
  • Hochtemperatursynthesen
  • Synthesen und Reinigungsoperationen bei tiefen Temperaturen
  • Hydrothermale und solvothermale Synthesen
  • Hochdrucksynthesen und Herstellung anorganischer Materialien
  • Anorganische Photochemie
  • CVD-Prozesse und deren Anwendungen
  • Synthese von Koordinationsverbindungen 
  • Cluster
  • Metallorganische Verbindungen
  • Polyoxometallate und andere anorganische supramolekulare Verbindungen
  • Zeolithe 
  • Fullerene, Nanotubes und Graphene
  • Keramische Materialien
  • Funktionale Kristalle (elektrooptische, ferroelektrische, Laser-, NLO-Kristalle)
  • Biomimetische Synthese 

Ein geradezu umfassendes Lehrbuch. Empfehlenswert!

Samstag, 18. März 2017

New Science Books

Erlebnis Wissenschaft


"Heute Science Fiction, morgen Realität?: An den Grenzen des Wissens und darüber hinaus" von Gerd Ganteför erschien 2016 in der Reihe "Erlebnis Wissenschaft". Der Autor diskutiert unter anderem die gegenwärtig genutzen Energiequellen auf der Basis der Energiedichte. Dabei zeigt er die Grenzen bei der Nutzung der Sonnenenergie auf und weist auf die Vorteile der Atomkraft hin. Im weiteren beschreibt er unter anderem mögliche künftige Energiequellen. Die Grenzen des gegenwärtigen Wissens werden an Naturgesetzen, dem Universum und den Elementarteilchen aufgezeigt. Das Kapitel mit einer Vision der Zukunft bietet einen lesenswerten Ausblick.



In der gleichen Reihe erschien "Wissenschaftlich erwiesen: Gütesiegel oder Etikettenschwindel?" von Florian Fisch. Der Autor bietet einen journalistischen Ansatz. Das ist nicht abwertend gemeint. Der Autor kann sehr gut Sachverhalte erklären und der Text liesst sich flüssig. Die Entwicklung umstrittener Themen wird so wiedergegeben, dass der Leser den Verlauf der Diskussionen und die Entwicklung bis zum gegenwärtigen Wissensstand versteht.
Zu den eher historischen Themen gehören Lyssenkoismus oder Evolutionstheorie versus Kreationismus. Aktuell sind Themen wie z.B. "Rotwein ist gesund", "HIV ist nicht tödlich" oder die Klimapolitik. Beim letzten Thema verwendet der Autor den Begriff "Klimaleugner" und beruft sich auf den "Konsens" unter Wissenschaftlern.


Freitag, 10. Februar 2017

Semesterpause

Hier etwas zur Motivation beim Lernen: "So cool kann Chemie sein" von Mai-Thi Nguyen Kim


Samstag, 28. Januar 2017

Science and Media

Wissenschaft im Spiegel der Medien


Wie oft hören wir in den Nachrichten, dass neue Erkenntnisse auf "wissenschaftlichen Untersuchungen" beruhen? Nachrichtensender liefern kontinuierlich Informationen darüber, was in der Welt der Wissenschaft vor sich geht. Dabei werden einige der wichtigsten oder interessantesten Entdeckungen auch dem Laienpublikum erklärt. Oft werden aber auch sich widersprechende Informationen verbreitet. Diese lassen den Zuhörer manchmal an der Ernsthaftigkeit der Wissenschaft zweifeln. Ein gutes Beispiel ist das jahrelange Hin und Her um das Cholesterin. Dazu gibt es eine sehr gute Dokumentation bei Arte: "Der grosse Cholesterinbluff".

Fernsehmoderator John Oliver wies in seiner Sendung auf verfälschte und unvollständige Informationen aus der Welt der Wissenschaft hin. Schauen Sie sich dazu den Videoclip an.




Heutzutage sind viele Menschen verwirrt von den sich widersprechenden Nachrichten über "neueste wissenschaftliche Erkenntnisse" und wissen nicht mehr was sie glauben sollen und ob Nachrichten überhaupt vertrauenswürdig sind. Stark vereinfachte Erkenntnisse aus der Wissenschaft verwandeln sich manchmal, nachdem sie auf eine Schlagzeile heruntergbebrochen wurden, in "wissenschaftlichen Klatsch". Es gibt sogar Fake News aus der Welt der Wissenschaft. In der Dokumentation "Mythen der Wissenschaft" wurde dafür ein Beispiel gezeigt. Zwei Journalisten dachten sich ein wissenschaftliches Institut aus, machten Untersuchungen an Probanden, drehten eine Weile an den Ergebnissen und schrieben dann eine Veröffentlichung und eine Pressemitteilung. Diese lautete im Wesentlichen "Schokolade macht schlank". Über das gewaltige Echo in den Medien waren die Autoren selbst überrascht. Sie deckten dann aber später selbst auf, dass die Studie gefälscht war.

