Samstag, 18. April 2020

Books on Organosilicon Chemistry

Literatur über siliciumorganische Verbindungen


Im Zusammenhang mit dem letzten Post kam die Frage von Lesern auf, welche Monografien für die siliciumorganische Chemie wichtig sind. Also angenommen, als Doktorand hat man ein Thema bekommen und möchte sich erst einmal einen Überblick über die Literatur verschaffen. Dann sollten unbedingt folgende Bücher konsultiert werden:

(Wir sprechen hier nur über siliciumorganische Chemie, für andere Fachgebiete gibt es wieder andere Monografien!)

In der Reihe "The chemistry of functional groups" die zwei Bände "The Chemistry of organic silicon compounds" Volume 1, Herausgeber: S. Patai und Z. Rappoport, 1989, im Lesesaal der Bibliothek verfügbar. Die beiden Bände geben einen Überblick über den Stand der Literatur bis ca. 1988.

In der Reihe "The chemistry of functional groups" die drei Bände "The Chemistry of organic silicon compounds, Volume 2", Herausgeber: Z. Rappoport, Y. Apeloig, 1998, im Lesesaal der Bibliothek verfügbar. Die drei Bände fassen die Enwicklung des Gebietes von 1989 bis ca. 1997 zusammen.


Schließlich erschien in der gleichen Reihe ein Band "The Chemistry of Organic Silicon Compounds, Volume 3", Herausgeber: Z. Rappoport, Y. Apeloig, 2001. Dieser Band ergänzt die vorangehenden Bände um Themen, die noch nicht behandelt wurden.

In der Reihe "The chemistry of functional groups" der Band "The silicon heteroatom bond", Herausgeber: S. Patai, 1991, im Lesesaal der Bibliothek verfügbar.
 
Außerdem lohnt sich oft eine Recherche in der Reihe "Comprehensive Organometallic Chemistry". Diese gibt es inzwischen in den Ausgaben I, II und III. Jede Ausgabe deckt einen anderen Zeitraum ab. In jeder Ausgabe gibt es auch einen Band mit siliciumorganischer Chemie. Hier eine Übersicht über diese Werke:

Titel Anzahl der Bände Abdeckung der Literatur
Comprehensive Organometallic Chemistry 9 bis 1982
Comprehensive Organometallic Chemistry II 14 1982-1994
Comprehensive Organometallic Chemistry III 13 1993-2007




Zu Comprehensive Organometallic Chemistry III gibt es im Moment einen online-Zugang über die Universitätsbibliothek, siehe vorigen Post.
In den Universitätsbibliotheken gibt es diese Bücher meist nur in einem Exemplar im Lesesaal, zum dort Lesen, nicht zum Ausleihen. Der elektronische Zugang wird nur selten angeboten, vermutlich ist das zu teuer. Also muss der fleißige Leser hingehen, das Buch aus dem Regal ziehen, sich setzen und lesen. Diesmal gibt es keinen Zugang mit drei Mausklicks, da nützt auch rummaulen nichts...

Samstag, 11. April 2020

Universitätsbibliothek Aktuell – Direkter Zugang zu Zeitschriften und Monografien


Zurzeit gibt es einen direkten Zugang zu zahlreichen Monografien und Sammelwerken über die Universitätsbibliothek. Eine Liste mit den verfügbaren Werken finden Sie auf der Webseite: Erweiterte elektronische Angebote während der Corona-Krise.

Zugang zu den Volltexten als PDF-Dokumente!

VPN-Client nutzen!

Sonntag, 5. April 2020

New on the Bookshelf - Part 7

Neu in der Bibliothek - Siliciumchemie


Moderne Aspekte der siliciumorganischen Chemie werden gleich in zwei Neuerscheinungen behandelt. Beide Monografien vereinigen Beiträge von verschiedenen Autoren, die ihre fundierten Fachkenntnisse auf den jeweiligen Spezialgebieten einbringen.


Organosilicon Chemistry - Novel Approaches and Reactions von den Herausgebern Tamejiro Hiyama und Martin Oestreich erschien im Dezember 2019. Das Buch fasst die aktuellen Entwicklungen in der Anwendung von Organosiliciumverbindungen in der organischen Synthesechemie und Katalyse zusammen. Unter anderem werden die katalytische Erzeugung von Siliciumnukleophilen, die Si-H-Bindungsaktivierung, die C-H-Bindungssilylierung und Kreuzkupplungsreaktionen unter Beteiligung von Siliciumverbindungen besprochen. In weiteren Kapiteln werden Silylene als Liganden in der Katalyse und chirale Siliciumverbindungen vorgestellt.




Vor drei Jahren (2017) erschien bereits das zweibändige Werk Organosilicon Compounds, herausgegeben von Vladimir Ya Lee. Dieses ist breiter angelegt als das oben vorgestellte Buch. Von der theoretischen Beschreibung, über die Synthese, bis zur Anwendung von siliciumorganischen Verbindungen reicht das Spektrum dieses Werkes.
Zur Theorie gibt es ein eher kurzes Kapitel über "nichtklassische" Organosiliciumverbindungen. Der größte Teil des ersten Bandes ist der Synthese von Organosiliciumverbindungen gewidmet. Dabei werden unter anderem Übergangsmetallkomplexe des Siliciums, siliciumhaltige Käfige und Cluster besprochen. Bei den reaktiven niederkoordinierten Siliciumverbindungen bekommen Kationen, Radikale, Anionen, Systeme mit Mehrfachbindungen und Silaaromaten ihren gebührenden Platz im Buch.
Im zweiten Band finden die Leser physikochemische Daten und Anwendungen. So gibt es Kapitel über neue Ergebnisse der Einkristallstrukturanalyse, 29Si-NMR-Spektroskopie, thermochemische Daten und Fotoelektronenspektroskopie an Organosilanen. Die Kapitel über Anwendungen behandeln Hydrosilierungen, Polysilane, Silikone und Dendrimere.




Dieses zweibändige Werk ist ein würdiger Nachfolger der Monografien von Zvi Rappoport "The Chemistry of Organic Silicon Compounds". Doktoranden mit einem Thema aus der Siliciumchemie sollten dringend diese Bücher konsultieren, bevor sie ihre Arbeit zusammenschreiben!

Samstag, 14. März 2020

New on the Bookshelf - Part 6

Neu in der Bibliothek


"Wenn die Chemie stimmt: Die Fortschritte einer Wissenschaft im Spiegel der Nobelpreise"von Doris Fischer-Henningsen, Roswitha Harrer. Die Autorinnen nutzen die Nobelpreise in Chemie, um den Lesern viele Informationen über die Geschichte der Chemie zu vermitteln. Dabei schauen sie auch über den Tellerrand der Naturwissenschaften hinaus und sprechen über politisch motivierte Gegenpreise, Nahrungsproduktion, Sprengstoffe und viele andere Themen.




