Samstag, 24. April 2021

New on the Bookshelf - Part 10

The ABC’s of Science” von Giuseppe Mussardo. 

Seit langem wieder einmal ein populärwissenschaftliches Buch. Die Kapitel haben Anfangsbuchstaben von A bis Z. Das wirkt an einigen Stellen etwas bemüht, zum Beispiel bei „Pauli. An Odd Couple“ oder „Quantum. Erwin’s Version“. Damit sind wir auch gleich beim Inhalt: Jedes Kapitel behandelt wichtige Abschnitte aus dem Leben von Wissenschaftlern und deren Ringen um Erkenntnis. Viele Kapitel beinhalten physikalische Probleme, es kommen aber auch andere Wissensgebiete vor. Kernspaltung ist eines der zentralen Themen im Buch. Ganz witzig ist die „Klassifikation von Physikern“ nach Landau. 

Der Titel des Buches ist vielleicht nicht so glücklich gewählt. Mit dem Stichwort „ABC’s of Science“ findet man bei online-Buchhändlern sehr viele Kinderbücher. Daher hier der direkte Link zum besprochenen Buch. 

Fazit: Anspruchsvolle Lektüre für den Sommerurlaub. 

 

Samstag, 10. April 2021

New on the Bookshelf - Part 9

The Periodic Table: Nature's Building Blocks - An Introduction to the Naturally Occurring Elements, Their Origins and Their Uses” von J. Theo Kloprogge, Concepcion P. Ponce und Tom Loomis. 

Der Titel des Buches ist etwas sperrig. Was verbirgt sich dahinter? 

Es handelt sich um eine umfassende Monograpie, die die 92 natürlich vorkommenden Elemente des Periodensystems behandelt. Zu jedem Element gibt es ein Kapitel. Dieses gliedert sich wiederrum im Entdeckung, Bergbau / Gewinnung, wichtige Minerale, Chemie, wichtige Anwendungen. Ungewöhnlich ist hier vor allem, dass Minerale so ausführlich behandelt werden, mit farbigen Abbildungen und zusätzlichen Textboxen. Die Abschnitte über die Chemie der Elemente sind sehr kompakt. Vor allem die Zusammenstellung der Anwendungen macht dieses Buch zu einem wertvollen Nachschlagewerk, welches auch für seltene Elemente grundlegende Informationen liefert. Das Buch hat ca. 900 Seiten, eng bedruckt und ist sehr schwer. 

Fazit: Ein wertvolles Nachschlagewerk mit grundlegenden Informationen über die chemischen Elemente.

Samstag, 30. Januar 2021

The Graphical Abstract

Die Kunst des Abstracts

Viele chemische Fachzeitschriften nutzen für ihr Inhaltsverzeichnis grafische Abstracts. Dabei handelt es sich um eine visuelle Darstellung des Inhalts eines wissenschaftlichen Artikels. In anderen Disziplinen wird der grafische Abstract bisher wenig genutzt. 

Chemie ist eine visuelle Wissenschaft. Viele Sachverhalte lassen sich durch Strukturen und Strukturformeln ausdrücken. Daher ist es kein Wunder, dass grafische Abstracts hauptsächlich in der Chemie und angrenzenden Wissenschaften genutzt werden. Die Angewandte Chemie war 1976 die erste Zeitschrift die grafische Abstracts regelmäßig in ihre Inhaltsverzeichnisse integrierte. Die International Edition der Angewandten übernahm das 1977. Tetrahedron Letters verwendeten die grafischen Abstracts seit 1986, Chemical Communications seit 1994 und Journal of the American Chemical Society erst 2002. 

Was sind die Funktionen eines grafischen Abstracts? 

Einmal soll er die Aufmerksamkeit des Lesers auf diesen Artikel lenken. Dafür braucht man ein auffälliges grafisches Element, einen Blickfang. Dieser muss nicht einmal etwas mit Chemie zu tun haben, es reicht aus, Neugier zu erzeugen (Abbildung 1). 



 Not a fidget spinner! Thiocyameluric acid C6N7S3H3, the tri‐thio analogues of cyameluric acid, is a key compound for the synthesis of new s‐heptazine (tri‐s‐triazine) derivatives. Here, two different routes for the synthesis of thiocyameluric acid and its reaction to tris(aryldithio)‐ and tris(alkyldithio)cyamelurates C6N7(SSR)3 are reported as well as transformation to alkali metal thiocyamelurates M3[C6N7S3], M=Na, K.

