Meinungen und Gedanken zu aktuellen Entwicklungen in der anorganischen Chemie bzw. in der Chemie überhaupt.
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Samstag, 2. März 2019
Marketing Video of TU Bergakademie Freiberg
Wer sich weiter über das Leben an einer Universität informieren möchte, kann sich zum Beispiel folgende Webseite vornehmen: "22 Filme die du sehen solltest, bevor Du an einer Universität studierst." Nicht ganz ernst gemeint ;-) und eine sehr amerikanische Sichtweise...
Ergänzung am 17. März:
Man hat mich auf "Die Mutter aller Imagfilme" aufmerksam gemacht: Dort steckt Alles drin! Es gibt kurze Interviews mit dem CEO, Acquisition Executive und Sales Manager. Außerdem sind die Worthülsen des Werbesprechs verarbeitet: "effiziente Synergieeffekte nutzen, Kernkompetenz, Nachhaltigkeit, Qualität und Leidenschaft, wir gehen die extra Mile, Face to the Customer..."; und das alles in 4 Minuten 23.
Samstag, 19. November 2016
Donnerstag, 17. November 2016
Verhaltensregeln an der Uni
Aktuell zum neuen Wintersemester:
- Das sind die schlimmsten Fehler der Erstsemester veröffentlicht am 10.09.2015 auf Welt.de.
- Hallöchen Herr Professor - 5 Tipps wie Sie eine Mail an Ihre Dozenten schreiben auf der Webseite von Dr. J. Moskaliuk.
- Die E-Mail an die Professorin / den Professor: Kleiner Ratgeber zur Erhöhung der Antwortwahrscheinlichkeit von Prof. Dr. Björn Frank, Universität Kassel (siehe auch die Abbildung).
Abbildung: Die E-Mail an die Professorin / den Professor: Kleiner Ratgeber zur Erhöhung der Antwortwahrscheinlichkeit auf Seiten 14-15 von "Wiwi Aktuell" - Das Magazin des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Universität Kassel vom Sommer 2014.
Mittwoch, 16. November 2016
Checkliste fürs Chemie-Studium - Was soll ich studieren?
Vom Youtube-Channel The Secret Life of Scientists
Vom Youtube-Channel The Secret Life of Scientists
Samstag, 12. November 2016
Chemistry Experiments in School
Chemieexperimente in der Schule
In den letzten Jahren erschienen mehrfach dramatische Presseberichte zu Unfällen im Chemieunterricht. So berichtete zum Beispiel Spiegel Online am 10.12.2104: "Chemieunfall im Unterricht - 26 Schüler im Krankenhaus" Weil an einem Mecklenburger Gymnasium eine Flasche mit giftigem Brom zerbrach, mussten 26 Schüler ins Krankenhaus. Die Kinder hatten über Kopfschmerzen und Übelkeit geklagt.
Die Berliner Morgenpost schreibt am 21.04.2010: "Lehrer und Schüler nach Bromunfall in Klinik"
Im Zehlendorfer Droste-Hülshoff-Gymnasium hatte eine Lehrerin einen Versuch für den Chemieunterricht vorbereit. Doch das ging schief. Sie verschüttete flüssiges Brom - eine gefährliche Chemikalie. Die Pädagogin, einer ihrer Kolleginnen und vier Schüler mussten ins Krankenhaus.
Weiter geht es in der Stuttgarter Zeitung vom 16.09.2011: "Chemieunfall in Weil am Rhein - Schüler lässt Flasche mit Brom fallen"
Diese und ähnliche Berichte waren Anlass für die Naschrichten aus der Chemie, sich diesem Thema zuzuwenden. Los ging es mit dem Bericht von Klaus Ruppersberg "Brom in der Schule" (Nachr. Chem. 63, 2015, 540-542) Darin diskutiert er, ob elementares Brom wirklich für guten Chemieunterricht erforderlich ist. Er kommt zu dem Schluss, dass dieses nur für sehr wenige Schulexperimente benötigt wird und der mögliche Schaden in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen steht. Der Autor empfiehlt stattdessen Bromwasser zu verwenden oder Filme abzuspielen. Kurze Zeit später erschienen in den Nachrichten aus der Chemie zwei weitere Beiträge, in denen Pro und Contra zur Verwendung von Brom im Schulunterricht diskutiert werden: T. Seilnacht "Experimente mit Brom an Schulen sind zu kostspielig" (Nachr. Chem. 62, 2015, 892) und E. Täuscher und D. Weiß "Brom - aber selbstverständlich" (Nachr. Chem. 62, 2015, 893). Eine differenzierte Betrachtung erschien im Februar 2016 unter der Überschrift "Gefahrstoffe und Experimentalkompetenz (Nachr. Chem. 64, 2016, 145-148). Dort wurden darauf hingewiesen, dass die praktische Ausbildung unserer künftigen Chemielehrer möglicherweise zu kurz oder sogar mangelhaft sein könnte.
Brom in einer Ampulle (Quelle: Wikimedia Commons)
Im Internet findet man verschiedene Webseiten mit Experimenten für die Schule (siehe Linkliste unten). Aber wenn der Lehrer während seines Studiums niemals sicher zu experimentieren gelernt hat, wird er vor seinen Schülern wahrscheinlich nicht das vorführen, was er selber nicht sicher beherrscht. Oder er führt es vor und dabei geht etwas schief. Eine mangelhafte praktische Ausbildung der Lehrer könnte einer der Gründe sein, warum gehäuft Experimentierunfälle in Schulen passieren. Einen Überblick über Unfälle im Chemieunterricht und deren Folgen gibt der Artikel "Unfälle im Chemieunterricht und deren rechtliche Folgen" von K. Ruppersberg.
Übrigens: Wir können an der Universität keinen Ersatz für mangelnde Experimente im Chemieunterricht für die Schüler leisten. Punktuell ist es möglich, Praktika für Schüler durchzuführen. Aber bei manchen Anfragen von Schulen habe ich den Eindruck, dass hier Defizite aus dem Schulunterricht wettgemacht werden sollen. An der Universität haben wir andere Aufgaben, nicht die Experimente für ganze Schulklassen nachholen.
Webseiten mit Experimenten für die Schule:
- Experimentalchemie.de ist nach eigenen Angaben eine Informationplattform rund um chemische Experimente für die Schule, die Universität und zu Showzwecken. Man findet eine große Anzahl an spannenden und lehrreichen chemischen Versuchen mit detaillierten Versuchsbeschreibungen, die besonderen Wert auf die Sicherheit legen. Chemie zum Anfassen!