Ebenfalls politische Aspekte berührt das Buch "Konfliktstoffe: Über Kohlendioxid, Heroin und andere strittige Substanzen" von Jens Soentgen. Auch hier gibt es ein Kapitel über die Haber-Bosch-Synthese, die Ammoniakproduktion und deren Folgen. Weitere Kapitel behandeln Heroin und Aspirin, Naturgummi und synthetischen Kautschuk und ein separates Kapitel Kohlendioxid. Das Buch ist gut geschrieben und leicht zu lesen.







Sonntag, 8. März 2020



Prof. Karl-Heinz Thiele
Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag!

Samstag, 29. Februar 2020

New on the Bookshelf - Part 5

Neu in der Bibliothek


"Natural Products" von Sicker, Zeller, Siehl und Berger bietet Arbeitvorschriften zur Isolierung von Naturstoffen. Zu jedem Naturstoff wird zunächst der kulturhistorische Hintergrund erläutert, bei dem frühere und heutige Verwendungen der Verbindungen besprochen werden. Zum praktischen Teil der Isolierung des Naturstoffes werden auch die verwendeten Methoden erklärt. Das ist didaktisch sehr gut. Ein weiterer Schwerpunkt ist die spektroskopische Charakterisierung der Verbindungen. Hier werden die Spektren auch abgebildet und es wird viel mehr zu den spektroskopischen Daten erklärt, als es sonst üblich ist. Insgesamt ein gelungenes Buch, mit einem großartigen didaktischen Ansatz!
Geeignet für Studenten der Chemie und Interessenten an Naturstoffchemie.
Das Buch fasst Artikel aus der "Chemie in unserer Zeit" zusammen. Die Artikel in der Zeitschrift sind in Deutsch erschienen. 




Nicht ganz so anspruchsvoll, sondern auch für Laien geeignet ist das Buch "Chemie der Arzneitmittel - Einfache Experimente mit Medikamenten aus der Apotheke" von Georg Schwedt. (Die Publikationsmaschine von Georg Schwedt läuft noch immer, das freut mich.) Die Experimente sind einfach und gut beschrieben. Experimentelle Hintergründe, zum Beispiel "Destillieren, Perkolieren, Mörsern", werden verständlich erklärt.





Donnerstag, 26. Dezember 2019




Prof. Helmuth Drevs im Labor.

Frohe Weihnachten Allerseits!

Samstag, 8. Juni 2019

Graphical Abstracts in Chemistry

Die Kunst des Abstracts

Jeder Artikel in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift verfügt über eine Kurzfassung, den sogenannten "Abstract". Dieser fasst die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit zusammen. Darüber hinaus gibt es in chemischen Fachzeitschriften eine besondere Form der Kurzfassung, den "Graphical Abstract". Dieser zeigt blitzlichtartig das wichtigste Ergebnis oder einen wichtigen Sachverhalt aus dem Artikel. Der Graphical Abstract wird beim Inhaltsverzeichnis der Zeitschrift mit dargestellt. Hier dient er als Blickfang für alle Leser, die das Inhaltsverzeichnis durchblättern. Graphical Abstracts funktionieren sowohl bei den gedruckten Zeitschriften als auch in der online-Version.
Angesichts einer exponentiell wachsenden Flut an Publikationen (siehe "Über die Inflation wissenschaftlicher Zeitschriften") bietet der Graphical Abstract eine Möglichkeit Artikel aufzustöbern, die man sonst vielleicht übersehen hätte. So wie es schön und überraschend sein kann, in einem Buchladen unbekannte Bücher zu entdecken, so bietet der Graphical Abstract im Inhaltsverzeichnis ebenfalls die Möglichkeit etwas zu finden, was man gar nicht gesucht hat.




Donnerstag, 30. Mai 2019

New on the Bookshelf - Part 4

Neu in der Bibliothek


Das Buch "Shattered Symmetry" von Pieter Thyssen bietet eine Einführung in die Gruppentheorie und weit darüber hinaus bis zum "achtfachen Weg der Quarks, der vierdimensionalen Symmetrie des Wasserstoffatoms und der Struktur des Periodensystems".  Sehr mathematiklastig, sicher nicht für den leichtfertig Zerstreuung suchenden Leser geeignet. Der Autor nutzt Illustrationen aus "Alice im Wunderland und" und "Alice hinter den Spiegeln" um Sachverhalte zur Symmetrie zu verdeutlichen. Das ist ganz witzig und lockert die Lektüre auf.





Samstag, 25. Mai 2019

New on the Bookshelf - Part 3

Neu in der Bibliothek



"Atomic Adventures: Secret Islands, Forgotten N-Rays, and Isotopic Murder - A Journey Into the Wild World of Nuclear Science" von James Mahaffey. Eine Reise durch die wilde Welt der Atomwissenschaft, geschrieben von einem Insider. Kernspaltung und Atombombenprojekte in verschiedenen Ländern, Röntgenlaser, kriminelle Nutzung der Kernenergie und vieles mehr. Das Buch ist definitiv nicht  für zart besaitete Personen geeignet. An Kernphysik interessierte Leser wird es sicher ansprechen.


Samstag, 18. Mai 2019

New on the Bookshelf - Part 2

Neu in der Bibliothek


"Kleine Entdeckungsgeschichte(n) der Chemie im Kontext von Zeitgeschichte und Naturwissenschaften" von Michael Wächter ist eine recht kurz gehaltene Geschichte der Chemie, gut lesbar und verständlich. Empfehlenswert für Interessenten.




Donnerstag, 9. Mai 2019

Predatory Conferences

Tagungsorganisation als Geschäftsmodell - Teil 2

Was würden Sie davon halten, wenn Sie nicht nur als Redner zu einer wissenschaftlichen Tagung eingeladen würden, sondern sogleich auch noch im "Scientific Advisory Board" der Tagung mitarbeiten dürften? Das wäre doch eine verlockende Gelegenheit. Nähere Betrachtung der unten stehenden E-Mail ließ mich dann doch misstrauisch werden: Warum sollte ich ausgerechnet beim Themengebiet "Spectroscopy" mitarbeiten? Wie komme ich zu der Ehre?
Der Wissenschaftsjournalist Leonid Schneider beobachtet schon seit längerem die als Organisator dieser Tagung auftretende "International Association of Advanced Materials" (IAAM). Die Ergebnisse seiner Recherchen stellt er auf seiner Webseite "For  Better Science" zusammen. Posts die die "IAAM" betreffen sind diese: Linköping University and Tiwari’s predatory conferences, Predatory conferences and other scams of false Swedish Professor Ashutosh Tiwari. Aus dem Gelesenen entnehme ich, dass Tagungen die von dieser Gesellschaft organisiert werden "Predatory Conferences" sind! Finger weg von diesen Tagungen, nehmen Sie nicht daran teil!




Abbildung: Alice hat sich auf eine Predatory Conference verirrt (Original: Illustration von John Tenniel).