Abbildung 1: Graphical Abstract in Anlehnung an eine Publikation in Chemistry – A European Journal

 

 

Zum anderen stellt der grafische Abstract im Idealfall das wichtigste Ergebnis einer Arbeit dar, sozusagen die Quintessenz oder Take-Home-Message eines Artikels. Hier schießen manche Autorenteams über das Ziel hinaus: Es ist kaum möglich eine vielstufige Synthesesequenz in einen grafischen Abstract zu quetschen, dann wird man nichts mehr erkennen können (Abbildung 2).
Weitere Beispiele für grafisch übertriebene Abstracts findet man hier.

 


A Synthesis of Oxymorphon from ready available sources. Oxymorphone is indicated for the relief of moderate to severe pain, such as treatment of acute post surgical pain.

Abbildung 2: Hypothetischer Graphical Abstract mit einer mehrstufigen Synthese.

 

Ebenso wenig ist es sinnvoll, das Bild einer Strukturanalyse aus der Publikation einfach zu verkleinern und in den grafischen Abstract zu packen (Abbildung 3). Häufig kann man auch da nichts mehr erkennen. 


The heteroscorpionate ligand 2,2-bis­(3,5-di­methyl­pyrazol-1-yl)-1,1-di­phenyl­ethanol and an easy preparation of its tungsten complex

Abbildung 3: Graphical Abstract in Anlehnung an eine Publikation in Acta Cryst C.

 

Eine klare, einfach zu erkennende Grafik ist oft die beste Lösung für den grafischen Abstract (Abbildung 4).

 


Light it up: In-situ cryo crystallization and structure analysis reveal the solid state structures of several pyrophoric hydridosilanes.

Abbildung 4: Graphical Abstract einer Publikation in Chemistry Open

 

Grafische Abstracts funktionieren nicht nur in gedruckten Zeitschriften, sondern helfen Lesern auch beim Durchscrollen der Inhaltsverzeichnisse auf dem Bildschirm. Als Leser muss man dann nicht unbedingt nach Stichworten oder Autorennamen suchen, sondern kann sich von den Grafiken inspirieren lassen. Die Entwicklung geht weiter und einige Zeitschriften bieten inzwischen auch Animationen und Videos in ihren Inhaltsverzeichnissen an (table of contents – TOC) an. 

 

Der Eintrag beruht zum großen Teil auf einem Artikel in Nature Chemistry. Hier der Link zum Originaltext.

Samstag, 16. Januar 2021

Pyrophoric Hydridosilanes

Pyrophore Hydridosilane

Hydridosilane sind gefährliche, aber faszinierende Verbindungen mit interessanten Anwendungsmöglichkeiten. Hydridosilane bestehen nur aus Silicium und Wasserstoff. Diese Moleküle sind hoch reaktiv, so sehr, dass sie an der Luft sofort anfangen zu brennen. Verbindungen die an der Luft brennen nennt man "pyrophor". Aber gerade diese hohe Reaktivität macht Hydridosilane für verschiedene Anwendungen interessant. So wurde der Einsatz von Hydridosilanen als Raketentreibstoffe diskutiert  (B. Hidding et al.: Recent activities in silicon hydride
research in Europe
, 2011, 17th AIAA International Space Planes and Hypersonic Systems and Technologies Conference 2011. Reston, VA., 2287.)


Die Verbrennung eines solchen Silans an der Luft ist in nachfolgendem Video sehr schön zu sehen. Es handelt sich dabei um eine Probe in einer Glaskapillare mit einem Durchmesser von 0.5 mm. Was hier verbrennt sind nur etwa 5 Mikroliter!

 

 Video: Verbrennung eines flüssigen Silans an der Luft
(Video von Georg Franze, Musik von Musicfox)


 

Zum anderen wurden in den letzten Jahren verschiedene Verfahren entwickelt, bei denen diese Verbindungen als Ausgangsstoffe für Halbleiter genutzt werden. Dabei muss man nicht mehr aufwändig riesige Siliciumeinkristalle aus der Schmelze kristallisieren, diese in Scheiben zersägen und die Scheiben dann weiterverarbeiten. Nein, flüssige Hydridosilane kann man direkt mit einem Tintenstrahldrucker zu Halbleiterstrukturen drucken (T. Shimoda et al.: Solution-processed silicon films and transistors, Nature 2006, 440, 783-786.). 