- Netexperimente.de - bietet chemische Experimente aus verschiedensten Bereichen der Chemie. Alle Experimente sind von Fachdidaktikern erprobt und mit Materialsammlung, Durchführungsanweisung und Ergebnisauswertung versehen, um in Schule, Studium oder Heimlabor möglichst einfach eingesetzt zu werden.
- Experimentas.de ist eine Sammlung von Gefährdungsbeurteilungen für Experimente im schulischen Chemieunterricht. Für die Experimente selbst gibt es jeweils eine kurze Anleitung.
- Chemieexperimente.de enthält eine Fülle von Experimenten für den Chemieunterricht. Die Versuche sind erprobt und haben sich über Jahre bewährt.
- Chemieunterricht.de - Liste chemischer Experimente für Grundschule und Chemieunterricht auf Professor Blumes Bildungsserver für Chemie.
- Sammlung von Unterrichtsmaterialien
- Beispiel Lehrmaterialen zur Katalyse
- Bericht über Professor Blumes Bildungsserver für Chemie auf Spiegel.de: "Doktor Sommer der Chemie: Ein Bielefelder Professor hat Großes vor: Über das Internet will er eines der unbeliebtesten Schulfächer gesellschaftsfähig machen."
- Chemkids - Experimentalwettbewerb der Klassenstufen 4 bis 8 in den östlichen Bundesländern.
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Samstag, 5. November 2016
Der Zustand der deutschen Professorenschaft
Prof. Eric Hilgendorf machte sich 2002 Gedanken über dieses Thema. Anlass war ein Festvortrag zur 600-Jahr-Feier der Universität Würzburg mit dem Titel "Abschied vom deutschen Professor?- Amt und Würden des Professors im Wandel der Zeiten". Ausgangspunkt der Rede ist die Dienstrechtsänderung für Professoren verbunden mit der Einführung der W-Besoldung. Darauf folgt eine kenntnisreiche Darstellung der historischen Entwicklung des deutschen Professorenstandes, für Interessenten lesenswert.
Unter anderem zitiert er Max Webers Postulat der Werturteilsfreiheit. Dieses besagt, dass Hochschullehrer sehr genau zwischen der Vermittlung der eigenen Wissenschaftsdisziplin und politischen Äusserungen unterscheiden sollten: "Es könne nicht angehen, dass Professoren die Zwangslage des Studenten, um seines Fortkommens willen Vorlesungen hören zu müssen, dadurch ausbeuteten, dass sie ihm neben der Schulung seines Denkens und der Vermittlung von Kenntnissen auch noch die eigene private Weltanschauung einzuflößen versuchten." (nach: M. Weber, Der Sinn der „Wertfreiheit" der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften, 1917, in Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, abrufbar unter Universitätsverlag Potsdam.
Unter anderem zitiert er Max Webers Postulat der Werturteilsfreiheit. Dieses besagt, dass Hochschullehrer sehr genau zwischen der Vermittlung der eigenen Wissenschaftsdisziplin und politischen Äusserungen unterscheiden sollten: "Es könne nicht angehen, dass Professoren die Zwangslage des Studenten, um seines Fortkommens willen Vorlesungen hören zu müssen, dadurch ausbeuteten, dass sie ihm neben der Schulung seines Denkens und der Vermittlung von Kenntnissen auch noch die eigene private Weltanschauung einzuflößen versuchten." (nach: M. Weber, Der Sinn der „Wertfreiheit" der soziologischen und ökonomischen Wissenschaften, 1917, in Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, abrufbar unter Universitätsverlag Potsdam.
Sehr schön und für manch Einen wert darüber nachzudenken sind auch die 10 Gebote für Professoren, die er in seiner Rede zitiert (nach: A. Morkel, Die Universität muss sich wehren. Ein Plädoyer für ihre Erneuerung, 2000, S. 55.):
- Habe keine Nebentätigkeiten!
- Nimm die Residenzpflicht ernst!
- Versäume keine Lehrveranstaltung!
- Halte höchstens einen auswärtigen Vortrag im Semester !
- Bevor du ein neues Forschungsprojekt beantragst, beende das alte!
- Verwechsle die Lehrkanzel nicht mit einer politischen Rostra!
- Scheue dich nicht, Kollegen zu berufen, denen du nicht das Wasser reichen kannst!
- Laß deine Schüler über dich hinauswachsen!
- Schreibe kurz und verständlich; das ist eine Form der Nächstenliebe!
- Bevor du etwas veröffentlichst, laß es neun Monate liegen; vielleicht kommen dir bis dahin Zweifel an seiner Publikationswürdigkeit!
Diese ergänzt er noch um zwei Punkte:
- Behandle die dir anvertrauten Studierenden gerecht, offen und hilfsbereit!
- Sei im Umgang mit Kollegen freundlich und zuvorkommend! Rede in Sitzungen nicht zuviel, schimpfe nicht unnötig und beschränke den Klatsch auf ein Minimum!
Mittwoch, 2. November 2016
Looking at other Blogs
Andere Blogs
Heut mal ein Blick über den Tellerrand hinaus auf Blogs von Anderen.
Der Name "Rentnerblog" ist ziemlich irreführend. Es geht um Vieles, um Interessantes, aber nicht um Rentnerprobleme. Es gibt wohl keine Webseite, die derart tiefgreifende Analysen und Informationen rund um das berühmte Karlsruher Institut für Technologie (KIT) bietet. Die Informationen sind teilweise mit der Meinung des Autors durchmischt, aber das ist das gute Recht eines Blogautors. Mein Votum: Weiter so! Nur eventuell einen besseren Titel für diesen Blog finden.
Textbeispiele: Compliance - KIT erzieht Gutmenschen, Was KIT von RWE und E.ON lernen kann.
Bericht über den Rentnerblog bei huber-net.de.
"NukeKlaus.de" berichtet über verschiedene Aspekte der Reaktortechnologie, Kernspaltung und Energiewirtschaft. Hier ein Bericht über diesen Blog. Auf diesem Blog muss ich bei Gelegenheit mal ein wenig lesen, hatte bisher keine Zeit dafür.
Im ScienceSkepticalBlog schreiben mehrere Autoren über Themenkomplexe wie Nachhaltigkeit, Ökologismus, Klimaforschung und Klimapolitik, Energiewende oder Technophobie. Will ich mich demnächst auch noch tiefer einlesen, bis dahin erst mal hier ein Kommentar zu diesem Blog.
[Wird demnächst noch überarbeitet.]