Wissenschaftskommunikation ist eine wichtige Sache. Deshalb sollten Wissenschaftler diese nicht allein Journalisten überlassen, sondern selbst aktiv werden. Das Internet und soziale Netzwerke bieten dafür einfache und effektive Werkzeuge. Beispiele für erfolgreiche Wissenschaftskommunikation sind die Facebookseite von Nature Reviews, die Webseite "PhD Comics" und vielleicht auch dieser Blog. Die Webseite "Mind The Graph" bietet Werkzeuge zum Erstellen von Illustrationen und Infografiken an (siehe Werbebanner unten).  


https://blog.mindthegraph.com/scientific-research/#.WH-jmlyEJpa


Der Text dieses Posts beruht größtenteils auf dieser Quelle:  
https://blog.mindthegraph.com/scientific-information

Mittwoch, 18. Januar 2017

Chemistry Reviews from Publisher Springer Nature

Noch mehr Übersichtsartikel

Das Verlagsgruppe Springer Nature startete diesen Monat ihre neue Zeitschrift Nature Reviews Chemistry. Diese soll vorwiegend Übersichtsartikel veröffentlichen. Das ist vermutlich ein attraktives Geschäft, da gute Übersichtsartikel mehr Zitate auf sich ziehen als Kurzmitteilungen oder Originalarbeiten (siehe  Die Vermessung der Fachliteratur, Nachr. Chem., 61 (2013) 905-908). In Folge dessen dürfte die Zeitschrift in den nächsten Jahren einen hohen Impact-Faktor erreichen. Die Nature-Gruppe hat bereits eine ganze Reihe von Review-Zeitschriften gegründet. Die erste Ausgabe der neu gegründeten Zeitschrift Nature Reviews Chemistry ist für eine begrenzte Zeit online frei verfügbar. Nutzen Sie die Gelegenheit und schauen Sie sich diese an! 
Die Herausgeber erläutern ihre Zielstellung in einem wohldurchdachten Editorial. Als Ausgangspunkt nutzen sie Donald Rumsfelds Erklärung zum Irakkrieg ("There are known knowns..."). Die Zeitschrift enthält nicht nur Übersichtsartikel. Weitere Kategorien sind "Research Highlights" und "Kommentare und Meinungen". Bei den Kommentaren sticht ein Artikel von Helmut Schwarz über den Wert der Grundlagenforschung ins Auge ("On the usefulness of useless knowledge"). Außerdem sollen bei "Kommentare und Meinungen" regelmäßig Artikel über die Lehre ("In the Classroom") und aus der Wirtschaft ("Down to Business") erscheinen. 

http://www.nature.com/natrevchem/volumes/1/issues/1

Samstag, 14. Januar 2017

Open Access-Bücher


Der Verlag InTechOpen ist nach eigenen Angaben der größte Open-Access-Buchverlag der Welt auf den Gebieten der Wissenschaft, Technologie und Medizin. Verschaffen Sie sich am besten selbst einen Einblick, indem Sie sich die Bücher auf dem Gebiet der Chemie anschauen. Ein Download der Kapitel als PDF ist auch möglich. Der Verlag setzt dazu auf jede Seite sein Wasserzeichen.


http://www.intechopen.com/

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Ultra High Performance Concrete

Hochleistungsbeton - Neue Technologien Teil 3


Beton als Baumaterial und Werkstoff hat eher ein langweiliges Image. Beton ist nicht high tech wie Carbonfasern, oder sexy wie Titan, sondern überall präsent und hält scheinbar keine Überraschungen bereit. Das stimmt jedoch nicht ganz. In den letzten zehn Jahren gab es wichtige Entwicklungen beim Beton hin zu einem High-Tech-Werkstoff. Baustoffentwickler sind dabei, Beton mit immer höherer Druckfestigkeit zu entwickeln. Dieser Beton wird als Hochleistungsbeton oder "Ultra High Performance Concrete" (UHPC) bezeichnet und hat besondere Eigenschaften, wie Dichtheit und besseren Widerstand gegen chemische und mechanische Belastungen. (Quelle: www.beton.org)

