Meinungen und Gedanken zu aktuellen Entwicklungen in der anorganischen Chemie bzw. in der Chemie überhaupt.
Samstag, 19. Mai 2018
New Pyrotechnics
Mittwoch, 22. April 2015
Vorschriften zum Bombenbau
Dienstag, 21. April 2015
Silaexplosives
Silaexplosivstoffe
Entsprechend dem Konzept des gezielten Atomaustausch ("carbon/silicon switch strategy") tauschten die Forscher in Pentaerythritoltetranitrat das zentrale Kohlenstoffatom gegen Silicium aus. Pentaerythritoltetranitrat ist unter den Bezeichnungen "Penta" oder "Nitropenta" als Sprengstoff bekannt und wird zur Herstellung von Plastiksprengstoff verwendet. Außerdem dient diese Verbindung als Medikament gegen die Verengung der Herzkranzgefäße. Das mit Silicium modifizierte Pentaerythritoltetranitrat ist extrem reaktiv und explodiert schon bei der geringsten Berührung. Daher kann man diese Verbindung nicht sicher handhaben und einer praktische Verwendung erscheint bisher sehr unwahrscheinlich.
- "The Sila-Explosives Si(CH2N3)4 and Si(CH2ONO2)4: Silicon Analogues of the Common Explosives Pentaerythrityl Tetraazide, C(CH2N3)4, and Pentaerythritol Tetranitrate, C(CH2ONO2)4" von T. M. Klapötke, B. Krumm, R. Ilg, D. Troegel, R. Tacke, Journal of the American Chemical Society 129 (2007) 6908-6915.
- "Sila-Substitution of Alkyl Nitrates: Synthesis, Structural Characterization, and Sensitivity Studies of Highly Explosive (Nitratomethyl)-, Bis(nitratomethyl)-, and Tris(nitratomethyl)silanes and Their Corresponding Carbon Analogues" von C. Evangelisti, T. M. Klapötke, B. Krumm, A. Nieder, R. J. F. Berger, S. A. Hayes, N. W. Mitzel, D. Troegel, R. Tacke, Inorganic Chemistry 49 (2010) 4865-4880.
Samstag, 15. März 2014
Primary Explosives in Breaking Bad
Sprengstoff bei Breaking Bad
Weitere Informationen über Initialsprengstoffe und andere Sprengstoffe findet man in dem Buch "Chemie für Ingenieure für Dummies" vom Verlag Wiley VCH. Hier ein kurzer Auszug aus dem Buch auf Seite 211: "Bleiazid, Pb(N3)2, und Quecksilberfulminat (Knallquecksilber), Hg(CNO)2, sind äußerst empfindlich gegenüber Wärme, Schlag oder Reibung und explodieren sehr leicht, wenn einer dieser auslösenden Faktoren einwirkt. Man verwendet diese Verbindungen daher als Initialsprengstoffe oder auch primäre Explosivstoffe, mit denen man die Detonation auf einen weniger empfindlichen sekundären Explosivstoff überträgt. Mit solchen und anderen Initialsprengstoffen werden zum Beispiel Sprengkapseln im Bergbau oder Zünder von Granaten gefüllt. Die beiden Verbindungen zerfallen bei der Detonation in folgender Weise:
Die explosive Wirkung von Mischungen aus Ethanol, Salpetersäure und Silber oder Quecksilber wurde bereits im 17. Jahrhundert von den Alchemisten CorneliusDrebbel und Johann Kunckel von Löwenstern beschrieben. Edward Howard isolierte im Jahr 1800 als erster diese Verbindung und berichtete darüber in den Philosophical Transactions of the Royal Society 1800, 90 I, 204. Justus von Liebig und Joseph Louis Gay-Lussac beschäftigten sich mit der Knallsäure und deren Derivaten, hauptsächlich dem Silberfulminat. Dieses ist ähnlich explosiv wie das hier beschriebene Quecksilberfulminat. Weitere Untersuchungen in Zusammenarbeit mit Friedrich Wöhler führten schließlich zur Entdeckung der Isomerie. Die Originalmitteilung von Liebig und Gay-Lussac findet man unter dem Titel "Zerlegung des knallsauren Silberoxydes" in Poggendorffs Ann. Phys. Band 77, 1824, 87-116. Diese ist auch online abrufbar z.B. beim Internetportal journals@UrMEL von der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena oder bei Wileys Online Library.
Obwohl Knallquecksilber seit mehr als 200 Jahren bekannt ist, wurde die Kristallstruktur dieser Verbindung erst 2007 aufgeklärt und veröffentlicht in Beck, Evers, Göbel, Oehlinger, Klapötke: "The Crystal and Molecular Structure of Mercury Fulminate (Knallquecksilber)" (Z. anorg. allg. Chem. 2007, Bd. 633, S. 1417–1422). Abbildung 3 zeigt die Molekülstruktur der Quecksilberfulminates Hg(CNO)2. Das Molekül wird aber durch zusätzliche Wechselwirkungen im Kristallgitter stabilisiert (Abbildung 4). Dabei findet eine Koordination der Sauerstoffatome von benachbarten Fulminationen am Quecksilber statt. Die Quecksilberionen erreichen dadurch die Koordinationszahl vier. Die Darstellung der Elementarzelle aus der Kristallstrukturanalyse findet man in Abbildung 5. Diese besteht aus Schichten von miteinander verbrückten Quecksilberfulminatmolekülen.