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, man muss erst eine entsprechende Tinte aus dem Hydridosilan herstellen, man braucht einen geeigneten Drucker für industrielle Anwendungen und man muss bei allen Prozessschritten die Luft fernhalten. Dazu nutzt man sogenannte Gloveboxen. (Kapitel Gloveboxen im Buch Inertgastechnik). Der fertige Halbleiterbaustein kann dann aber an der Luft gehandhabt werden. Die Halbleiterstrukturen können mit Hydridosilanen gezielt auf die verschiedensten Substrate gedruckt werden, zum Beispiel auf Kunststoffe oder sogar flexible Folien. Das eröffnet ganz neue Anwendungsmöglichkeiten, denken Sie nur an elektronisch lesbare Warenlabel oder flexible Displays!

In einer Publikation, die vor wenigen Monaten erschien, haben wir die Strukturen mehrerer flüssiger Hydridosilane durch in-situ Cryokristallisation bestimmt. Obwohl diese Verbindungen teilweise schon seit 100 Jahren bekannt sind, ist es noch niemand gelungen, die Einkristallstrukturanalysen (Link Vorlesung) dieser Verbindungen zu bestimmen! Die erhaltenen Strukturparameter ermöglichen uns einen Einblick in die Struktur und Bindungsverhältnisse dieser Verbindungen. (M. Gerwig et al.: Syntheses and Molecular Structures of Liquid Pyrophoric Hydridosilanes, ChemistryOpen 9 (2020) 762-773.)

Ausserdem konnten wir aus einem Hydridosilan Halbleiterstrukturen erzeugen. Das Hydridosilan wurde mit Spin-coating abgeschieden. Aus dem abgeschiedenen Silicium wurde ein Dünnfilmtransistor hergestellt. Die Publikation dazu ist soeben erschienen: M. Gerwig et. al: From cyclopentasilane to thin film transistors, Advanced Electronic Materials, 2020, 2000422, page 1-13.

Montag, 21. Dezember 2020

Thank You for the Music

 Wortspiele in der Angewandten Chemie

In der Angewandten Chemie finden wir seltsame Titelbilder und hin und wieder auch Wortspiele in den Abstracts. Letztere beziehen sich des öfteren auf Musiktitel. Hier ein paar Beispiele:

Als Bandnamen wurden ausserdem "Right Said Fred" und "Ace of Base" zitiert. Die Hoch-Zeit dieser Mode scheint zwischen 2007 und 2010 gewesen zu sein, in den letzten Jahren ist mir so etwas nicht mehr aufgefallen. Die Anspielungen sieht man meist nur in der englischsprachigen Ausgabe der Angewandten Chemie. Im englischsprachigen Raum wurde dieser Humor durchaus gewürdigt, wenngleich auch mit geteiltem Echo. Unten einige Links zum Weiterlesen... 




Wer noch andere Wortspiele findet, schreibt gern einen Kommentar zu diesem Post. 

Ansonsten: Frohe Weihnachten!


Samstag, 17. Oktober 2020

Bogus Conferences

Tagungsorganisation als Geschäftsmodell - Teil 3

Über Einladungen zu dubiosen wissenschaftlichen Konferenzen hatte ich bereits zweimal berichtet (im Februar und Mai 2019). Das Geschäftsmodell der "Fake Conferences" oder "Bogus Conferences" scheint immer noch zu florieren. Unbeeindruckt von Covid-19 erhalte ich weiterhin jede Woche Einladungen zu wissenschaftlichen Konferenzen. Für Interessenten, die sich weiter über dieses Thema informieren wollen, hier eine Zusammenstellung relevanter Webseiten:

  

Das Kaninchen lädt Alle zu einer Konferenz ein und hofft auf einen ordentlichen Gewinn. (Quelle der Vorlage: Wikimedia Commons)

Samstag, 10. Oktober 2020

To be on "The Cover of the Rolling Stone"