Die Professoren M. Schmidt und E. Fehling erläutern die Eigenschaften von UHPC folgendermaßen: (zitiert nach: "Ultra-Hochfester Beton - Perspektive für die Betonfertigteilindustrie" bei six4.bauverlag.de) Hochleistungsbeton besitzt kaum noch Kapillarporen. Mit geeigneten Verflüssigern kann er von erdfeucht bis selbstverdichtend hergestellt werden  Die besonderen Eigenschaften des Hochleistungsbetons beruhen auf folgenden Faktoren:
  • einem niedrigen Wasser-Zement-Verhältnis zwischen 0,20 und 0,30,
  • einem hohen Feststoffgehalt des Zementsteins durch Zugabe geeigneter mineralischer Zusatzstoffe,
  • einer hohen Packungsdichte des Feststoffs, verbunden mit einem niedrigen Wasseranspruch des Frischbetons und einer besonders niedrigen Porosität des Festbetons,
  • geeigneten Maßnahmen für eine ausreichende Duktilität bei Druck-, Zug- oder Biegezugbeanspruchung.
Mit Hochleistungsbeton können hoch tragfähige und gleichzeitig besonders leichte und filigrane Bauwerke errichtet werden. Aufgrund des geringen Eigengewichtes sind weitere Spannweiten möglich, z. B. bei Brücken (siehe Abbildung).

 Abbildung: Brücke über die Fulda aus Hochleistungsbeton (Quelle: Wikimedia Commons)


Über die Funktionalisierung der Oberfläche von Hochleistungsbeton berichtete kürzlich Dr.-Ing. Patrick Fontana in der GIT Labor-Fachzeitschrift (8, 2016, Seiten 36-38). Darin erklärt er unter anderem, dass die hohe Packungsdichte und die besonderen Eigenschaften des Frischbetons eine Funktionalisierung der Oberfläche ermöglichen. Nahezu beliebige Mikrostrukturen können an der Oberfläche von UHPC erzeugt werden. So werden zum Beispiel Fassadenelemente aus Hochleistungsbeton bereits bei der Herstellung im Betonfertigteilwerk mit selbstreinigenden Oberflächen ausgestattet. Dabei wird der wasserabweisende Effekt von Pflanzenblättern imitiert. Dieser sogenannt Lotuseffekt beruht darauf, dass durch eine spezielle Mikrostruktur auf der Oberfläche in Kombination mit einer chemischen Hydrophobierung die Benetzbarkeit mit Wasser so gering wird, dass Wassertropfen sehr leicht abperlen und dabei Schmutzpartikel von der Oberfläche aufnehmen und entfernen. Eine Publikation die dieses Verfahren dokumentiert finden Sie hier: M. Horgnies, J.J. Chen, "Superhydrophobic concrete surfaces with integrated microtexture" Cement and Concrete Composites, 52 (2014) 81-90.
Weiter erläutert  Patrick Fontana, dass die Verwendung von technischen Textilien, die in die Betonschalung eingelegt werden, eine sehr viel einfachere Methode für die Mikrostrukturierung darstellt. Dabei wird ebenfalls eine selbstreinigende Betonoberfläche erzeugt. (K. Malaga, A. Lundahl, M. A. Kargol: Use of technical textile to obtain sustainable easy to clean concrete surface. Proc. Hydrophobe VI, 6th Int. Conf. on Water Repellent Treatment of Building Materials, Rome 2011, pp. 181-188.) Diese Methode wird in dem von der EU geförderten Forschungsprojekt H-House ("Healthier Life with Eco-Innovative Components for Housing Constructions") weiter verfolgt.


 Weiterführende Links:

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Social Networks for Science

Soziale Netzwerke für Wissenschaftler


Soziale Netzwerke gibt es nicht nur für Erika und Max Mustermann, sondern auch für Wissenschaftler.  Solche Netzwerke haben spezifische Funktionen für die Zielgruppe. Viel dreht sich dabei um die Darstellung, den Austausch und die Arbeit mit wissenschaftlichen Publikationen. Wer mehr über Nutzen, Vor- und Nachteile dieser Netzwerke erfahren will, liest den Artikel "Akademisch und vernetzt" in den Nachrichten aus der Chemie.

Übrigens finden Sie Zusatzmaterial zu diesem Artikel auf meinem Profil bei Researchgate.


Abbildung: Mattheus van Helmont - Ein Alchemist bei der Arbeit (Quelle: Wikimedia Commons).