Abbildung 4: Wechselwirkungen mit benachbarten Molekülen
Abbildung 5: Schichtstruktur des Quecksilberfulminates im Kristallgitter
Dienstag, 16. Oktober 2012
How to build a potato cannon, a tennis ball mortar and other explosive devices
Hinterhof-Ballistik - Wie baut man eine Kartoffelkanone, einen Tennisballmörser und andere explosive Apparate
- Bomben bauen im Internet auf jetzt.de, Süddeutsche Zeitung, 28.04.2010
- Allein die Terrorabsicht zählt auf Zeit online, 28.05.2009
- Einigung über Strafbarkeit von Terrorcamps und Online-Anleitungen zum Bombenbau auf heise.de, 20.12.2008
- Bombenbauanleitung im Internet "Merkel-Störer" zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt bei Der Tagesspiegel, 07.07.2011
- Von Chemikalien, Aquarianern, Sprengstoffen und Drogen von Bettina Winsemann, Telepolis, 02.08.2008
Ich rate hiermit jedermann dringend davon ab, irgend etwas aus diesem Buch nachzubauen! Was in den USA als kleiner Scherz zum 4. Juli durchgehen mag, verstößt in Deutschland gegen das Sprengstoffgesetz und andere Gesetze. Auch eine Kartoffelkanone verstößt gegen das Waffengesetz in Deutschland, siehe diesen Artikel bei Spiegel Online.
Also hier noch einmal der Hinweis: Nichts aus dem Buch nachbauen oder ausprobieren!
Nachtrag Dezember 2013:
Weitere Bücher zu diesem Thema sind: "Mini Weapons of Mass Destruction". Hiervon gibt es drei Teile (siehe Abbildungen). Diese Bücher haben zwar einen martialischen Titel, beinhalten aber doch eher harmlose Waffen für den "Krieg" in Büro oder Klassenzimmer.
Donnerstag, 15. Juli 2010
Literatur über Sprengstoffe und Explosivstoffe
Man sollte vermuten, dass es schwierig ist, sich Fachliteratur über Sprengstoffe und Explosivstoffe zu besorgen. Dem ist aber nicht so. Man kann ganz einfach einer Reihe von Fachbüchern über dieses Gebiet bei Amazon oder einem anderen Buchversandhändler bestellen. Bei den hier aufgeführten Büchern handelt es sich um Reprints der einzelnen Bände des Grundlagenwerkes „Die Explosivstoffe“ von Ernst Richard Escales. Die einzelnen Bände erschienen ab 1903. Im einzelnen sind folgende Bände als Reprints erhältlich:
- Ammonsalpetersprengstoffe
- Chloratsprengstoffe
- Nitroglyzerin und Dynamit
- Nitrosprengstoffe
- Schiessbaumwolle (Nitrocellulosen)
- Schwarzpulver und Sprengsalpeter
- Initialexplosivstoffe von Alfred Stettbacher und Richard Escales
- Die moderne Kunstfeuerwerkerei - Eine Anleitung für Dilettanten von Dr. Karl Gelingsheim
- Handbuch Der Sprengarbeit von Oscar Guttmann
- Das Knallquecksilber und andere Sprengstoffe von Ing. Chem. Dr. R. Knoll
- Chemie der hochenergetischen Materialien von Thomas M. Klapötke
Demnächst an dieser Stelle: Die Sprengstoffszene in Deutschland - harmlose Leute mit einem exzentrischen Hobby oder gefährliche Spinner?
Dienstag, 6. Juli 2010
Wie gefährlich sind chemische Experimentierbücher? Sollte man diese verbieten?
Nicht alles was möglich ist, auch erlaubt. Nur weil man sich im Laden ein langes Messer kaufen kann, darf man damit nicht auf Leute einstechen. Man muss in jedem Fall die gesetzlichen Vorschriften beachten. Das sind im Fall der Experimentierbücher z.B. die Gefahrstoffverordnung, das Chemikaliengesetz und das Sprengstoffgesetz. Die im Artikel vom 07. März 2010 genannten Bücher sind durchweg sorgfältig mit Warninweisen zur Durchführung der Versuche versehen. Insofern sind elementare Sicherheitsanweisungen enthalten. Die gesetzlichen Vorschriften muss sich allerdings jeder Leser selbst raussuchen, durchlesen und dan auch befolgen, damit er nicht mit dem Gestz in Konflikt gerät. Also es gilt: Eigenverantwortung für die Nutzer der Bücher.
Demnächst in diesem Blog: Historische Lehrbücher über Sprengstoffe, wie kann man sich diese besorgen und was sollte man nicht damit anfangen.