Auf der Titelseite

Dr. Hook besang bereits 1972 die Genugtuung, wenn das eigene Bild auf der Titelseite einer Zeitschrift erscheint. In diesem Fall ging es um die Musikzeitschrift Rolling Stone. Sinngemäß geht der Text des Songs so: "... Es ist der tollste Nervenkitzel, wenn Dein Foto auf die Titelseite des "Rolling Stone" erscheint. Ich will mein Bild auf der Titelseite sehen, ich werde gleich fünf Hefte für meine Mutter kaufen..."
Ähnlich scheint es einigen Wissenschaftlern zu gehen, die großen Wert darauf legen, dass ihre wissenschaftlichen Arbeiten auf der Titelseite einer renommierten Fachzeitschrift promotet werden. Die Grafiken sollen den Inhalt des Artikels illustrieren und werden im Allgemeinen von den Wissenschaftlern selbst erstellt. Dabei kommt es schon manchmal zu schlecht gemachten Titelbildern mit fragwürdigen Assoziationen. Chemiker sind eben keine Grafiker und wissen häufig nicht so recht, wie man eine ansprechende Grafik gestaltet. (Ich weiß es übrigens auch nicht.)

Fiktive Titelseite einer fiktiven Zeitschrift zur Illustration eines Artikels.

Zweifelsohne steigert ein Titelblatt die Sichtbarkeit der eigenen Arbeiten. Aber einige Überlegungen geben zumindest zu denken, ob diese Art der Promotion sinnvoll ist:

In manchen Zeitschriften gibt es bis zu vier "Titelbilder". Das sind Titelbild, Innentitelbild, Innenrücktitelbild und Rücktitelbild. Die Autoren werden aufgefordert die Titelbilder selbst zu erstellen, eine redaktionelle Bearbeitung der Titelbilder findet bei den meisten Zeitschriften nicht statt. Wenn jede Ausgabe einer Zeitschrift bis zu vier Titelbilder hat, ist das dann gar nicht mehr etwas so Besonderes? 

Hinzu kommt, dass die Autoren für jedes veröffentlichte Titelbild einen Beitrag zu den Produktionskosten bezahlen müssen. Diese unterscheiden sich je nach Zeitschrift und können bis zu 1495 US-Dollar betragen. Handelt es sich dabei nicht eher um eine Methode, um mit der Zeitschrift etwas mehr Ertrag zu erwirtschaften? (Bei einigen wenigen Zeitschriften müssen die Autoren nichts für das Cover bezahlen, so zum Beispiel bei Nature Chemistry.)

Schließlich  muss man noch bedenken, dass Fachzeitschriften kaum noch gedruckt zu den Lesern gelangen. Entweder scrollen die Leser die Zeitschriften auf dem Bildschirm durch oder sie erschließen sich die Fachliteratur mit geeigneten Fachdatenbanken und Suchmaschinen. Beim Scrollen auf dem Bildschirm sticht ein gut gemachtes Cover natürlich schon ins Auge und vermag die Aufmerksamkeit der Leser auf sich zu ziehen. Aber die gleiche Funktion haben eigentlich die Graphical Abstracts.


Anregung für diesen Post lieferte der folgende Artikel: "Making The Cover - Scientific art on journal covers raises visibility, but does it still serve a purpose in the Internet age?" von Stephen K. Ritter (Chemical and Engineering News  2006, Volume 84, Seiten 24-27). Ein Teil der Argumente habe ich von dort übernommen.


Und schließlich hier noch das Original von Dr. Hook and the Medicine Show:

Samstag, 3. Oktober 2020

The Art of Cover

Die Kunst des Titelbildes

Titelseiten wissenschaftlicher Zeitschriften haben mehrere Funktionen. Sie sollen Appetit auf die Zeitschrift machen, sie dienen den Autoren zum bekannt machen ihrer Arbeiten, die Autoren können damit ihre Vorträge aufpeppen und - seien wir ehrlich - damit ein wenig angeben. Außerdem verdienen die Verlage ein wenig Geld damit, dass sie Cover entsprechend den Wünschen und Vorstellungen der Autoren veröffentlichen. Das Geschäft läuft für beide Seiten (Autoren und Verlage) so gut, dass manche Verlage inzwischen bis zu vier (!) Titelbilder in einer Ausgabe ihrer Zeitschrift unterbringen.
Lange her scheinen die Zeiten, als der Verlag nüchtern den Titel der Zeitschrift auf den Umschlag druckte (siehe Beispiel).