Samstag, 29. Oktober 2016
International Master Programs
Internationale Masterstudiengänge
An der TU Bergakademie Freiberg gibt es inzwischen mehrere Internationale Masterstudiengänge. Zwei dieser Studiengänge mit MBA-Abschlüssen sind von der ASIIN akkreditiert worden (siehe Pressemitteilung von 2012). Eine Übersicht über die aktuell angebotenen Englischsprachigen Masterstudiengängen gibt es hier:- Advanced Mineral Resource Development
- Computational Materials Science
- Geoscience
- Groundwater Management
- International Management of Resources and Environment (IMRE)
- International Business of Developing and Emerging Markets (IBDEM)
- Sustainable Mining and Remediation Management (MoRe)
[ohne Kommentar]
Samstag, 22. Oktober 2016
Der Mikromaster
Letztens bin ich über den Begriff "Mikromaster" gestolpert. Da ich nicht wusste was das ist, habe ich danach recherchiert. Hier die Ergebnisse der Recherche:
- Die Mikro-Master - Die magische Vervielfältigung von Studienabschlüssen im Rahmen der Bologna-Reform von Stefan Kühl bei Academics.de
- Winzige Mogelpackungen - Studenten müssen heute aus Tausenden von unterschiedlichen Studienfächern auswählen. Im Prinzip kann sich inzwischen jeder einzelne Professor „seinen“ ganz eigenen kleinen Master basteln. Aber: Das große Master-Sterben ist schon jetzt programmiert. Stefan Kühl in Frankfurter Allgemeine vom 06.11.13
- Bildung ohne Wert: Mikromaster und Minidoktor. Ein Essay von Andrea Roedig in derStandard.at vom 30.05.15
Da fällt mir ein, dass der Begriff schon mal auftauchte, als ich über Literatur zum Zustand unserer Universitäten berichtete.
Donnerstag, 11. Februar 2016
Cultural appropriation
Kulturelle Aneignung
Über die Notwendigkeit LGBT-Rechte im Hochschulbereich konsequent zu beachten, wurde an dieser Stelle ja schon berichtet.
Jetzt kommt ein neuer Trend aus den USA. Dieser liefert uns neue Fachbegriffe und zahlreiche Dinge, die wir im Ausbildungsbetrieb unbedingt beachten sollten: Kulturelle Aneignung, Mikroaggression und Trigger-Warnung. Da Trends aus den USA erfahrungsgemäß mit einiger Verzögerung auch hierzulande aufgenommen werden, haben Dozenten, Lehrkräfte und Professoren jetzt schon einmal Gelegenheit, sich auf das Kommende einzustimmen.
Wer mehr über das Thema lesen will, schaut hier nach:
- Die Debatten-Polizei - An Amerikas Universitäten tobt ein Kulturkampf: Studenten wollen jegliche Diskriminierung und Sexismus vom Campus verbannen. Sie verlieren dabei jedes Maß, gefunden bei Zeit Online vom 28.01.16
- Ist das noch politisch korrekt oder zu aggressiv? Im ganzen Land protestieren US-Studenten gegen Rassismus. Doch selbst Linken geht manches zu weit, weil Reporter ausgeschlossen und Debatten erstickt werden, gefunden bei Zeit Online vom 18.11.15
Quelle der Abbildung: Wikimedia Commons. Zur Bedeutung siehe unter "Cultural appropriation".
p.s. Dank an Maik für den Hinweis auf die Literaturstellen.
Samstag, 6. Februar 2016
Jubiläum Bergakademie Freiberg
250 Jahre Bergakademie - Was am Ende bleibt
Die TU Begakamdemie Freiberg feierte im vorigen Jahr ihr Jubiläum. Es gibt eine offizielle Webseite zum Ereignis und ein Video bei Youtube mit 130 Aufrufen zwischen 05.01. und 05.02.2016. Das ist jetzt nicht sehr viel. Videos auf dem "Slinghot-Channel" erreichen häufig mehr als 100.000 , "lustige Katzen-Videos" mehr als eine Million Aufrufe. Aber ich sollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.Der MDR berichtete über das Ereignis in verschiedenen Beiträgen. In der "Zeit" erschien bereits im Mai 2015 ein sehr positiver Artikel über die Bergakademie unter dem Titel "Freiberger Bergakademie: Aufklärung unter Tage".
Erwähnt werden sollte unbedingt die Sondermarke zum Jubiläum. Diese wurde im November 2015 vom Bundesifnanzministerium veröffentlicht (siehe Screenshot). In weiser Voraussicht erschien diese gleich als 70 Cent-Marke, da 2016 ein neuer Tarif für das Briefporto gilt.
Vielleicht ist es diese Briefmarke zum 250. Jubiläum, die für Außenstehende im Gedächtnis bleiben wird. Immerhin kann ich mich noch an die Sondermarken zum 200jährigen Jubiläum der Bergakademie erinnern. Dieser erschien 1965 in der DDR. Die Marken fand ich als Kind etwas gruselig, wegen des schwarzen Hintergrundes. Aber sie sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben.
Quelle der Abbildung: www.briefmarken-versand-welt.de
Freitag, 4. Dezember 2015
Academic Precariat
Das akademische Prekariat
Im Frühjahr gab es tatsächlich eine Diskussion über die schlechte Stellensituation für Nachwuchswissenschaftler an den Universitäten. Angesichts der zeitlich darauf folgenden Krisen (Griechenlandkrise, Flüchtlingskrise usw.) ist dieses Problem allerdings völlig in Vergessenheit geraten. Vermutlich wird das akademische Prekariat auch nicht so bald wieder auf der Tagesordnung erscheinen. Es gibt zur Zeit andere und größere Probleme. Für alle Betroffenen heisst das wohl: Pech gehabt.