Folgende E-Mail erhielt ich:

Greetings from the IAAM!
On the behalf of congress organizer and based on your expertise and contribution in this important subject area, I am delighted to invite you to deliver an Invited Talk and join as a Member of Scientific Advisory Board in the Thematic Subject on “Spectroscopy” of European Analytical Methods and Spectroscopy Congress during 11 – 14 August 2019, Stockholm, Sweden. If you are interested to participate and share your experience in our rich legacy of advancement of analytical methods and spectroscopy to global excellence, please send me your consent by 05 May 2019.
....
Please note that it is purely academic contribution and organiser will not pay any honorarium for this service. The IAAM hereby confirm you to provide a certificate for member of scientific advisory board after the congress. The Member of Scientific Advisory Board will also get complementary membership of IAAM for 5 years. Please read benefits and other information

  The International Association of Advanced Materials has a rich legacy of more than 5000 well-known speakers from about 100 countries of their IAAM congress assemblies in 2018. The glimpse of truly international networking has strengthened the objective, Knowledge Experience at Sea. Please read more about AMC and follow IAAM Blogs

The congress will bring an amazing experience of cruise hospitality and visit two capital cities of Scandinavia, with allusion of the beautiful views of Stockholm archipelago sailing through nearly 30,000 islands in the summer. Be a part of "Analytical Methods and Spectroscopy" @IAAM, which will run with the 4 thematic sessions and 2 parallel congresses.


Samstag, 4. Mai 2019

New on the Bookshelf

Neu in der Bibliothek


The Rhubarb Connection and Other Revelations von Lars Öhrström, Jacques Covès und Raychelle Burks bietet gut lesbare und teilweise amüsante Essays über Metalle, Metallionen und Metallkomplexe, so z.B. cis-Platin in der Krebstherapie, Rhabarber und Nierensteine, Vergiftungen mit Metallverbindungen.






"Elemente in 30 Sekunden" von Eric Serri. Das Buch erschien bereits 2016, passt aber genau zum Internationalen Jahr des Periodensystems. Die 50, nach Meinung der Autoren, wichtigsten Elemente werden jeweils auf einer Seite vorgestellt, mit Anwendungen und teils witzigen Illustrationen.





Samstag, 6. April 2019

Zitationsvorteil für Open-Access-Publikationen

In der bibliometrischen Fachliteratur taucht immer wieder der Begriff  "Citation Advantage" also Zitationsvorteil auf. Dabei wird vermutet, dass Open-AccesssPublikartionen öfter zitiert werden als kostenpflichtige Artikel - einfach weil sie leichter verfügbar sind. Ob das wirklich so ist und unter welchen Bedingungen eine Open-Access-Publikation tatsächlich mehr Zitationen einbringt, erfahren Sie in dem Artikel "Vorteil für Open-Access-Publikationen". Dieser ist in den Nachrichten aus der Chemie, Band 67, 2019, Heft 4, Seite 29-31 erschienen.


Carl Sptizweg: Der Bücherwurm (Quelle Wikimedia Commons)


Im Zusammenhang mit den Diskussionen um Open Access und die Geschäftspraktiken kommerzieller Verlage sind vielleicht noch folgende Artikel interessant:

Samstag, 2. März 2019

Marketing Video of TU Bergakademie Freiberg




Wer sich weiter über das Leben an einer Universität informieren möchte, kann sich zum Beispiel folgende Webseite vornehmen: "22 Filme die du sehen solltest, bevor Du an einer Universität studierst."  Nicht ganz ernst gemeint ;-)  und eine sehr amerikanische Sichtweise...

Ergänzung am 17. März:

Man hat mich auf "Die Mutter aller Imagfilme" aufmerksam gemacht: Dort steckt Alles drin! Es gibt kurze Interviews mit dem CEO, Acquisition Executive und Sales Manager. Außerdem sind die Worthülsen des Werbesprechs verarbeitet: "effiziente Synergieeffekte nutzen, Kernkompetenz, Nachhaltigkeit, Qualität und Leidenschaft, wir gehen die extra Mile, Face to the Customer..."; und das alles in 4 Minuten 23.

Samstag, 16. Februar 2019

Datenbanken - Fachinformation - Literaturrecherchen - Version 2.0

2013 hatte ich schon einmal eine Übersicht über relevante Datenbanken für Chemiker und Naturwissenchschaftler geliefert. Es ist Zeit für ein Update dieses Posts, da sich inzwischen so einiges geändert hat. Nachfolgend also die aktualisierte Übersicht zu den aus meiner Sicht wichtigsten Datenbanquellen in den Naturwissenschaften. Diese Zusammenstellung ist persönlich gefärbt, desahlb bitte nicht sauer sein, wenn Ihre Lieblingsdatenbank fehlen sollte. 

Das Datenbank-Infosystem der Universitätsbibliothek Freiberg (DBIS) gibt einen sehr schönen Überblick über die verfügbaren online-Datenbanken an unserer Universität.


Hinweis für Leser von anderen Einrichtungen: Zu kostenpflichtigen Datenbanken erhalten Sie natürlich nur Zugang, wenn ihre Organisation (Firma, Universität oder Forschungseinrichtung) entsprechende Lizenzen erworben hat.


1. Wissenschaftliche Suchmaschinen


Google Scholar
Hier kann man gezielt nach wissenschaftlicher Literatur suchen. Dazu gehören Bücher, Zeitschriftenaufsätze und Patente.


BASE - Bielefeld Academic Search Engine
Das ist eine Suchmaschine für wissenschaftliche Dokumente. Aufgrund der Auswahl der Quellen enthält BASE fachlich qualifizierte Informationen in Verbindung mit umfangreichen und hochwertigen Metadaten und unterscheidet sich dadurch von kommerziellen Suchmaschinen (Quelle: Wikipedia).


ScienceResearch
Diese Datenbank verspricht "qualitativ hochwertige Ergebnisse durch Suche mittels fortschrittlicher "federated search technology" in anderen etablierten Suchmaschinen. Die in Realzeit erhaltenen Ergebnisse werden gesammelt, gewertet und Duplikate entfernt." (Quelle: About ScienceResearch.com) Ich habe bisher keine Erfahrungen gesammelt, ob diese spezielle Suchmaschine wirklich einen Erkenntnisfortschritt gegenüber "gewöhnlichen" Suchmaschinen bringt. Das probieren Sie am besten selbst aus!


Worldwidescience
Hier handelt es sich um ein Wissenschaftsportal welches vom Office of Scientific and Technical Information (OSTI) des US-Energieministeriums (DOE) betrieben wird. 




2. Datenbanken


Annual Reviews
  • Fachübergreifende Datenbank
  • Literaturangaben und Abstracts aus Naturwissenschaften, Medizin, Psychologie und Soziologie
  • Die Recherche ist kostenfrei, der Abruf der Volltexte ist kostenpflichtig!