Zum Design von Titelbildern gibt es zahlreiche Hilfestellungen. So publizierte  Felice Frankel ein Handbuch über Wissenschaftsfotografie, Kelly Krause berichtet darüber in Nature. Richard Threlfall schreibt in Chemistry Views "After Acceptance: How to Turn Your Research into Cover Art". Der Artikel enthält auch zahlreiche Beispiele für gelungene Cover von verschiedenen Zeitschriften. Caitlin Monney liefert "4 Tips for Designing a Scientific Journal Cover" als kleines Tutorial mit instruktiven Illustrationen aus der Medizin. Ausführlich beschreibt Sven Gramp im Online Journal of Communication and Media Technologies "The Art of Science- Making Things Popular with Scientific Journal Covers". Schließlich gibt es noch kommerzielle Angebote, die den Wissenschaftlern das Design eines professionell gestalteten Covers abnehmen, zum Beispiel hier ab 490 US-Dollar.

Dienstag, 15. September 2020

New on the Bookshelf - Part 8

Inertgastechnik - Arbeiten unter Schutzgas in der Chemie 

Die Inertgastechnik ist zur sicheren Handhabung von Katalysatoren, luftempfindlichen Zwischenprodukten oder bei der Synthese metallorganischer Verbindungen unentbehrlich. Das Buch behandelt die Grundlagen der Schlenktechnik, den Aufbau einer Inertgasanlage im Labor und das Arbeiten mit der Glovebox. Weiterhin sind Arbeitsvorschriften für Beispielpräparate und technische Zeichnungen von Glasgeräten enthalten. 

Zielstellung war es, ein Lehr- und Arbeitsbuch zu schaffen, welches einen einfachen und gut verständlichen Einstieg in die Inertgastechnik bietet. Das Buch soll die Lücke zwischen Lehrbüchern zur Anorganischen Chemie und Arbeitsvorschriften aus der Fachliteratur füllen. Es ist für Studierende im Fortgeschrittenenpraktikum, Masterstudenten und Doktoranden gedacht, die sich einen Einstieg in die Inertgastechnik erarbeiten wollen.

Das Buch ist diesen Monat erschienen. Darin habe ich meine praktischen Erfahrungen auf dem Gebiet der Inertgastechnik zusammengefasst. Seit fast dreißig Jahren vermittle ich diese Arbeitstechnik in Praktika zur anorganischen und metallorganischen Chemie. Dabei haben wir einige Vereinfachungen eingeführt und Glasgeräte entwickelt, die sich für die Studenten und Doktoranden als sehr nützlich erwiesen haben. Sie können das Buch über eine Buchhandlung Ihrer Wahl beziehen oder in der Universitätsbibliothek ausleihen.

Aus dem Inhalt:

  • Grundlagen der Schlenktechnik, 
  • Arbeit an einer Inertgasanlage und der Glovebox,
  • Trocknen von Lösungsmitteln und Gasen, 
  • Entsorgung gefährlicher Rückstände,
  • Arbeitsvorschriften für Beispielpräparate,
  • technische Zeichnungen von Glasgeräten, als Vorlagen für Glasbläser geeignet.

 

 

Samstag, 4. Juli 2020

Summer Break 2020



Es ist Sommerpause! 
Bis zum Herbst gibt es nur sporadisch neue Posts.

Im September kommt eine größere Veröffentlichung heraus. Daran muss ich noch arbeiten.
Mehr dazu an dieser Stelle, wenn es soweit ist.





Hokusai: Fuji from Gotenyama on the Tōkaidō at Shinagawa (Quelle: Wikimedia Commons)

Samstag, 23. Mai 2020

Books on Organosilicon Chemistry

Literatur über siliciumorganische Verbindungen


Im Zusammenhang mit dem letzten Post kam die Frage von Lesern auf, welche Monografien für die siliciumorganische Chemie wichtig sind. Also angenommen, als Doktorand hat man ein Thema bekommen und möchte sich erst einmal einen Überblick über die Literatur verschaffen. Dann sollten unbedingt folgende Bücher konsultiert werden:

(Wir sprechen hier nur über siliciumorganische Chemie, für andere Fachgebiete gibt es wieder andere Monografien!)

In der Reihe "The chemistry of functional groups" die zwei Bände "The Chemistry of organic silicon compounds" Volume 1, Herausgeber: S. Patai und Z. Rappoport, 1989, im Lesesaal der Bibliothek verfügbar. Die beiden Bände geben einen Überblick über den Stand der Literatur bis ca. 1988.

In der Reihe "The chemistry of functional groups" die drei Bände "The Chemistry of organic silicon compounds, Volume 2", Herausgeber: Z. Rappoport, Y. Apeloig, 1998, im Lesesaal der Bibliothek verfügbar. Die drei Bände fassen die Enwicklung des Gebietes von 1989 bis ca. 1997 zusammen.