Der Rückblick auf die Zeitungsmeldungen:
- "Uni-Prekariat: Bildungsministerin entdeckt den Forschernachwuchs - Hilfe fürs akademische Prekariat: Bildungsministerin Johanna Wanka reagiert auf die miserablen Jobverhältnisse an deutschen Hochschulen. Und bekommt Lob von unerwarteter Seite - der Bildungsgewerkschaft GEW." bei Uni-Spiegel vom 26.03.15
- "Prekariat mit Doktorgrad - Promovenden und Postdocs rebellieren gegen schlechte Bezahlung und Kurzzeitverträge. Die Politik bewegt sich." von Anant Agarwala in Die Zeit vom 06. 02. 15
- "Unterbezahlte Hölle - Ein Studium zahlt sich längst nicht immer aus. Fast jeder zehnte Akademiker kommt nur auf einen mageren Stundenlohn" von A. Dowideit in Die Welt vom 19.01.14
Der Diskussion voraus ging eine Stellungnahme des Wissenschaftsrates zur Situation an den Universitäten vom Juli 2014: "Tenure Track-Professuren und Dauerstellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs". Aus dieser Pressemitteilung zwei Passagen als Zitat:
"Der Wissenschaftsrat empfiehlt den Universitäten, zwei Optionen gezielt auszugestalten: erstens den Karriereweg zur Professur über denTenure Track, zweitens den Zugang zu einer unbefristeten Position als wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Lehrkraft für besondere Aufgaben. 'Um die Karriereperspektiven wirklich zu verbessern, muss die Zahl unbefristeter Beschäftigungsverhältnisse deutlich erhöht werden, und diese müssen attraktiv ausgestaltet werden', so Professor Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrates. "
Weiter heisst es: "Für die Aufstockung des wissenschaftlichenPersonals an Universitäten skizziert der Wissenschaftsrat folgendes Zielszenario: In den kommenden zehn Jahren soll die Zahl der Professuren schrittweise um insgesamt ca. 7.500 Professuren erhöht werden. Der Anteil der Tenure Track-Professorinnen und -Professoren soll bis 2025 etwa ein Fünftel aller Professuren betragen. Die Zahl der unbefristet beschäftigten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Lehrkräfte für besondere Aufgaben soll in etwa demselben Umfang kontinuierlich erhöht werden."
Hier noch ein älterer Bericht, der die Situation des akademischen Nachwuchses sehr gut beschreibt: "Jung, gebildet, sucht… Über Sackgassen, Holzwege und fehlende Perspektiven für den akademischen Nachwuchs" von M. Scheloske auf www.wissenswerkstatt.net am 17.05.07.
Abbildung: "Ein Wappen mit mehreren Doktoren" von William Hogarth, 1736
(Diese Datei stammt von Wellcome Images, einer Website, die von Wellcome Trust, einer globalen gemeinnützigen Stiftung in Großbritannien, betrieben wird. Refer to Wellcome blog post. Diese Datei ist lizenziert unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 4.0 international“.)
Freitag, 9. Oktober 2015
Dominance of a few publishers in Chemistry
Der Markt für chemische Literatur wird von wenigen Verlagen dominiert
Zu dieser Aussage kommen die Autoren des Artikels "The Oligopoly of Academic Publishers in the Digital Era" (Vincent Larivière, Stefanie Haustein, Philippe Mongeon) in der Online-Fachzeitschrift der Public Library of Science (PLOS one). Dazu werteten die Autoren 45 Millionen Dokumente aus dem Zeitraum 1973 bis 2013 aus der Datenbank Web of Science aus. Die Untersuchung zeigte, dass in Naturwissenschaften, Medizin und den Sozialwissenschaften die Verlage Reed-Elsevier, Wiley-Blackwell, Springer und Taylor and Francis vor allem seit Beginn der digitalen Ära in der Mitte der 90er Jahre ihren Anteil am Publikationsaufkommen immer weiter steigern konnten. Diese fünf großen Verlagshäuser publizieren inzwischen mehr als 50% aller wissenschaftlichen Artikel (Stand 2013). In den Sozialwissenschaften fand die größte Konzentration statt, 70% der Artikel erschienen bei den fünf Verlagen. Humanwissenschaften sind immer noch relativ unabhängig, 20% erschienen bei den fünf größten Verlagen. Die Naturwissenschaften und die Medizin liegen dazwischen. Bei diesen sind auch starke wissenschaftliche Gesellschaften am Publikationswesen beteiligt, so z.B. die American Chemical Society und die American Physical Society.
In dem Artikel findet sich im Weiteren eine detaillierte Beschreibung des Publikationswesens in Naturwissenschaften und Medizin: 1973 wurden nur ungefähr 20% aller publizierten Artikel auf diesen Gebieten von den fünf großen Verlagshäusern publiziert. Von 2006 an erreichten diese fünf Verlage zusammen 50% aller publizierten Artikel. Drei Verlage publizierten im Jahr 2013 ca. 47% aller erschienen Artikel auf diesem Gebiet: Reed-Elsevier 24%, Springer 11,9% und Wiley-Blackwell 11,3%. Die American Chemical Society (3,4%) und Taylor and Francis (2,9%) haben nur einen kleinen Anteil am Publikationsaufkommen. Aber immerhin gehört neben den kommerziellen Verlagen auch eine wissenschaftliche Gesellschaft (die ACS) zu den Top Fünf in Naturwissenschaften und Medizin.
In der Chemie ist die Konzentration des Publikationswesens auf die Top-Fünf Verlage noch höher (siehe Abbildung): 2006 wurden 80 % aller Artikel von fünf Verlagen publiziert. 2013 ist dieser Wert wieder auf 70% gesunken.
In der Chemie ist die Konzentration des Publikationswesens auf die Top-Fünf Verlage noch höher (siehe Abbildung): 2006 wurden 80 % aller Artikel von fünf Verlagen publiziert. 2013 ist dieser Wert wieder auf 70% gesunken.
Abbildung: Prozentualer Anteil der Artikel, die von den fünf großen Verlagshäusern zwischen 1970 und 2013 publiziert wurden, aufgeschlüsselt nach Fachgebieten (Abbildung übernommen von Figshare, ursprünglich veröffentlicht in PLOS one).
Der Artikel enthält auch einen Abschnitt über die Ökonomie des wissenschaftlichen Publikationswesens. Darin wird unter anderem erläutert, warum dieser Zweig des Verlagswesens so hoch profitabel ist (ca. 30 bis 38 Prozent Gewinn im untersuchten Zeitraum). So müssen die Verlage für die Artikel (also die publizierten Inhalte, Neudeutsch: "Content") nichts bezahlen. Ebenso wenig bezahlen sie für die Qualitätskontrolle. Beides wird kostenlos von der wissenschaftlichen Community bereitgestellt. Darüber hinaus haben die Verlage das Monopol über die publizierten Inhalte. Sogar jeder einzelne Artikel kann vielfach an Leser verkauft werden. Im Gegensatz dazu steigen die Preise für wissenschaftliche Zeitschriften um 5 bis 7 Prozent pro Jahr. Dadurch sind viele Universitätsbibliotheken nicht mehr in der Lage, die steigenden Kosten für Zeitschriftenabonnements zu bezahlen.