Mittwoch, 21. Dezember 2016

A Short History of Open Access

Eine kurze Geschichte von Open Access


Die Publikationspraxis von wissenschaftlichen Peer Review-Artikeln veränderte sich grundlegend in den letzten 20 Jahren.[1, Literaturstellen am Ende dieses Posts] Die technischen Möglichkeiten des Internets eröffneten völlig neue Möglichkeiten. Elektronisches Publizieren und sofortige Verfügbarkeit von wissenschaftlicher Information sind heute Standard. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre erschienen die ersten Open Access-Zeitschriften. Diese gaben häufig Einzelpersonen heraus. Damals hielten nur sehr wenige dieses Publikationsmodell für eine ernsthafte Alternative zur üblichen Publikationspraxis in kommerziellen Abonnementzeitschriften. Eine zweite Welle von Open Access-Zeitschriften entstand aus etablierten Abonnementzeitschriften, die im Besitz von wissenschaftlichen Gesellschaften sind. Diese entschieden sich dafür, die elektronischen Versionen ihrer Zeitschriften frei zugänglich zu machen. Das British Medical Journal (BMJ) war eine der ersten Zeitschriften, die ihre elektronische Version Open Access bereitstellte [2]. Open Access-Zeitschriften sind vor allem in Lateinamerika und Japan populär. Dort existieren Portale wie Scielo [3, 4] oder J-stage [5], die Hunderte von Zeitschriften für die Herausgeber kostenfrei hosten.
Die dritte Welle von Open Access-Zeitschriften wurde durch zwei neue Verlage initiiert: BioMedCentral [6] und die Public Library of Sience (PLoS) [7]. Sie führten Publikationsgebühren für Artikel (Article Processing Charge – APC) als Mittel zur Finanzierung der Open Access Zeitschriften ein. Seit 2000 hat sich dieses Finanzierungsmodell weitgehend durchgesetzt. In den letzten Jahren haben alle führenden Verlagshäuser Open Access-Zeitschriften gegründet, die auf diesem Geschäftsmodell beruhen. Führende Open Access-Zeitschriften verlangen für einen Artikel Publikationsgebühren zwischen 2000 und 3000 US$. Die durchschnittliche Publikationsgebühr für alle Zeitschriften, die im Directory of Open Access Journals gelistet sind, lag 2010 bei 900 US-Dollar [8]. Diese hohen Publikationsgebühren stellen für viele Autoren eine Hürde zur Veröffentlichung in Open Access Zeitschriften dar. Kommerzielle Verlagshäuser bieten inzwischen eine Open Access-Option für ihre Abonnementzeitschriften an. In diesem sogenannten Hybridmodell können die Autoren gegen Zahlung einer Gebühr die elektronische Version ihrer Artikel als Open Access-Artikel freischalten lassen. Die Gebühren für diese Option betragen bis zu 3000 US-Dollar.
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Open_Access_logo_PLoS_transparent.svg
 Literatur:
  1. Die Geschichte von Open Acces folgt inhaltlich der Beschreibung in: B.-C. Björk, D. Solomon: Open access versus subscription journals: a comparison of scientific impact, BMC Medicine2012, 10:73, DOI: 10.1186/1741-7015-10-73; online abrufbar unter: http://bmcmedicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/1741-7015-10-73
  2. Homepage von BMJ: http://www.bmj.com/thebmj
  3. Homepage von Scielo: http://www.scielo.org
  4. Parker, Abel, ed. (2014). SciELO - 15 Years of Open Access: an analytic study of Open Access and scholarly communication (in English, Spanish, and Portuguese). UNESCO. doi:10.7476/9789230012373
  5. Homepage: https://www.jstage.jst.go.jp/browse/
  6. Homepage: http://www.biomedcentral.com/
  7. Homepage: https://www.plos.org/
  8. D. J. Solomon and B.-C. Björk: A study of open access journals using article processing charges. J. Am. Soc. Inf. Sci. Technol. 63, 2012, 1485-1495. DOI: http://dx.doi.org/10.1002/asi.22673

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Quality of Open Access Publications

Die Qualität von Open Access-Publikationen


In den letzten Jahren entstanden sehr viele neue Open Access-Zeitschriften. Ein Teil dieser Zeitschriften und Verlage bewirbt aktiv seine Zeitschriften. Jede Woche erhalte ich E-Mails in denen ich dazu aufgefordert werde, in dieser oder jener Open Access-Zeitschrift zu publizieren. Meist sind es Zeitschriften und Verlage von denen ich noch nie gehört habe. Leider ist es so, dass nicht alle diese Anbieter seriös arbeiten. Bei manchen geht es nur darum, Geld aus den Autoren zu saugen. Diese unseriösen oder auch ausbeuterischen Open Access-Verlage sind gerade dabei, die ganze Open Access-Bewegung zu diskreditieren. In dem Artikel "Open Access - kostenlos oder sinnnlos?" haben wir versucht, Qualitätskriterien für Open Access-Publikationen zusammenzutragen (Nachr. Chem. 64, 2016, 1087-1089).
Schauen Sie sich diesen Artikel an und prüfen Sie die wichtigsten Kriterien die dort genannt werden, bevor Sie einen Artikel bei einer Ihnen unbekannten Zeitschrift einreichen!

