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Dienstag, 20. September 2016

Books on Organosilicon Chemistry

Siliciumorganische Chemie


Das Standardwerk über siliciumorganische Chemie sind auf jeden Fall die Bände "The Chemistry of Organic Silicon Compounds" herausgegeben von Z. Rappoport und S. Patai. Hier muss der Leser bei der Suche in der Bibliothek aufpassen, dass er nichts übersieht. Denn es gibt mehrere Ausgaben, deren Inhalte sich nicht überscheniden sondern ergänzen.
Die erste Ausgabe stammt von 1989 und besteht aus zwei Bänden. Die zweite Ausgabe ist von 1998 und besteht aus drei Bänden. Also insgesamt sind 5 Bände zu durchsuchen. Angesichts des hohen Preises (siehe Link unten) ist das sicher nichts für den heimischen Bücherschrank, aber in einer guten Universitätsbibliothek sollten die Bände zu finden sein.


Voll konzentriert auf Anwendungen in der organischen Synthese ist das "Handbook of Reagents for Organic Synthesis: Reagents for Silicon-Mediated Organic Synthesis"
herausgegeben von P. L. Fuchs und A. J. Pearson von 2011. Der Leser wird überrascht sein, welch vielfältige Anwendungen siliciumorganische Verbindungen in der organischen Chemie besitzen. Auch einfach mal im Buch stöbern ist nützlich und liefert neue Anregungen.
Schließlich der Höhepunkt, der im Moment meine volle Begeisterung genießt, ist das von H. W. Roesky herausgegebene Buch "Efficient Methods for Preparing Silicon Compounds" von 2016. Hier spiegelt sich der neueste Forschungsstand wider. Alle siliciumorganischen Verbindungsklassen die in den letzten Jahren neu entdeckt und untersucht wurden sind hier versammelt: Silyl-Radikale, Silyl-Anionen, Silyl-Kationen, Silylene, Disilene, Silsesquioxane, Si(II)-Komplexe, und Silylen-Komplexe. Es gibt in jedem Abschnitt eine kurze Erklärung und Einführung in die Verbindungsklasse, danach folgen die Synthesevorschriften. Diese sind allerdings nicht für Anfänger geeignet, sondern sollten nur von fortgschrittenen Studenten oder Doktoranden nachgearbeitet werden. Weiterführende Literaturstellen runden jedes Kapitel ab.




Donnerstag, 5. Februar 2015

Mechanism of Carbon Carbon Cross Coupling

Der Mechanismus von C-C-Kupplungsreaktionen


Kürzlich berichtete ich über moderne C-C-Kupplungsreaktionen. An dieser Stelle möchte ich noch etwas zu den ablaufenden Mechanismen dieser Reaktionen schreiben. Die verschiedenen palladiumkatalysierten Kupplungsreaktionen lassen sich im Wesentlichen mit einem Reaktionsmechanismus beschreiben, siehe nachfolgendes Schema. Dabei entsteht zum Beispiel aus der Katalysatorvorstufe PdL4 durch Ligandendissoziation der katalytisch aktive Komplex PdL2. Dieser ist in der Lage durch oxidative Addition das Substrat R1-X zu koordinieren. Im nächsten Schritt findet eine Transmetallierung statt. Dabei überträgt die zweite Komponente M-R2 die Organylgruppe R2 auf den Komplex. Im letzten Schritt des Katalysezyklus wird durch reduktive Eliminierung das Produkt der C-C-Kupplung (R1-R2) gebildet. Der katalytisch aktive Komplex PdL2 wird dabei zurück gebildet.

Je nach Art der Kupplungsreaktionen werden unterschiedliche Reagenzien R1-X und M-R2 eingesetzt. So verwendet man zum Beispiel bei der Sonogashira-Kupplung für M-R2 einen Boronsäureester (HO)2B-R.
Bei der Hiyama-Kupplung dient eine fünffach koordinierte Siliciumverbindung als Reagenz zur Transmetallierung (M-R2). Dabei geht man zunächst von einer Alkylsiliciumverbindung F3Si-R aus und aktiviert diese durch Zugabe von Fluoridionen. Die intermediär gebildete fünffach koordinierte Siliciumverbindung weist neben vier recht stabilen Silicium-Fluor-Bindungen auch eine durch die Höherkoordination aktivierte Silicium-Kohlenstoffbindung auf. Diese Aktivierung durch Höherkoordination ermöglicht die Übertragung des Alkylrestes auf das Substrat.
Als Besonderheit soll hier noch erwähnt werden, dass bei der Heck-Kupplung keine Transmetallierung stattfindet, sondern ein Alken in die Palladium-Kohlenstoffbindung Pd-R1 insertiert wird.