Über den oben genannten Artikel wurde auch in der Juniausgabe von ChemistryWorld berichtet ("Chemical sciences literature dominated by five publishing houses" von Rebecca Trager). Weiter heißt es dort, dass die führenden Verlagshäuser ihren Anteil am wissenschaftlichen Publikationswesen vor allem durch die Gründung neuer Zeitschriften und durch den Kauf oder die Übernahme bestehender Zeitschriften vergrößerten. Die Royal Society of Chemistry (RSC) publiziert sechs der 20 führenden multidisziplinären Chemiezeitschriften. Damit hat die RSC ein deutliches Wachstum ihres Marktanteils erreicht und die Impactfaktoren ihrer Zeitschriften in den letzten Jahren deutlich erhöht. Die RSC betont, dass dieses Wachstum nicht durch Aufkäufe bestehender Zeitschriften erreicht wurde, sondern durch den guten Service den die Gesellschaft als gemeinnütziger Verlag bietet.
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Samstag, 9. Mai 2015
Historic Pigments at Dresden
Farbstoffsammlung der TU Dresden
Die Farbstoffsammlung der Technischen Universität Dresden ist eine der ältesten und umfangreichsten Sammlungen dieser Art. Sie enthält etwa 8.000 Farbstoffmuster von 80 Herstellern, davon rund 400 Naturfarbstoffe aus pflanzlichen und tierischen Produkten, geordnet nach der jeweiligen chemischen Struktur. Außerdem werden Präparate und wissenschaftliche Arbeiten des Instituts seit 1910 sowie Musterkarten mit Färbevorschriften und Ausfärbungen gezeigt. Hinzu kommen gefärbte Gewebe und Garne, Kohlen und Kohleteerprodukte, Erd- und Mineralfarben sowie anorganische Pigmente und ein farbenchemisches Labor im Originalzustand von 1926. (Beschreibung übernommen von "Universitätssammlungen in Deutschland" - das Informationssystem zu Sammlungen und Museen an deutschen Universitäten)
Das Team der Webseite www.chymiatrie.de hat mehrere Videos zur Farbstoffsammlung der TU Dresden gedreht. Dazu gehört ein "Rundgang durch die Sammlung", eine Vortrag über die "Theorie der Farbstoffe" und ein praktisches Video aus dem Labor "Färben mit Indigoblau". Ich habe mich gefreut in diesen Videos Professor Hartmann wieder zu sehen. Seine Vorlesungen waren immer anstrengend, ich habe aber sehr viel bei ihm gelernt!
Donnerstag, 9. April 2015
The State of our Universities - Part 2
Der Zustand unserer Universitäten - Teil 2
Im Stil eines Ratgebers verfasst ist das Buch "Unsere Universität im Abstieg?" von Horst Haider Munske. In drei großen Abschnitten wendet sich der Autor an Studenten, junge Wissenschaftler und Hochschullehrer. Bereits für angehende Studenten kann sich ein Blick in das Buch lohnen. Gleich zu Anfang werden wichtige Fragen gestellt und diskutiert: Überhaupt studieren? Was studieren? Wo studieren? Im Weiteren werden hilfreiche Tipps für den Studienalltag geboten.
Junge Wissenschaftler, die eine Hochschullaufbahn anstreben, erhalten ebenfalls wichtige Lebenshilfe für den Berufsalltag. Schließlich ist es auch interessant, den dritten Teil zu lesen, in dem eine Persönlichkeitstypologie der Hochschullehrer dargeboten wird. Da gibt es den Ehrgeizigen, den Kommunikator, den Macho, den Hoch- und den Tiefstapler, den Geizigen, den Drückeberger, usw....
Insgesamt eine lohnenswerte Lektüre für alle, die sich im Hochschulalltag bewegen.
Eine humorvolle Herangehensweise an die deutsche Forschungslandschaft liefert S. Bär in seinem Buch "Forschen auf Deutsch
". Der sehr ironische und teilweise bissige Text bietet zahlreiche Gelegenheiten zum Schmunzeln oder sogar Lachen. Dieses bleibt mir als Leser allerdings des Öfteren im Halse stecken, wenn ich eigene real erlebte Situationen aus dem Universitätsalltag wiedererkenne.
Den Titel gibt es in mehreren Auflagen seit 1992. Es ist erstaunlich, dass dieser so langlebig ist. Der Autor des Buches verwendet das Pseudonym S. Bär.
Eine Diskussion über das Buch bei UNICUM.
Montag, 6. April 2015
The State of German Universities
Der Zustand unserer Universitäten
Viel hat sich in den letzten zehn Jahren in der Bildungslandschaft verändert: Einführung der Bachelor-und Masterabschlüsse und Modularisierung der Studiengänge im Zuge des Bologna-Prozesses, Exzellenzinitiativen, Eliteuniveritäten, Institutes of Technology, vielfältige neuartige und auch englischsprachige Studiengänge in Deutschland. Eine gründliche Auseinandersetzung mit diesen Prozessen liefert Konrad Paul Liessmann in seinen Büchern "Theorie der Unbildung: Die Irrtümer der Wissensgesellschaft
" und "Geisterstunde: Die Praxis der Unbildung".
In der "Theorie der Unbildung" setzt er sich zunächst mit der Wissensgesellschaft auseinander, denkt laut über Bildung, Halbbildung und Unbildung nach bevor er sich den PISA-Studien zuwendet. In dem Kapitel „Pisa: Der Wahn der Rangliste“ stellt er fest: „Der Stand von Bildungspolitik heute ist durch einen einfachen Satz zu beschreiben: Sie erschöpft sich im Schielen auf die Ranglisten. (…) Alle relevanten und auch in der Öffentlichkeit heftig diskutierten bildungspolitischen Entscheidungen der letzten Jahre sind entweder durch einen schlechten Listenplatz motiviert oder geboren aus dem Wunsch, einen besseren Listenplatz zu erreichen. (...) Nicht einmal ein diffuser Bildungsbegriff, schon gar nicht ein gesellschaftspolitisches Konzept von Bildung zeichnet sich hinter gegenwärtiger Bildungspolitik ab, sondern diese lässt sich auf einen einzigen Satz reduzieren: Wo stehen wir?“ (Seite 74, Link zum Text bei Google Books)
Weiter schreibt er zur vermeintlichen Wettbewerbssituation zwischen Universitäten: "Es ist ein Irrtum zu glauben, daß die diversen Rankings von Universitäten eine tatsächliche Wettbewerbssituation widerspiegelten. Auch in einer globalisierten Gesellschaft konkurriert die Universität Klagenfurt nicht mit der Universität von Shanghai um die besten Forscher und begabtesten Studenten. (...) Es gibt - entgegen den verbreiteten Meinungen - keine wirklich gesicherten Ergebnisse, die zeigten, daß der Bildungsstand der Bevölkerung, daß Akademikerraten, Rankingplätze oder die Anzahl sogenannter Eliteinstitutionen unmittelbar mit der ökonomischen Prosperität, der sozialen Sicherheit oder dem zivilisatorischen Status eines Landes zu tun haben." (Seite 82, Link zum Text bei Google Books)
Im weiteren Verlauf des Kapitels schlußfolgert er, dass die Rankings und Bewertungsrituale zu einer Umstrukturierung der Bildungslandschaft führt, "die eindeutig nicht mehr der Erkenntnis, der wissenschaftlichen Neugier und der akademischen Freiheit, sondern den Phantasmen der Effizienz, der Verwertbarketi, der Kontrolle, der Spitzenleisung und der Anpassung verpflichtet ist: Gestalten der Unbildung allesamt." (S.87)
Im Kapitel "Wieviel wiegt Wissen" beschreibt er zunächst, wie schlecht Immanuel Kant als Hochschullehrer in der Gegenwart evaluiert worden wäre. Nach diesem eindrucksvollen Gedankenexperiment setzt er sich mit der Evaluation als solcher auseinander. Weitere Kapitel widmen sich dem Bologna-Prozess und der Elitenbildung. Insgesamt stellt dieses Buch eine scharfsichtige Analyse der gegenwärtigen Situation der Bildungslandschaft dar und ist für jeden mit dieser Thematik Beschäftigen absolut lesenswert.