BIOSIS - Biological Abstracts
  • Schwerpunkt der Datenbank ist Biologie und angrenzende Disziplinen (Biochemie, Biophysik, Genetik, Mikrobiologie, Ökologie, Pharmakologie, Paläontologie, medizinische Grundlagenwissenschaften)
  • es werden ca.  6000 internationale Zeitschriften ausgewertet 

ChemSpider
Ist eine frei verfügbare Datenbank chemischer Verbindungen. Sie wird von der Royal Society of Chemistry unterhalten. Das Ziel ist ein umfassender Zugang zu frei zugänglichen chemischen Informationen. Neben der Textsuche bietet ChemSpider eine Struktur- und Substruktursuche mit gezeichneten Strukturformeln an. ChemSpider legt großen Wert auf überprüfte Informationen.


INSPEC (Information Services in Physics, Electronics and Computing)
  • Inhalt der Datenbank entspricht den gedruckten Referateorganen "Physics Abstracts", "Electrical and Electronics Abstracts" und "Computer and Control Abstracts".
  • Damit liegt der Schwerpunkt der Datenbank in der Physik und allen angrenzenden Gebieten (Elektrotechnik, Elektronik, Computertechnik, Regelungstechnik, Informationstechnik, Maschinenbau, Fertigungstechnik und Produktion, Werkstoffwissenschaften, Kerntechnik, Geophysik, Ozeanographie, Biophysik, Biomedizinische Technik)
  • es werden ca. 3850 Fachzeitschriften, ca. 2200 Konferenzserien sowie Bücher, Reports und Dissertationen ausgewertet 
  • Der Zugang ist im Campusnetz über ProQuest möglich. 
  • Die Suche über "Subject Terms" oder "Classification Codes" erlaubt eine verfeinerte Suchstrategie.


Perinorm
Perinorm enthält Normen (z.B. ANSI, DIN, ISO) aus 23 Ländern, technische Regeln, deutsche Rechtsvorschriften mit technischen Bezug, geltende EU-Richtlinien und VDI-Richtlinien. Der Volltextzugriff auf Normen ist nur bei entsprechender Lizenz verfügbar!



PubMed (Public Medline)

  • PubMed enthält die Datenbank MEDLINE
  • In der Datenbank sind Informationen aus der Medizin und angrenzenden Bereichen enthalten.
  • Für die Datenbank werden mehr als 5.600 biomedizinische Zeitschriften ausgewertet.
 
Reaxys

Das ist eine Datenbank für Verbindungen und dazu gehörende Stoffdaten, Synthesen und bibliografische Angaben.Sie enthält Informationen über organische, anorganische und metallorganische Verbindungen,   ausserdem Patente (WO, EP, US) aus Life Sciences und organischer Chemie. Zu jeder Substanz können chemische Informationen, physikalische Eigenschaften, sowie pharmakologische, toxikologische und ökologische Daten abgerufen werden.
Reaxys kombiniert und ersetzt die folgenden 3 Datenbanken:
  • CrossFire Beilstein (beinhaltet die Druckausgabe von K. F. Beilsteins "Handbuch der organischen Chemie" )
  • CrossFire Gmelin (beinhaltet die Daten des gedruckten Gmelin "Handbuch der anorganischen Chemie")
  • Patent Chemistry Database

Scifinder
Scifinder bietet Zugang zur weltweit größten Sammlung chemischer Informationen. Daneben werden auch angrenzende Gebiete wie Verfahrenstechnik, Werkstoffwissenschaften und Biotechnologie erfasst.
Scifinder beinhaltet folgende Datenbanken:

  •     CAPLUS (Chemical Abstracts) und REGISTRY (Substanzen)
  •     CASREACT (Reaktionsdatenbank)
  •     CHEMCATS (Chemikalienkataloge)
  •     CHEMLIST (regulatorische Daten)
  •     Medline


ScienceDirect
  • enthält elektronische Zeitschriften und eBooks des Verlags Elsevier
  • fachübergreifende Datenbank mit Beiträgen aus Keramik, Glas- und Baustofftechnik,
    Medizin, Naturwissenschaft allgemein, Werkstoffwissenschaft / Werkstofftechnologie,
    Wirtschaftswissenschaften
  • Hinweis für Suchende: Sie bewegen sich hier nur im Universum des Verlages Elsevier. Für eine umfassende Recherche sollten sie unbedingt auch andere Datenbanken hinzuziehen!

SCOPUS 
Scopus ist laut Datenbankbetreibern, die weltweit größte Sammlung an Abstracts, Quellenverweisen und Stichwortverzeichnissen im Bereich der Natur- und Ingenieurwissenschaften, Medizin (STM), Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Datenbank bietet eine Verlinkung zu Volltext-Artikeln und anderen bibliografischen Quellen.

    Springer Link
    Das ist eine umfangreiche Sammlung von Monografien, Handbüchern und Enzyklopädien und Zeitschriftenartikeln des Springer Verlags



    Web of Science
    Ist eine fachübergreifende Datenbank mit einem breiten Fächerspektrum von Kunst-, Geistes-, Sozialwissenschaften, Medizin, Naturwissenschaften und Technik. Diese Datenbank haben wir nicht in unserer Universitätsbibliothek lizensiert.


    3. Patente

    Patente zur Chemie sind grundsätzlich auch in Scifinder enthalten und können zu jedem beliebigen Suchbegriff über "Refine / Document Type / Patent" identifizeirt werden.
    Nachfolgend sind einige kostenlose Patentdatenbanken aufgeführt. 


    4. Nachschlagewerke


    CRC Handbook of Chemistry and Physics
    • inhouse-Datenbank auf CD-Rom    
    • entspricht der gedruckten, jährlich erscheinenden Ausgabe des Handbook of Chemistry and Physics der Chemical Rubber Company CRC
    • Fachgebiete:  Chemie und Physik

    Römpp Online (Römpp-Lexikon Online)
    • RÖMPP Online ist die umfangreichste Enzyklopädie zur Chemie und den angrenzenden Wissenschaften in deutscher Sprache
    • das Nachschlagewerk bietet 60.000 Stichwörter aus fünf verschiedenen Römpp-Lexika zu den Fachgebieten Biotechnologie und Gentechnik, Chemie, Lebensmittelchemie, Naturstoffe, Umwelt- und Verfahrenstechnologie 

    Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie
    Dieses Werk ist in der neuesten englischsprachigen Version innerhalb des Campusnetzes zugänglich. Unbedingt empfehlenswert, um sich in ein Thema einzulesen, sind die älteren deutschsprachigen Ausgaben. Diese stehen als Hardcopy in der Bibliothek. Hingehen, lesen!


    5. Kataloge


    SWB
    Der Online-Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB) weist die Medienbestände von mehr als 1.200 Bibliotheken aus den Regionen Baden-Württemberg, Saarland und Sachsen sowie aus weiteren Spezialbibliotheken aus anderen Bundesländern nach.


    KVK
    Der Karlsruher virtuelle Katalog ist ein Meta-Katalog zum Nachweis von mehr als 500 Millionen Medien in Katalogen weltweit.