Mehr über die Mechanismen dieser Kupplungsreaktionen erfahren Sie in dem Buch "Grundlagen der metallorganischen Komplexkatalyse" von Dirk Steinborn.

Freitag, 2. Januar 2015

Carbon Carbon Cross Coupling Reactions

Moderne C-C-Kupplungsreaktionen

Die einfachste Art der C-C-Kupplungsreaktion ist wohl die Wurtz-Reaktion. Diese tritt als unerwünschte Nebenreaktion bei der Herstellung von Grignardverbindungen auf. Dabei reagiert die Grignardverbindung R-Mg-X mit überschüssigem Alkylhalogenid R-X unter Bildung des Kupplungproduktes R-R nach folgender Reaktionsgleichung:
Diese Reaktion tritt z.B. ein, wenn man bei der Herstellung einer Grignardverbindung das Alkylhalogenid zu schnell zutropft oder indem die Reaktionsmischung zu wenig gerührt wird. Dabei kommt es zu einer ungenügenden Vermischung der Komponenten. Meist wird die Wurtz-Reaktion als solche gar nicht wahrgenommen, sondern man wundert sich nur über die geringe Ausbeute beim Versuch. Dass möglicherweise die eigene  Versuchsführung einen Hauptanteil an der niedrigen Ausbeute hatte, ist Vielen nicht klar.
Allerdings kann man die Wurtz-Reaktion auch zur gezielten Kupplung von zwei Alkylresten nutzen. So wird in einem ersten Schritt eine Grignardverbindung hergestellt und diese in einem zweiten Schritt mit einem anderen Alkylhalogenid umgesetzt. Solche Reaktionen bei denen gezielt zwei unterschiedliche Organylreste miteinander verknüpft werden, bezeichnet man als C-C-Kreuzkupplungen.
Für die heute genutzten Kreuzkupplungen nutzt man vor allem Palladiumkomplexe als Katalysatoren. Es gibt mittlerweile eine breite Palette an C-C-Kupplungsreaktionen bei denen die verschiedensten Substrate mit Alkylhalogeniden verknüpft werden. Nachfolgend eine kleine Übersicht über diese Reaktionen mit wichtigen Literaturstellen.

Bei der Glaser-Kupplung werden zwei Alkinylreste miteinander verknüpft. Dabei entsteht ein Dialkin. Die Reaktion benötigt einen kupferhaltigen Katalysator.
Literatur: "Acetylenkupplungen: eine leistungsfähige Methode für den Aufbau von Molekülen" von P. Siemsen, R. C. Livingston, F. Diederich, Angewandte Chemie 112 (2000) 2740–2767.

Bei der Sonogashira-Kupplung wird ein Alkin mit einem Alkylhalogenid verknüpft. Als Katalysatoren dienen Palladiumverbindungen in Kombination mit Kupfer(I)-derivaten. Diese beiden Kupplungsreaktionen werden zum Beispiel zur Synthese von Eninen und Endiinen in der Naturstoffchemie genutzt.

Literatur: "The Sonogashira Reaction:  A Booming Methodology in Synthetic Organic Chemistry" von R. Chinchilla,  C. Nájera, Chem. Rev. 107 (2007) 874–922.
"Chemicals from Alkynes with Palladium Catalysts" R. Chinchilla, C. Nájera, Chem. Rev.  114 (2014) 1783–1826.

Die Heck-Kupplung ermöglicht die Einführung von Alkyl-, Aryl-, Benzyl- oder Alkenylgruppen (R1) in Alkene. So erhält man aus Arylhalogeniden Styrolderivate, aus Benzylhalogeniden Allylverbindungen und aus Vinylhalogeniden 1,3-Diene. Auch für diese Reaktion verwendet man Palladiumvebindungen als Katalysatoren.
Literatur: "The Heck Reaction as a Sharpening Stone of Palladium Catalysis" von I. P. Beletskaya und A. V. Cheprakov, Chemical Reviews 100 (2000) 3009-3066.
"Kleider machen Leute: Heck-Reaktion im neuen Gewand" von A. De Meijere und F. E. Meyer, Angewandte Chemie 106 (1994) 2473–2506.