In dem 2014 erschienenen Buch "Geisterstunde: Die Praxis der Unbildung
" von K. P. Liessmann geht es weiter ins Detail. Zunächst beschreibt er den durch die Ergebnisse der PISA-Studien ausgelösten Aktionismus der Bildungspolitiker und wendet sich dann dem "Akademisierungswahn" der mit dem Bologna-Prozess verbunden ist zu. So schreibt er z.B. in Kapitel 1. PISA, Panik und Bologna: "Tatsächlich wird der Forderung nach einer Erhöhung der Akademikerquote nicht durch ein entsprechendes Angebot an universitären Einrichtungen entsprochen - das käme viel zu teuer -, sondern durch zwei prekäre Strategien: Durch Nobilitierung bestimmter berufsorientierter Ausbildungsgänge mittels eines entsprechenden akademischen Abschlusszertifikats; und durch eine flächendeckende "Dequalifizierung" der Studien im Zuge der Bologna-Reform. Erlaubte doch die Bologna-Reform, die so gut wie alle ihre Ziele verfehlt hat, vor allem eines: eine Verschulung und Entwissenschaftlichung der Bachelor-Studiengänge und damit eine Entakademisierung der Universitäten. Die Akademikerquote wird dadurch zweifellos steigen; aber die immer zahlreicher werdenden Akademiker werden keine mehr sein." (S.20-21; Link zum Text bei Google Books) Wie falsch und unnötig übrigens eine steigende Akademikerquote für Deutschland ist, zeigt eine Veröffentlichung des Bundesinstitutes für Berufsbildung mit dem Titel: "Akademikerüberhang und Fachkräftemangel: Wie entwickelt sich die berufliche Qualifikationsstruktur?"
Zu den vielfältigen neuen Studienangeboten, die einige Universitäten im Buhlen um noch mehr Studenten erfinden, schreibt er: "Gegenüber der klassischen Fakultätenordnung, die bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts gültig war, beobachten wir seit einigen Jahrzehnten eine rasante Vermehrung der Fächer, sowohl im Bereich der Forschung als auch vor allem im Bereich der Lehre. Die Modularisierung der Studien im Zuge der Bologna-Reform und die Generierung immer neuer Studienrichtungen, die in der Regel aus Neukombinationen ohnehin schon angebotener Module bestehen und vor allem durch ihre hochtrabenden englischen Bezeichnungen einer Universtität zu einem Profil verhelfen sollen, führen zu einer mittlerweile nahezu unüberschaubaren Vielfalt an Studienangeboten. Dass es sich bei diesen "Mikro-Mastern" (...) in der Regel um "Mogelpackungen handelt, deren Sterben vorprogrammiert ist, vermag nur wenig über den damit verbundenen Betrug an jungen Menschen, die solch einen Master mit einer wissenschaftlichen Disziplin verwechseln, hinwegtrösten." (Kapitel 4. Fächerdämmerung, S.63; Link zum Text bei Google Books)
Sehr empfehlenswert ist auch Kapitel 5. "Powerpoint-Karaoke".
Schauen Sie am besten selbst einmal in beide Bücher hinein. Gelegenheit bietet dazu schon mal die "Blick ins Buch"-Option bei Amazon. Folgen Sie dazu einfach obigen Links.
Nachtrag im November 2015:
Passend zum Thema gibt es noch ein weiteres aufschlussreiches Buch: "Die Akademiker-Gesellschaft: Müssen in Zukunft alle studieren?" Das von T. Schultz und K. Hurrelmann herausgegebene Buch ist in der Reihe Pädagogische Streitschriften erschienen. Darin wird das Thema unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.


Nachtrag im November 2015:
Passend zum Thema gibt es noch ein weiteres aufschlussreiches Buch: "Die Akademiker-Gesellschaft: Müssen in Zukunft alle studieren?" Das von T. Schultz und K. Hurrelmann herausgegebene Buch ist in der Reihe Pädagogische Streitschriften erschienen. Darin wird das Thema unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.
Montag, 12. Mai 2014
Science Videos
Videos über Wissenschaft
Es ist nicht so einfach ein gutes Video über ein wissenschaftlichers Thema zu drehen. Meiner Meinung nach ist es nicht sinnvoll, einfach eine Vorlesung abzufilmen und in das Netz zu stellen wie in diesem Beispiel.
Ein weiteres Beispiel für einen - na ja - nicht so gelungene Film ist der nachfolgende Streifen "Silane Explosions". Hier kommen alle Zutaten für einen schlechten Wissenschaftsfilm zusammen: Ein nicht näher erklärtes Experiment, schlechte Auflösung, verwackelte Kamera, schlechter Ton.
Den Tiefpunkt erreichen wir mit einem Clip unter dem Titel "Liquid Nitrogen Bomb". Explosionen mit flüssigem Stickstoff scheinen sehr beliebte Experimente zu sein, jedenfalls gibt es dazu viele Beispiele auf YouTube. In dem hier vorgestellten Video verzichten die Akteure auf Erklärungen sowie Schutzmaßnahmen. Der Spass steht im Vordergrund und wird sicher erfolgreich zu entsprechenden Verletzungen führen. NICHT NACHMACHEN!!!