Übrigens ist dieser Artikel selbst Open Access und kann von jedermann gelesen werden.



Abbildung: Mattheus van Helmont - Alchemist bei der Arbeit (Quelle: Wikimedia Commons).

Samstag, 10. Dezember 2016

The Quality of Scientific Publications

Über die Qualität wissenschaftlicher Publikationen

Wie zuverlässig sind eigentlich wissenschaftliche Publikationen? Gibt es Qualitätskriterien mit denen ich die Qualität einer wissenschaftlichen Publikation einschätzen kann?
Jawohl, dafür gibt es einige Kriterien. Diese erlauben zwar keine hundertprozentig sichere Evaluation, aber sie bieten Anhaltspunkte. Es sind sozusagen "weiche" Kriterien, die eine ungefähre Abschätzung erlauben. Wer mehr über dieses Thema erfahren will, schaut sich den Artikel "Wissenschaftliche Literatur - fundiert oder fingiert" in den Nachrichten für Chemie 64 (2016) 992-994 an.

Übrigens: Mitglieder der GDCh haben freien Zugang zu diesem Artikel. Loggen Sie sich dafür zunächst auf der Webseite der GDCh ein.


Abbildung: Mattheus van Helmont - Der Alchemist (Quelle: Wikimedia Commons)

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Information Literacy - Reloaded 2016


Die Artikelreihe zur Vermittlung von Informationskompetenz fand im November 2015 mit dem Teil 9 ihren vorläufigen Abschluss. Inzwischen haben wir neue Artikel zu diesem Thema geschrieben. Diese möchte ich in den folgenden Posts vorstellen.



Samstag, 3. Dezember 2016

Book for Christmas


Hier ein Buchtipp zu Weihnachten: 
"Wie man mit dem Feuer philosophiert - Chemie und Alchemie für Furchtlose" von Jens Soentgen,  Peter Hammer Verlag 2015.

Das Buch beginnt mit "Waldchemie" wie Sie bei den Naturvölkern dieser Welt betrieben wurde und wird. Der Autor berichtet über Elefantenkotpapier, Curare, Gummi, Seife, Kampfer und andere Stoffe. Im zweiten Teil des Buches folgt die Alchemie. Sehr schön zu lesen ist das Kapitel über die Entdeckung des Phosphors. Der Leser erfährt wie mühsam es früher war, Salpeter aus den Wänden und Böden von Jauchengruben und Ställen zu gewinnen. Das war kein Hobby von Alchemisten sondern ein strategischer Rohstoff. Salpeter war notwendig, um Schwarzpulver herzustellen. Schwarzpulver brauchten die damaligen Warlords, um Kriege zu gewinnen. 
Der dritte Teil des Buches ist mit "Laborchemie" überschrieben. Hier werden verschiedene Höhepunkten der Chemie vom achtzehnten bis zum zwanzigsten Jahrhundert dargestellt. In diesem Kapitel gibt es eine brillante Erklärung der Phlogistontheorie. Diese versteht jeder Laie! Dabei machen sich die didaktischen Fähigkeiten des Autors bemerkbar. Außerdem erfährt der erstaunte Leser zum Beispiel, dass Heroin um 1900 ein gebräuchliches Medikament gegen Husten war. Auch über die finstere Seite der Chemie wird berichtet: Giftgas im ersten Weltkrieg und KZ-Häftlinge als billige Arbeitskräfte in der deutschen Chemieindustrie während des zweiten Weltkrieges.
Im einem separaten Teil des Buches  werden Experimente mit Naturstoffen und Haushaltschemikalien beschrieben. Praktisch, nachvollziehbar und manchmal überraschend einfache Experimente. 
Die Illustrationen von Vitali Konstantinov sind eine Klasse für sich. Das gesamte Buch ist in den Leitfarben Rot und Schwarz gehalten. Die Illustrationen spielen mit alchemistischen Symbolen, ergänzen den Text hervorragend (siehe Abbildung) und sorgen dafür, dass das Gelesene nicht so schnell vergessen wird. 
Insgesamt ein wunderschönes Buch für (größere) Kinder, Jungendliche und Erwachsene mit Interesse an Chemie und Experimenten!