    6. Stoffdaten

    Einige der oben aufgeführten Datenbanken enthalten auch Stoffdaten, z.B. Reaxys oder Scifinder. Es gibt jedoch auch Datenbanken, die ganz gezielt spezielle Stoffdaten bereit halten. Dafür einige Beispiele:


    SDBS
    Die SDBS enthält spektroskopische Daten organischer Verbindungen. Nutzer können nach 1H-, 13C-NMR-, IR-, Raman- und Massenspektren suchen. Die Datenbank ist kostenfrei. Sie wird vom National Institute of Advanced Industrial Science and Technology bereitsgestellt. Das ist eine japanische Regierungsbehörde.


    NIST - National Institute of Standards and Technology
    Die US-amerikanische Regierungsbehörde sammelt Stoffdaten und stellt diese zur Verfügung. Die Daten sind geprüft und  voll zitierfähig. Die Webseite ist etwas spartanisch programmiert. Der Zugang zu den Stoffdaten erfolgt über die Webseite http://webbook.nist.gov/chemistry/.



    SPECINFO
    enthält spektroskopische Daten organischer Verbindungen. Die Datenbank kann über eine Webseite bei Wiley-VCH aufgerufen werden. Wir haben leider keinen Zugang zu dieser Datenbank und nutzen sie daher nicht mehr. Der Schwerpunkt der Datenbank liegt bei 13C-NMR-Spektren (fast 100000 Spektren), daneben sind auch IR-, Massenspektren und Heterokern-NMR-Spektren (15N-, 17O-, 19F-, 31P-NMR ) enthalten.



    ICSD (Inorganic Crystal Structure Database)
    enthält Kristallstrukturdaten von rein anorganischen Verbindungen, also alle Verbindungen ohne C-H-Bindungen!


      CSD (Cambridge Structural Database)

      enthält Kristallstrukturdaten von organischen und metallorganischen Verbindungen, also alle Verbindungen mit C-H-Bindungen! Sie wird als inhouse-Datenbank vom Cambridge Crystallographic Data Centre vertrieben. Also fragen Sie bei Ihrer Unversität oder Ihrem Arbeitgeber nach, ob eine Lizenz existiert.


      PDB (Protein Data Bank)
      Diese enthält Kristallstrukturen von Proteinen und biologischen Makromolekülen.


      Abbildungen in diesem Post: Leonhardt Thurneysser zum Thurn "Theosophie und Alchemie", 1574. Bereitgestellt von Deutsche Fotothek, abrufbar bei Wikimedia Commons.




      Noch offen:
      • ProQuest Materials Science Collection
      • Science of Synthesis füher Houben-Weyl
      • Landolt-Börnstein unter Springer Materials
      • STNEasy (Patente) 
      • ViFaBi
      • PubChem

      Samstag, 9. Februar 2019

      How to look serious with Predatory Open Access

      Open Access als Geschäftsmodell

      Über betrügerische Open Access Verlage haben wir bereits in den Nachrichten aus der Chemie berichtet (Open Access – kostenlos oder sinnlos? Nachrichten aus der Chemie 64, 2016, 1087).
      Fast täglich erhalte ich E-Mails, die mich zur Publikation in hoch angesehenen und teilwiese völlig neuen Open-Access-Journalen animieren wollen. Zum Glück landen die meisten davon direkt im Spam-Filter und die restlichen kann ich inzwischen ganz gut ignorieren.
      Letztens fiel mir jedoch eine solche E-Mail besonders auf. Als Absenderadresse war angegeben: "Third Floor, 207 Regent Street, London". Ich dachte bei mir: Das ist doch mitten im Herzen von London, Regent Street ist eine der Hauptgeschäftsstraßen. Dort ging ich früher gern auf einen Schaufensterbummel. Wie kann sich ein unbekannter Verlag eine solch teure Adresse leisten? Die Eingabe dieser Adresse in die Suchmaske einer Suchmaschine fördert eine Anzahl aufschlussreicher Treffer zutage: Man erhält sofort mehrere Webseiten mit Mailing-Service-Diensten angezeigt.

      Das bedeutet: Die Adresse gibt es. Man kann dort auch Post hinschicken. Diese wird dann an den eigentlichen Empfänger weiter geleitet. Es ist also eine Briefkastenfirma, die sonst wo sitzen kann. Ein Büro dieses Verlages wird man dort wohl nicht finden...




      Abbildung: William Hogarth - Wahlpropaganda (Quelle: Wikimedia Commons)

      Samstag, 2. Februar 2019

      How to make Money with Conferences

      Tagungsorganisation als Geschäftsmodell

      Mittlerweile bekomme ich fast täglich Einladungen zur Tagungen auf den ich einen Vortrag halten soll. Allerdings frage ich mich, was ich auf Tagungen über "Women Health and Breast Cancer" oder "International Pediatrics Conference" oder “ International Cell Science and Molecular Biology Conference” soll? Welchen Beitrag erhoffen sich die Veranstalter von mir auf dem Gebiet der Kinderheilkunde, Krebsforschung oder Molekularbiologie?
      Ich würde doch erwarten, dass die Veranstalter sich etwas genauer über mein Forschungsprofil informieren und mich dann gezielt einladen. Dieser Einladungen sehen eher aus wie mit der Gießkanne verteilte Massenmails, also einfach nur Spam. Für mich war es bisher ein Rätsel, wieso Tagungsveranstalter derart undifferenziert Leute einladen. Geht es hier nur darum Tagungsbeiträge zu kassieren und Geld zu verdienen? Finden diese Tagungen überhaupt statt?
      Etwas Licht in diese Fragen brachte kürzlich Michael Groß mit einem Beitrag in den Nachrichten aus der Chemie (Heft 12/2018, Seite 1219). Er beschreibt sehr schön eine solche Tagung in Amsterdam. An zwei Tagen sind am gleichen Ort 20 Konferenzen zur chemischen Materialwissenschaft und 50 weitere geplant! Die Tagungen finden tatsächlich statt, aber fast jeder Teilnehmer hat ein anderes Fachgebiet über das er vorträgt. Michael Groß schreibt: "Jeder Teilnehmer ist seine eigene Mikrokonferenz und trägt praktisch nur für sich selbst vor, da sich sonst niemand im Raum für sein Arbeitsgebiet interessiert."

      Fazit: Diese Konferenzen gibt es tatsächlich. Man kann auch dort einen Vortrag halten.
      Aber wissenschaftlichen Austausch mit Kollegen wird man dort wohl nicht finden.

      Ich kenne einige (wenige) seriöse Konferenzreihen an denen ich hin und wieder teilnehme. Diese werden von chemischen Fachgesellschaften organisiert. Im Organisationskommitee sind bekannte Persönlichkeiten aus der wissenschaftlichen Community des Gebietes vertreten. Auf der Konferenz sind auch tatsächlich Kollegen aus demselben Fachgebiet anwesend. Mit denen kann ich diskutieren und erfahre auch Neues, erhalte Anregungen und Hinweise. So sollte eine Tagung ablaufen.