Bei der Suzuki-Kupplung werden Alkyl-, Alkenyl- oder Arylhalogenide mit Organoborverbindungen zur Reaktion gebracht. 
Literatur:  "Recent advances in the cross-coupling reactions of organoboron derivatives with organic electrophiles 1995–1998" von A. Suzuki, Journal of Organometallic Chemistry 576 (1999) 147-168.
"Cross-coupling reactions via organoboranes" von A. Suzuki, Journal of Organometallic Chemistry 653 (2002) 83-90.
"Palladium Catalysts for the Suzuki Cross-Coupling Reaction: An Overview of Recent Advances" von F. Bellina, A. Carpita, R. Rossi, Synthesis 15 (2004) 2419-2440.


Die Negishi-Kupplung ermöglicht die Verknüpfung von Alkenyl-, Alkinyl- oder Arylhalogeniden mit Organozinkverbindungen.
Literatur: "Palladium- or nickel-catalyzed cross coupling. A new selective method for carbon-carbon bond formation" von E. Negishi, Accounts of Chemical Research 15 (1982) 340-348.
Bei der Stille-Kupplung werden Alkyl-, Alkenyl- oder Arylhalogenide mit Hilfe von Organozinnderivaten einer C-C-Knüpfungsreaktion unterzogen.
Literatur: "The Palladium-Catalyzed Cross-Coupling Reactions of Organotin Reagents with Organic Electrophiles" von J. K. Stille, Angewandte Chemie International Edition in English 25 (1986) 508–524.
"Die Mechanismen der Stille-Reaktion" von P. Espinet und A. M. Echavarren, Angewandte Chemie 116 (2004) 4808–4839.


In den stark schematisierten Reaktionsgleichungen, die oben abgebildet sind, kommt leider nicht der eigentliche Nutzen dieser Reaktionen zum Ausdruck: Mit Hilfe der palladiumkatalysierten Kupplungsreaktionen, kann man Fragmente miteinander verknüpfen, die mit den klassischen Methoden der organischen Chemie gar nicht oder nur sehr umständlich miteinander verknüpfbar sind. So gelingt z.B. die Verknüpfung von zwei Aromaten miteinander, so ist es möglich  komplexe Gruppen mit empfindlichen funktionellen Gruppen in Aromaten einzuführen und so sind hochfunktionaliserte Alkene oder Alkine herstellbar.

Der große Nutzen dieser neuartigen Kupplungsreaktionen wurde mit dem Nobelpreis für Chemie 2010 gewürdigt. Richard F. Heck, Ei-ichi Negishi und Akira Suzuki teilten sie diesen für Ihre Beiträge zu Palladium-katalysierten Kreuzkupplungen in der organischen Synthese. Die Nobelpreisvorträge von Negishi und Suzuki sind in der Angewandten Chemie veröffentlicht worden, hier die Links:

Zum Abschluss noch zwei Buchempfehlungen zum Themas C-C-Kupplungsreaktionen:

    Sonntag, 2. November 2014

    What is "hot" in Organometallic Chemistry?

    Was sind "heisse" Themen in der metallorganischen Chemie?


    Dieses Jahr nahm ich an der International Conference on Organometallic Chemistry (ICOMC) in Sapporo teil. Mehr als 700 Poster und mehrere hundert Vorträge zu allen Themengebieten der metallorganischen Chemie wurden vorgestellt. An dieser Stelle möchte ich nicht über all die wunderbaren neuen Katalysen, Kupplungsreaktionen und Transformationen schreiben, die mit den neuen Komplexverbindungen erreicht wurden. Es geht auch nicht darum, einen bifunktionellen (ambidenten) Liganden ein spannendes Label wie "Januskopf"-Ligand zu verpassen oder Metall-Carboxylate als "metal organic frameworks" (MOF) zu vermarkten. Sondern ich möchte hier nur einige typische Liganden und daraus abgeleitete Komplexverbindungen vorstellen, die zur Zeit verwendet werden. Ich denke damit verrate ich keine Geheimnisse.