Schließlich erschien in der gleichen Reihe ein Band "The Chemistry of Organic Silicon Compounds, Volume 3", Herausgeber: Z. Rappoport, Y. Apeloig, 2001. Dieser Band ergänzt die vorangehenden Bände um Themen, die noch nicht behandelt wurden.

In der Reihe "The chemistry of functional groups" der Band "The silicon heteroatom bond", Herausgeber: S. Patai, 1991, im Lesesaal der Bibliothek verfügbar.
 
Außerdem lohnt sich oft eine Recherche in der Reihe "Comprehensive Organometallic Chemistry". Diese gibt es inzwischen in den Ausgaben I, II und III. Jede Ausgabe deckt einen anderen Zeitraum ab. In jeder Ausgabe gibt es auch einen Band mit siliciumorganischer Chemie. Hier eine Übersicht über diese Werke:

Titel Anzahl der Bände Abdeckung der Literatur
Comprehensive Organometallic Chemistry 9 bis 1982
Comprehensive Organometallic Chemistry II 14 1982-1994
Comprehensive Organometallic Chemistry III 13 1993-2007




Zu Comprehensive Organometallic Chemistry III gibt es im Moment einen online-Zugang über die Universitätsbibliothek, siehe vorigen Post.
In den Universitätsbibliotheken gibt es diese Bücher meist nur in einem Exemplar im Lesesaal, zum dort Lesen, nicht zum Ausleihen. Der elektronische Zugang wird nur selten angeboten, vermutlich ist das zu teuer. Also muss der fleißige Leser hingehen, das Buch aus dem Regal ziehen, sich setzen und lesen. Diesmal gibt es keinen Zugang mit drei Mausklicks, da nützt auch rummaulen nichts...

Samstag, 9. Mai 2020

New on the Bookshelf - Part 7

Neu in der Bibliothek - Siliciumchemie


Moderne Aspekte der siliciumorganischen Chemie werden gleich in zwei Neuerscheinungen behandelt. Beide Monografien vereinigen Beiträge von verschiedenen Autoren, die ihre fundierten Fachkenntnisse auf den jeweiligen Spezialgebieten einbringen.


Organosilicon Chemistry - Novel Approaches and Reactions von den Herausgebern Tamejiro Hiyama und Martin Oestreich erschien im Dezember 2019. Das Buch fasst die aktuellen Entwicklungen in der Anwendung von Organosiliciumverbindungen in der organischen Synthesechemie und Katalyse zusammen. Unter anderem werden die katalytische Erzeugung von Siliciumnukleophilen, die Si-H-Bindungsaktivierung, die C-H-Bindungssilylierung und Kreuzkupplungsreaktionen unter Beteiligung von Siliciumverbindungen besprochen. In weiteren Kapiteln werden Silylene als Liganden in der Katalyse und chirale Siliciumverbindungen vorgestellt.




Vor drei Jahren (2017) erschien bereits das zweibändige Werk Organosilicon Compounds, herausgegeben von Vladimir Ya Lee. Dieses ist breiter angelegt als das oben vorgestellte Buch. Von der theoretischen Beschreibung, über die Synthese, bis zur Anwendung von siliciumorganischen Verbindungen reicht das Spektrum dieses Werkes.
Zur Theorie gibt es ein eher kurzes Kapitel über "nichtklassische" Organosiliciumverbindungen. Der größte Teil des ersten Bandes ist der Synthese von Organosiliciumverbindungen gewidmet. Dabei werden unter anderem Übergangsmetallkomplexe des Siliciums, siliciumhaltige Käfige und Cluster besprochen. Bei den reaktiven niederkoordinierten Siliciumverbindungen bekommen Kationen, Radikale, Anionen, Systeme mit Mehrfachbindungen und Silaaromaten ihren gebührenden Platz im Buch.
Im zweiten Band finden die Leser physikochemische Daten und Anwendungen. So gibt es Kapitel über neue Ergebnisse der Einkristallstrukturanalyse, 29Si-NMR-Spektroskopie, thermochemische Daten und Fotoelektronenspektroskopie an Organosilanen. Die Kapitel über Anwendungen behandeln Hydrosilierungen, Polysilane, Silikone und Dendrimere.