      Abbildung: William Hogarth - Das Bankett (Quelle: Wikimedia Commons)


      Ergänzungen:
      • Michael Groß bezieht sich in seiner Kolumne auf wasetwatch.wordpress.com als Quelle. Dort ist der Erfahrungsbericht eines Teilnehmers einer solchen Veranstaltung ausführlich nachzulesen, mit Fotos und weiteren Quellen.
      • Wikipedia kennt bereits den Begriff "Predatory conference".  Dort sind auch einige betrügerische Tagungsveranstalter genannt.

      Samstag, 12. Januar 2019

      Extraction of Gold from Ocean Water or Wastewater

      Gold aus Meerwasser gewinnen


      Das wurde bereits in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts versucht. Fritz Haber leitete damals ein Forschungsprojekt bei dem Gold aus Meerwasser gewonnen werden sollte. In diesem Blog wurde bereits darüber berichtet.
      Diesem alten Traum scheint jetzt eine Arbeitsgruppe von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne ein Stück näher gekommen zu sein. Sie verwendeten ein Kompositmaterial aus einem Metal-Organic-Framework und einem Polymer zur Extraktion von Goldspuren aus Wassermischungen. Dabei stellten sie fest, dass diese Extraktion schnell und selektiv funktioniert. Aus einer Abwasserprobe wurden innerhalb von 30 Minuten über 99 % des Goldes extrahiert. Der verbleibende Goldgehalt lag unter 10 ppt. Die Gewinnung von Gold aus Meerwasser scheint ebenfalls möglich zu sein. Diese Experimente sind beeindruckend. Mal sehen was daraus wird.

      Hier der Verweis auf die Originalliteratur: Daniel T. Sun, Natalia Gasilova, Shuliang Yang, Emad Oveisi, and Wendy L. Queen: "Rapid, Selective Extraction of Trace Amounts of Gold from Complex Water Mixtures with a Metal–Organic Framework (MOF)/Polymer Composite" Journal of the American Chemical Society 140 (2018) 16697-16703. DOI: 10.1021/jacs.8b09555

      In einem vorangegangenen Artikel hatte sich das Autorenteam um Wendy L. Queen bereits mit der Entfernung von Schwermetallen aus Wasser beschäftigt. Dieses Verfahren könnte zur Trinkwasseraufbereitung genutzt werden. Auch hierfür verwendeten sie ein Kompositmaterial aus einem Metal-Organic-Framework und Polydopamin. Literaturstelle: ACS Cent. Sci. 4 (2018) 349-356.




      Was sind eigentlich Metal-Organic-Frameworks?
      Metal-Organic-Frameworks, abgekürzt "MOF" sind poröse Materialien, die meist aus Metallsalzen von organischen Säuren (Carbonsäuren) bestehen. Man verwendet zur Synthese dieser Verbindungen bevorzugt sperrige Carbonsäuren, bei denen zum Beispiel mehrere Carbonsäurereste an einen Phenylring oder eine Diphenyleinheit gebunden sind. Dadurch entstehen dreidimensionale Netzwerke, die große Poren in ihrer Struktur haben. Diese Poren ermöglichen die reversible Aufnahme verschiedener Stoffe. Anwendungen als Katalysatoren und Adsorptionsmittel wurden bereits untersucht. Die Autoren in dem oben genannten Artikel verwendeten den MOF "Fe-BTC". Dieser wird von der BASF als "Basolite F300" hergestellt und kann von verschiedenen Anbietern gekauft werden. Von diesem MOF gibt es anscheinend keine Strukturanalyse.

      Die unten stehende Abbildung zeigt die Struktur eines anderen MOF als Beispiel für diese Verbindungsklasse. In der Abbildung sehen Sie sehr schön die Porenstruktur des MOF. Die Struktur wurde 1999 in der Zeitschrift Science veröffentlicht.







      Abbildungen: Blick in die Elementarzelle von catena-[bis(μ6-Benzene-1,3,5-tricarboxylato)-triaqua-tri-kupfer decahydrat clathrat], Trivialname HKUST-1. Veröffentlicht in Science 283 (1999) 1148-1150. Abbildungen erzeugt mit den Daten aus der CSD, Referenzcode: FIQCEN. 
      Oben: Darstellung mit Van-der-Waals-Radien, 
      Unten: Darstellung als Kugel-Stab-Modell.

      Samstag, 4. August 2018

      Secondary Publication Rights

      Open Access und Zweitveröffentlichungsrecht


      Die Bibliothek von Alexandria war das größte Repositorium wissenschaftlicher Texte in der Antike. Leider brannte die Bibliothek ab, siehe Abbildung.
      Heute gibt es viele Repositorien für wissenschaftliche Texte. Als Autor können Sie Ihre Publikationen auf der persönlichen Webseite, bei einem institutionellen Repositorium, bei einem fachspezifischen Repositorium oder sogar bei einem akademischen Netzwerk frei zugänglich machen. Sie müssen dabei aber auf jeden Fall die Lizenzbestimmungen des Verlages, bei dem die Erstveröffentlichung ihres Textes geschah, beachten!

      Mehr über das Zweitveröffentlichungsrecht und die damit verbundenen Möglichkeiten erfahren Sie in dem Artikel "Open Access und Zweitveröffentlichungsrecht" in den Nachrichten aus der Chemie, Band 66, August 2018, S. 751-754. Der Artikel ist übrigens frei zugänglich.



      Die brennende Bibliothek von Alexandria (aus H. Göll: Das gelehrte Alterthum, Verlag
      von Otto Spamer, Leipzig, 1870, S. 363)

      Samstag, 30. Juni 2018

      Dangerous Chemicals

      Für das Sommerloch


      Falls die Katstrophenmeldungen ausbleiben, lesen wir gern etwas Gruseliges. Für die Sommerpause bieten sich das zum Beispiel die "Zehn gefährlichsten Chemikalien" an, nachzulesen bei Spektrum der Wissenschaft. Die Liste ist auf starke Effekte und Emotionen ausgelegt. Thioaceton bietet bestialischen Gestank,  wir erfahren etwas über die stärkste Säure, Explosivstoffe und Giftgase. Die Liste enthält aber auch extrem gefährliche und leider oft unterschätzte Gifte aus der Natur. Dazu gehört Botulinumtoxin. Dieses kann schon in einer verdorbenen Fleischkonserve laueren. Ein weiteres Beispiel ist Aflatoxin B1. Dieses Gift wird durch Schimmelpilze produziert und ist extrem stark krebserregend. 
      Nicht alles was in der Natur vorkommt ist gut und harmlos. Deshalb esst nichts Verschimmeltes oder Verfaultes im Sommerurlaub! Und ja, konservierte Lebensmittel retten jährlich Millionen Menschenleben.

       Abbildung: Molekülstruktur von Aflatoxin B1 (Acta Cryst B26, 1970, 1940-1947, Abbildung erzeugt mit den Daten aus der CSD, CCDC reference 1101579)

      Samstag, 16. Juni 2018

      There are No Bonds - Only Bonding!