Was braucht man für ein erfolgreiches Wissenschaftsvideo im Internet? Ich denke an erster Stelle steht eine gute Idee. Aus dieser kann ein Konzept oder sogar ein Drehbuch entwickelt werden. Dieses sollte eine gute Story enthalten und interessante Motive liefern. Weiterhin wird ein geeigneter Drehort gebraucht. Im schlecht beleuchteten Hörsaal oder im verdreckten Labor zu drehen ist sicher einfach, aber für die Zuschauer eher abschreckend. Außerdem braucht man einen guten Hauptdarsteller, der gut verständlich spricht und auch ein wenig Spass an der Show hat. Im nachfolgenden Videoclip wird einfach nur eine Experimentalvorlesung gezeigt. Der Hauptdarsteller ist ein älterer Professor. Dieser trägt die Veranstaltung, spricht gut verständlich und erklärt sehr gut. Aber achten Sie mal auf den Assistenten im Hintergrund, der die gefährlichen Experimente ausführt. Der hat richtig Spaß an seinem Job! Dieser Clip ist mit zwei Kameras aus verschiedenen Perspektiven professionell gefilmt. Die Beleuchtung stimmt, die Experimente klappen hervorragend, die Story ist klar zu erkennen: Es werden jeweils Unfälle aus Zeitungsmeldungen gezeigt, dann das entsprechende Experiment durchgeführt und die Hintergründe erklärt. Hier passt alles zusammen. Ein sehr schönes Video.
Im Internet gibt es an zahlreichen Stellen erste Hilfestellung für angehende Filmproduzenten. Hier einige mögliche erste Anlaufpunkte:
- Video vorbereiten und drehen auf lernscouts.de
- Wie man einen Film vorbereitet (Planung und Vorbereitung, Recherche, Konzept, Drehbuch, Drehplan)
- Wie man mit Bildern erzählt (Einstellungsgrößen und Orientierung, Bildaufbau, Der goldene Schnitt, Kameraführung und Kamerabewegung, Kamerafahrt, Für den Schnitt drehen)
- Was man vor der Aufnahme beachten sollte (Weißabgleich, Licht und Beleuchtung, Umgang mit dem Autofokus, Ton)
- Die sechs Phasen der typischen Filmproduktion bei paradisi.de ( Drehbuch, Filmfinanzierung, Vorproduktion, Dreharbeiten, Postproduktion, Filmverwertung )
Zum Abschluß noch einige Beispiele für gelungene Wissenschaftsvideos
Bill Hammack von der University of Illinois - Urbana hat eine ganze Reihe von Videos online gestellt. Es geht hauptsächlich um ingenieurwissenschaftliche Themen. In vielen seiner Videos kommt am Schluß ein überaschender Anruf auf seinem roten Telefon. Dadurch erhalten diese Videos eine humorvolle Wendung. Das ist schwer zu beschreiben, sehen Sie am besten selbst:
Andrea Sella vom University College London dreht Videos für die Royal Institution of Great Britain und die Wellcome Collection. In jedem Video erklärt er mit einfachen Worten und sorgfältig ausgewählten Experimenten Sachverhalte aus der Chemie. Eines dieser Videos bietet bei weitem nicht so viel Stoff wie eine ganze Vorlesung, dafür versteht man die Zusammenhänge. Außerdem bleiben die Beispiele und Experimente im Gedächtnis haften, eben weil es nicht zu viel auf einmal ist.
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Sonntag, 23. Februar 2014
Excellence Initiative and High Impact Research
Kritischer Blick auf die Exzellenzinitiative
Mit Hilfe der "Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder" soll die Wissenschaft und Forschung an den deutschen Hochschulen gezielt gefördert werden. Dieses Förderprogramm gibt es seit 2005 und wurde in drei aufeinander folgenden Runden durchgeführt. Im Rahmen des Exzellenzinitiative gibt es drei Wege der Förderung: „Zukunftskonzepte“ (Förderung einzelner Universitäten), „Exzellenzcluster“ (Förderung der Forschung eines Themenkomplexes) und „Graduiertenschulen“ (Förderung von Doktoranden in einem bestimmten Wissenschaftsgebiet).
Vor allem die gezielte Förderung einzelner Universitäten unter Vernachlässigung der übrigen - als nicht exzellent bewerteten Universitäten - stößt vielfach auf Widerspruch. Das wird zum Beispiel unter der Überschrift "Die Privilegierung bereits Privilegierter" auf der Webseite der AstA der Fachhochschule Münster deutlich formuliert.
Nachfolgend zwei weitere Beispiele für kritische Kommentare:
Nachfolgend zwei weitere Beispiele für kritische Kommentare:
In einem offenen Brief wandte sich Ulrich Radtke (Rektor der Uni Duisburg-Essen) an seine Kollegen und die Hochschulrektorenkonferenz.Unter dem Titel "Wie Clubs und Kartelle der Hochschullandschaft schaden" konnte man im Spiegel Online am 10.05.13 unter anderem folgendes lesen: "Statt Schein-Eliten zu bedienen, sollten wir eine Konsolidierung unserer staatlichen Grundfinanzierung, auch durch den Bund, penetrant weiter und öffentlich fordern. Das verlangt uns eine gewisse interaktive Kommunikation ab, besseren Lobbyismus und strategisches Handeln. Es gilt, die Glaubwürdigkeit dessen zu stärken, was uns bewegt und begeistert: Virtuose Wissenschaft und fruchtbare Lehre."
Aufschlußreich ist auch das Interview mit Prof. Gernot Frenking (Universität Marburg) in den Nachrichten aus der Chemie (Band 60, 2012, Heft 9, Seite 878-879). Der Interviewer fragt: "Gerade bei den Clustern war es doch sicher ein Gewinn der Exzellenzinitiative, dass Universitäten außeruniversitäre Forschungseinrichtungen näher an sich binden konnten?" Prof. Frenking antwortete: "Ich bezweifle, ob es der Exzellenzinitiative bedurfte, damit solche Kooperationen verstärkt aufkamen. An einigen Orten mag das der Fall sein, das will ich nicht bestreiten. Die Exzellenzinitiative hat vielleicht nicht nur Schaden angerichtet, aber Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis. Wissenschaftler suchen sich ihre Kooperationen auf Grund ihres Arbeitsgebiets und ihres Interesses. Dazu braucht es kaum strukturbildende Maßnahmen. Die können helfen, aber wir leben in Zeiten des Internets und der schnellen Kommunikation..."
Später im Interview kommen noch grundsätzliche Aussagen zum Verhältnis von Grundlagen- zu angewandter Forschung hinzu. Frenking: "Die Chemie hat nie in einem Elfenbeinturm gelebt. Auch für andere Wissenschaftsbereiche ist es zumindest fragwürdig, so etwas zu behaupten. Grundlagenforschung ist ähnlich der Kunst eine Kulturleistung und ein Wert an sich. Auf der anderen Seite wissen wir aber, dass das Wissen, das die Grundlagenforschung generiert, im Gegensatz zur Kulturleistung häufig praktisch nutzbar ist. In der Vergangenheit gab es in Deutschland ein gutes Verhältnis zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung bis hin zur Industrie, speziell in der Chemie."