    Bei der Tagung traten zwei generelle Ligandsysteme in den Vordergrund, die zur Zeit sehr häufig verwendet werden und vielfältige Einsatzmöglichkeiten eröffnen. Das sind Pinzetten-Liganden (Pincer Ligands) und N-heterocyclische Carbene (NHC). Daneben werden auch weiterhin lange bekannte Ligandsysteme wie Cyclopentadienylliganden für verschiedene Anwendungen genutzt. Zur Illustration zeige ich nachfolgend einige Schemata mit typischen Vertretern dieser Ligandsysteme.  Die Zeichnungen sind ziemlich groß. Sie erhalten ein größere Darstellung auf dem Bildschirm, wenn Sie auf die Bilder draufklicken.



    Abb. 1: Beispiel für Komplexverbindungen mit Pinzettenliganden. Bei diesem Ligandtyp ist das Zentralatom über drei Haftatome an den Liganden koordiniert. Durch den Chelateffekt entstehen stabile Komplexverbindungen. Geeignete Gruppen zur lateralen (seitlichen) Koordination sind hier Pyridyl-, Diphenylphospino-, Oxazol- oder Phenolatgruppen. Für die zentrale Koordinationstelle des Liganden können die verschiedensten Atome genutzt werden. In den obigen Beispielen sind das Silicium, Germanium, Phosphor, Schwefel und auch das Kohlenstoffatom eines Phenylrestes.

    Abb. 2: Weitere Beispiele für Komplexverbindungen mit Pinzettenliganden. Als Besonderheit kommt bei den hier abgebildeten Verbindungen hinzu, dass hier noch N-heterocyclische Carbene (NHC) im Ligandsystem eingebaut sind. Diese werden meist in den lateralen Gruppen verwendet. Oben ist jedoch auch eine Kompelxverbindung zu sehen, bei der das NHC an zentraler Position der Pinzette sitzt. Erkennen Sie diese Verbindung?
    Abb. 3: Die neue Ligandklasse des letzten Jahrzehntes sind wohl die N-heterocyclischen Carbene. In oben stehender Abbildung finden Sie einige Beispiele für aktuelle verwendete Ligandsysteme. Teilweise werden die NHC-Liganden noch durch zusätzliche Donorgruppen unterstützt (zweite Reihe in der Abbildung) oder sogar in Pinzettenliganden integriert (siehe Abb. 2). Ganz unten in Abbildung 3 ist ein "Kronenether"-artiger NHC-Ligand dargestellt. Ich weiss nicht, ob es für diese Art von Liganden schon einen Eigennamen gibt.

    Abb. 4: Etwas in der Hintergrund getreten sind in den letzten Jahren die Metallocene und Cyclopentadienylkomplexe. Auf der Tagung wurde aber deutlich, dass diese immer noch präsent sind und vor allem zur Stabilisierung von reaktiven Molekülen oder von größeren Baueinheiten verwendet werden.



    Ergänzung 03.12.2014

    An dieser Stelle sollten natürlich gleich noch einige Literaturhinweise folgen. Empfehlenswert zum Thema Pinzettenliganden sind aus meiner Sicht folgende Monographien: Pincer and Pincer-Type Complexes: Applications in Organic Synthesis and Catalysis, Organometallic Pincer Chemistry (Topics in Organometallic Chemistry)und The Privileged Pincer-Metal Platform: Coordination Chemistry and Applications herausgegeben von Gerard van Koten. Es gibt auch einen lesenswerten Übersichtsartikel von Gerard van Koten "Pincer ligands as powerful tools for catalysis in organic synthesis" (J. Organomet. Chem. 730, 2013, 156-164). 


    Zum Thema N-heterocyclische Carbene kann ich folgende Bücher empfehlen: N-Heterocyclic Carbenes: Effective Tools for Organometallic Synthesis und N-Heterocyclic Carbenes in Synthesis beide von Steven P. Nolan (Herausgeber). Außerdem aus der Reihe Topics in Organometallic Chemistry N-Heterocyclic Carbenes in Transition Metal Catalysis und aus der Reihe Catalysis by Metal Complexes N-Heterocyclic Carbenes in Transition Metal Catalysis and Organocatalysis.