      Hier eine Vorlesung von Richard F. W. Bader: "There Are No Bonds - Only Bonding!"
      gehalten in der Reihe "Frontiers in Chemistry" an der Case Western Reserve University im Januar 2008.


      Quelle: Youtube

      Samstag, 9. Juni 2018

      The Father of QTAIM

      Der Vater der AIM-Methode

      Die Quantentheorie der Atome in Molekülen ("QTAIM" oder "AIM") wurde hauptsächlich von Richard F. W. Bader entwickelt. Grundlegende Gedanken seiner Theorien und weiterführende Links findet man auf einer Webseite bei der McMaster University in Hamilton, Ontario (Canada). Dort stehen auch einige auobiografische Notizen von ihm. Darin beschreibt er unter anderem, wie er auf die grundlegenden Ideen zur AIM-Methode kam. Seine Theorie ist in dem Buch "Atoms in Molecules - A Quantum Theory" zusammengefasst. 




      Bader kämpfte leidenschaftlich für seine Ideen und es soll wohl nicht gerade einfach gewesen sein, mit ihm zu diskutieren. Einen Eindruck davon erhält man beim Lesen des Protokolls der "Faraday Discussion" im September 2006.
      Einen Nachruf auf das Lebenswerk von Professor Bader druckte "The Globe and Mail" im März 2012: "Scientist had the proof his thinking was correct". Humorvolle Aspekte zur Persönlichkeit bietet das "Epilog" genannte Kapitel im Buch "A Matter of Density" von N. Sukumar (Herausgeber) auf den Seiten 103 und 104.

      Samstag, 26. Mai 2018

      The truth is out there - in electron density

      Die Wahrheit steckt in der Elektronendichte


      Die Quantentheorie der Atome in Molekülen ("QTAIM") wird vielfach benutzt, um Bindungsverhältnisse zwischen Atomen zu analysieren. Mit dieser Methode bekommen wir Informationen darüber, wie zwei Atome in einem Molekül miteinander verbunden sind. Wir können Atombindungen, Ionenbeziehungen, Donor-Akzeptor-Wechselwirkungen und schwache intermolekulare Wechselwirkungen voneinander unterscheiden. Die Methode beruht auf einer Analyse der Elektronendichteverteilung in einem Molekül. Informationen über die Elektronendichteverteilung erhalten wir entweder aus quantenchemischen Berechnungen oder aus hoch aufgelösten Kristallstrukturdaten. Zentraler Gedanke dieser Methode ist, das Auffinden und die Analyse des bindungskritischen Punktes zwischen zwei Atomen. Dabei handelt es sich um das lokale Minimum (den Sattelpunkt) in der Elektronendichteverteilung zwischen den beiden beteiligten Atomen. Die Methode liefert numerische Werte über die Elektronendichte am bindungskritischen Punkt, die zweite Ableitung der Elektronendichte („Laplacian“) und verschiedene weitere Werte zur Charakterisierung der Elektronendichteverteilung. Außerdem können wir grafische Darstellungen erzeugen, welche die Elektronendichteverteilung im Molekül bildlich wiedergeben.

      Hier einige Beispiele für die grafische Darstellung der Elektronendichteverteilung in einem Molekül. Dafür verwendet man sehr gern die "Laplace-Verteilung". Das sind Darstellungen der zweiten Ableitung der Elektronendichte. Diese zeigt sehr gut die lokale Anhäufung (durchgezogene Linien) oder Verarmung an Elektronendichte an (gestrichelte Linien). Die erste Abbildung zeigt einen Schnitt durch die Molekülebene des Ethylens. Zwischen den Wasserstoffatomen und den Kohlenstoffatomen sieht man überall mehrere durchgezogene Linien. Wie auf einer Landkarte zeigen die einen "Berg" von Elektronendichte an. Das ist das typische Bild für kovalente Bindungen. Zwischen den Atomen wird Elektronendichte akkumuliert.

      Abb. 1: Laplaceverteilung im Ethylen.

      Abbildung 2 zeigt die Elektronendichteverteilung in Lithiumfluorid. Das Lithium ist an Elektronendichte verarmt. Ringsherum sieht man nur gestrichelte Linien. Dagegen hat das Fluoratom viel Elektronendichte in einem engen Bereich um den Atomkern herum akkumuliert. Im Gegensatz zum ersten Beispiel ist auf der Kernverbindungslinie zwischen beiden Atomen gar keine Elektronendichteanhäufung zu sehen. Die Elektronenhüllen beider Atome sind kugelförmig. Das ist das typische Aussehen bei ionischen Bindungsverhältnissen.
      Abb. 2: Laplaceverteilung in Lithiumfluorid.

      Ammoniak (NH3) und Borwasserstoff (BH3) bilden ein Addukt. Es handelt sich um einen weissen Feststoff der Formel H3NBH3. Die Verbindung wird als Amminboran oder Borazan bezeichnet. Die Abbildung 3 zeigt einen Schnitt durch dieses Molekül in der Kernverbindungslinie zwischen Bor- und Stickstoffatom. In der Peripherie des Moleküls sieht man Elektronendichteanhäufung zwischen den Atomen Wasserstoff und Stickstoff. Hier liegt eine kovalente Bindung vor. Das Stickstoffatom hat viele durchgezogene Linien um siche herum. Es thront auf einem Berg von Elektronendichte und hat mit Sicherheit die höchste negative Ladung in diesem Molekül. Um das Boratom herum sind nur gestrichelte Linien zu sehen. Diese zeigen eine Verarmung an Elektronendichte an. Zwischen dem Wasserstoff- und dem Boratom befindet sich eine Anhäufung von Elektronendichte. Diese bricht aber in der Nähe des Boratoms plötzlich ab. Solche Wechselwirkungen werden oft als "intermediate Type" zwischen ionisch und kovalent beschrieben. Aber für eine qualifizierte Aussage ist hier auf jeden Fall eine genauere Analyse der numerischen Parameter notwendig. 
      Bei diesem Molekül möchte ich vor allem auf die Wechselwirkung zwischen dem Stickstoffatom und dem Boratom hinweisen: Entlang der Kernverbindungslinie zwischen beiden Atomen wird ausgehend vom Stickstoffatom Elektronendichte akkumuliert. Man "sieht" hier gleichsam die Donorwirkung des Stickstoffatoms auf das elektronenarme Boratom! Das ist ein schönes Beispiel für eine Donor-Akzeptor-Wechselwirkung.

      Abb. 3: Laplaceverteilung im Addukt aus NH3 und BH3.

      p.s. Ich benutze gern die AIM-Methode. Auf Grundlage der Elektronendichteverteilung in einem Molekül liefert sie klare Aussagen zu den Bindungsverhältnissen zwischen den Atomen. Auch intermolekulare Wechselwirkungen können mit dieser Methode klassifiziert werden.