Ansicht einer sehr frühen Exzellenzinititative ohne Förderung durch das BMBF: "Die Schule von Athen" (gemalt von Raffael, Quelle: Wikimedia Commons). ;-)
Weitere Kommentare:
- "Die Exzellenzinitiative und die Hierarchisierung des deutschen Hochschulsystems" (Nachdenkseiten.de, 22.04.13).
- "Quo Vadis, Exzellenzinitiative?" S. Leibfried und U. Schreiter in Wissenschaft im Dialog, eine Schriftenreihe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, 2012.
- "Thesen zur Exzellenzinitiative zur Förderung der Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen" von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe. »Exzellenzinitiative« der Berlin–Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
- "Exzellent auf Kosten der Lehre, der Nachhaltigkeit und der Freiheit der Wissenschaft?" (Webseite des Mittelbaus der Freien Universtität Berlin, 29.06.12).
- Wie geht es eigentlich nach dem Exzellenzstatus weiter? Einen subjektiven Bericht vom KIT Karlsruhe findet man hier: "KIT: der Elite-Titel ist futsch" (30.06.12).
- "Exzellenzinitiative - Der Blick von außen" Vortrag von H. N. Weiler bei einer Tagung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, April 2008.
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Dienstag, 18. Februar 2014
Military Research in Saxony
Militärforschung in Sachsen
Im Dezember wurde an dieser Stelle über "Militärforschung an deutschen Universitäten" berichtet. Inzwischen gibt es neue und genauere Informationen dazu aus dem Bundesland Sachsen. Die Fraktion der Grünen im sächsischen Landtag hat sich um Aufklärung bemüht und eine kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. In dieser Anfrage ging es um die militärische und sicherheitstechnische Forschung in Sachsen seit 2009. Die Fraktion der Grünen gab auch eine entsprechende Pressemitteilung heraus. Titel der Pressemitteilung: "Militärforschung an sächsischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen muss kritisch betrachtet werden". Darin wird unter anderem folgendes mitgeteilt: "In den letzten fünf Jahren wurde an der TU Dresden (9 Projekte, 5,1 Mio. Euro), der Universität Leipzig (2 Projekte, 171.000 Euro) sowie der TU Bergakademie Freiberg (3 Projekte, 429.000 Euro) in verschiedenen Projekten mit militärischem Bezug geforscht. Hinzu kommt das Leibnizinstitut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (3 Projekte, 598.000 Euro). Das mit Abstand größte Projekt im Umfang von rund 2,3 Mio. Euro wird an der TU Dresden im Bereich der Posttraumatischen Stressbelastung und psychischen Störungen bei Soldaten betrieben."
Detaillierte Informationen zur Art der hier genannten Projekte findet man in der Antwort der sächsischen Staatsregierung auf die Anfrage der Grünen. Diese ist auf dem Server des Sächsischen Landtages abrufbar.
Weitere Links zum Thema:
Detaillierte Informationen zur Art der hier genannten Projekte findet man in der Antwort der sächsischen Staatsregierung auf die Anfrage der Grünen. Diese ist auf dem Server des Sächsischen Landtages abrufbar.
Weitere Links zum Thema:
- Der Abgeordnete Karl-Heinz Gerstenberg setzt sich auf seiner Homepage mit der Militärforschung an sächsischen Hochschulen auseinander.
- "Militärforschung in Sachsen: Staatsregierung will den ganzen Umfang der Projekte wohl gar nicht wissen" von Ralf Julke in der Leipziger Internet Zeitung am 27.11.13
- "Dresdner tüftelt an Superklebstoff fürs Pentagon" in der Freien Presse vom 18.02.14
- Drohnenforschungsprogramm SAGITTA an der TU Chemnitz (siehe Abbildung)
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Sonntag, 29. Dezember 2013
Department of Defence finances German University Research
Militärforschung an deutschen Universitäten
Im November ging mit großem Getöse eine Meldung über US-Militärforschung an deutschen Universitäten durch den deutschen Blätterwald. So berichtete die Süddeutsche Zeitung "US-Militär finanziert deutsche Forscher", Die Zeit Online "Das US-Verteidigungsministerium hat deutsche Hochschulen und Forschungsinstitute mit Millionenbeträgen gefördert. Es geht auch um Forschung an Sprengstoffen und Drohnen", oder der NDR auf seiner Webseite "Militär-Forschung: Hochschulen schweigen". Differenziert fand ich den Kommentar der Wirtschaftswoche zum Aufreger des Monats: "Die Empörung über Forschungsprojekte des US-Militärs in Deutschland ist verlogen. Fragwürdig ist nicht die Kooperation zwischen Wissenschaft und Rüstung, sondern die Zivilklausel mancher Hochschulen."
Wo kommen diese Angaben auf einmal her? Einen ersten Hinweis liefern Daten des NDR. Dort findet man zwei PDF-Dokumente, die alle deutschen Einrichtungen auflisten, die direkt oder indirekt mit dem US-amerikanischen Verteidigungsministerium (Department of Defence) kooperieren: geheimerkrieg249.pdf und geheimerkrieg251.pdf. Die dort genannte Quelle ist usaspending.gov.
Ja so geheim ist der Krieg dann wohl doch nicht. Die Daten sind auf einer öffentlichen Webseite für jedermann einsehbar. Schließlich ist die USA eine Demokratie und es gibt dort ein Gesetz über Informationsfreiheit (Freedom of Information Act) und damit sind solche öffentlich verwendeten Gelder auch in einer öffentlich zugänglichen Datenbank abrufbar. Man muss sich nur die Mühe machen dort nachzusehen. Der Einblick in die angeblich so supergeheime gefährliche Militärforschung ist also recht einfach. Man geht auf die Webseite der US-Regierung: usaspending.gov. Dann sucht man nach einem brauchbaren Begriff in Deutsch. Für deutschsprachige Universitäten wäre das z.B. das Stichwort "Universitat". Ja ohne Umlaut, das ist in Amerika nicht üblich.Dann schränkt man die Suche rechts im Auswahlfenster auf "By Agency / Department of Defense.." ein und erhält folgendes Antwortfenster:
Damit sind natürlich nicht die anderen Forschungseinrichtungen (Fraunhofer, Leibniz, Max-Planck...) in Deutschland erfasst. Wer mag darf selbst weiter nach "supergeheimen Forschungsprojekten" suchen...
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