      Samstag, 19. Mai 2018

      New Pyrotechnics

      Pyrotechnik heute


      In der Angewandten Chemie erscheinen von Zeit zu Zeit Artikel zur Pyrotechnik. Diese spiegeln die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet wider. Im Mittelpunkt steht gegenwärtig die Entwicklung umweltfreundlicher und sicherer Pyrotechnika und Spengstoffe. Hier einige Beispiele aus den letzten Jahren.

      Rote pyrotechnische Leuchtsätze werden in den USA vielfach beim Militär als Signalfeuer, im Zivilleben bei Unfällen und Gefahrensituationen verwendet. Bei der Verbrennung dieser Leuchtsätze werden fein verteilte Strontiumverbindungen und karzinogene poylchlorierte Aromaten (Dibenzodioxine und Dibenzofurane) frei. Die US-Umweltschutzbehörde ist auf dieses Problem aufmerksam geworden und es drohen Regulierungen und gesetzliche Einschränkungen. In zwei Artikeln wurden Lösungen für die Gesundheits- und Umweltprobleme vorgeschlagen. Sabatini und Mitarbeiter entwickelten chlorfreie Leuchtsätze. (Sabatini, Koch, Poret, Moretti, Harbol, Angew. Chem., 127, 2015,11118) Dabei wird Mg/Sr(NO3)2 verwendet, welches durch Zusatz von 5‐Amino‐1H‐tetrazol oder Hexamethylentetramin desoxidiert wird. Diese Leuchtsätze enthalten allerdings noch Strontium.
      Noch einen Schritt weiter geht ein Artikel von 2017. Darin berichten Glück, Klapötke und Kollegen  über ein "Strontium‐ und Chlor‐freies rotes pyrotechnisches Leuchtsignal mit hoher spektraler Reinheit". Die neuen Formulierung verzichtet vollkommen auf Strontium und Organochlorverbindungen. Stattdessen wird ein stickstoffreiches Dilithiumsalz als Oxidationsmittel und Farbgeber vorgeschlagen.  Diese neuen Leuchtsätze sollen eine hohe Farbqualität und Lichtreinheit besitzen. (Glück, Klapötke, Rusan, Sabatini, Stierstorfer, Angew. Chem. 129, 2017, 16733)

      Quelle der Abbildung: Wikimedia Commons.



      Roter Phosphor ist Hauptbestandteil pyrotechnischer Tarnnebel. Diese werden in der Militärtechnik zum Schutz von Schiffen, Truppen und Flugzeugen eingesetzt. Üblicherweise enthalten die Nebelsätze ein energiereiches Reduktionsmittel wie Magnesium oder Silicium und ein Oxidationsmittel wie Kaliumnitrat. Die Verbrennung dieses Gemisches liefert die notwendige Wärme, um den enthaltenen roten Phosphor zu verdampfen. Dieser verbrennt dann mit Luftsauerstoff zu Phosphor(V)-oxid. Der wiederum hydrolisiert an feuchter Luft zu Phosphorsäure. Diese Prozesse verlaufen unter Bildung von großen Mengen weißem Nebel. Solche Nebelsätze sind sehr reibe- und schlagempfindlich. Das führt häufig zu Unfällen. Bei Feuchtigkeitseinwirkung können diese Nebelsätze hoch giftiges und selbstenzündliches Phosphan (PH3) bilden. Auch das ist ein Problem bei der Handhabung und Lagerung dieser Mittel. Wegen dieser Probleme sucht man nach geeigneten Ersatzstoffen für roten Phosphor in Nebelsätzen. 
      Koch und Cudził schlagen als Ersatzmittel Phosphor(V)‐nitrid (P3N5) vor (E.-C. Koch, S. Cudziło, Angew. Chem. 128, 2016, 15665). Dieses kann gefahrlos mit KNO3,  KClO3 und sogar KClO4 gemischt werden. Die von den Autoren vorgeschlagenen Formulierungen sind reibeunempfindlich und wenig schlagempfindlich. Bei der Verbrennung entstehen leistungsfähige Tarnnebel. Die Autoren betonen, dass P3N5 ein sicherer, stabiler und leistungsstarker Ersatz für roten Phosphor darstellt.


      US-Kriegsschiffe testen pyrotechnischen Tarnnebel (Quelle der Abbildung: Wikimedia Commons)


      Die Erzeugung blau leuchtender Flammen ist schwierig und erfordert genau aufeinander abgestimmte Komponenten. Pyrotechniker verwenden für diese Aufgabe Kupfer oder Kupferverbindungen. Diese werden mit einer chlorhaltigen Komponente kombiniert. Bei der Verbrennung soll dann das blau leuchtende Kupfer(I)-chlorid (CuCl) entstehen. Bei der Verbrennung chlorhaltiger organischer Verbindungen entstehen häufig giftige und krebserzeugende polychlorierte Aromaten. Klapötke und Mitarbeiter suchten daher nach eine umweltfreundlicheren Alternative für solche Leutchsätze (Klapötke, Rusan, Sabatini, Angew. Chem. 126, 2014, 9820). Sie schlagen Kupferiodat (Cu(IO3)2) als Oxidator und Farbgeber in chlorfreien blau brennenden Formulierungen vor. Während des Verbrennungsprozesses entsteht die blau emittierende Verbindung Kupfer(I)-iodid (CuI). In der Zusammenfassung des Artikels vermerken die Autoren: "Im Vergleich zu chlorhaltigen Formulierungen wurden durch die beste blau brennende Formulierung auf Basis von Kupfer(I)‐iodid eine höhere spektrale Reinheit, Lichtintensität und Brenndauer erzielt. Ebenso erwies sich diese Formulierung als unempfindlich gegenüber Schlag, Reibung und Hitze."

      Feuerwerk am 4. Juli in Washington (Quelle: Wikimedia Commons)


      Der vielleicht interessanteste Artikel in dieser Serie stammt von Steinhauser und Klapötke ( Angew. Chem. 120, 2008, 3376). In einem großen Übersichtsartikel wenden sich die Autoren der Pyrotechnik mit dem “Ökosiegel” zu. Sie halten die Ökologisierung der Pyrotechnik für überfällig und sehen darin eine chemische Herausforderung. In den ersten Kapiteln beschreiben die Autoren zunächst die klassischen Bestandteile von Pyrotechnika. Dann erläutern sie die Nebenwirkungen der darin enthaltenen Umweltgifte. Je nach Zusammensetzung können giftige Schwermetalle wie Barium, Blei, Chrom und anderes enthalten sein. Diese werden beim Verbrennen der pyrotechnischen Sätze fein in der Luft verteilt! Als eine Alternative für die Herstellung umweltverträglicher Pyrotechnika schlagen sie stickstoffreiche energiereiche organische Verbindungen wie Tetrazole und Tetrazine vor. Diese liefern beim Verbrennen vor allem Stickstoff (N2) - und das ist nun wirklich umweltfreundlich.


      Feuerwerk bei einer Flugshow (Quelle: Wikimedia Commons)