Dieses zweibändige Werk ist ein würdiger Nachfolger der Monografien von Zvi Rappoport "The Chemistry of Organic Silicon Compounds". Doktoranden mit einem Thema aus der Siliciumchemie sollten dringend diese Bücher konsultieren, bevor sie ihre Arbeit zusammenschreiben!

Samstag, 11. April 2020

Universitätsbibliothek Aktuell – Direkter Zugang zu Zeitschriften und Monografien


Zurzeit gibt es einen direkten Zugang zu zahlreichen Monografien und Sammelwerken über die Universitätsbibliothek. Eine Liste mit den verfügbaren Werken finden Sie auf der Webseite: Erweiterte elektronische Angebote während der Corona-Krise.

Zugang zu den Volltexten als PDF-Dokumente!

VPN-Client nutzen!

Samstag, 14. März 2020

New on the Bookshelf - Part 6

Neu in der Bibliothek


"Wenn die Chemie stimmt: Die Fortschritte einer Wissenschaft im Spiegel der Nobelpreise"von Doris Fischer-Henningsen, Roswitha Harrer. Die Autorinnen nutzen die Nobelpreise in Chemie, um den Lesern viele Informationen über die Geschichte der Chemie zu vermitteln. Dabei schauen sie auch über den Tellerrand der Naturwissenschaften hinaus und sprechen über politisch motivierte Gegenpreise, Nahrungsproduktion, Sprengstoffe und viele andere Themen.




Ebenfalls politische Aspekte berührt das Buch "Konfliktstoffe: Über Kohlendioxid, Heroin und andere strittige Substanzen" von Jens Soentgen. Auch hier gibt es ein Kapitel über die Haber-Bosch-Synthese, die Ammoniakproduktion und deren Folgen. Weitere Kapitel behandeln Heroin und Aspirin, Naturgummi und synthetischen Kautschuk und ein separates Kapitel Kohlendioxid. Das Buch ist gut geschrieben und leicht zu lesen.







Sonntag, 8. März 2020



Prof. Karl-Heinz Thiele
Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag!

Samstag, 29. Februar 2020

New on the Bookshelf - Part 5

Neu in der Bibliothek


"Natural Products" von Sicker, Zeller, Siehl und Berger bietet Arbeitvorschriften zur Isolierung von Naturstoffen. Zu jedem Naturstoff wird zunächst der kulturhistorische Hintergrund erläutert, bei dem frühere und heutige Verwendungen der Verbindungen besprochen werden. Zum praktischen Teil der Isolierung des Naturstoffes werden auch die verwendeten Methoden erklärt. Das ist didaktisch sehr gut. Ein weiterer Schwerpunkt ist die spektroskopische Charakterisierung der Verbindungen. Hier werden die Spektren auch abgebildet und es wird viel mehr zu den spektroskopischen Daten erklärt, als es sonst üblich ist. Insgesamt ein gelungenes Buch, mit einem großartigen didaktischen Ansatz!
Geeignet für Studenten der Chemie und Interessenten an Naturstoffchemie.
Das Buch fasst Artikel aus der "Chemie in unserer Zeit" zusammen. Die Artikel in der Zeitschrift sind in Deutsch erschienen. 




Nicht ganz so anspruchsvoll, sondern auch für Laien geeignet ist das Buch "Chemie der Arzneitmittel - Einfache Experimente mit Medikamenten aus der Apotheke" von Georg Schwedt. (Die Publikationsmaschine von Georg Schwedt läuft noch immer, das freut mich.) Die Experimente sind einfach und gut beschrieben. Experimentelle Hintergründe, zum Beispiel "Destillieren, Perkolieren, Mörsern", werden verständlich erklärt.





Donnerstag, 26. Dezember 2019




Prof. Helmuth Drevs im Labor.

Frohe Weihnachten Allerseits!

Samstag, 20. Juli 2019

Summer Break



Es ist Sommerpause!
Bis zum Herbst gibt es nur noch sporadisch neue Posts.

Lasst Eure Smartphones liegen und geht raus in die Natur. Wer es durchaus nicht sein lassen kann, liest die Serie zu Rohstoffen und Ressourcen oder über Silicium enthaltende Medikamente,  um die Zeit bis zum Herbst herum zu bringen.



http://anorg-chemie.blogspot.de/search/label/Breaking%20Bad


Sehr beliebt bei der Leserschaft sind die Posts zu "Breaking Bad". 
Meine Favoriten sind "Radioactive Boy Scout and the Golden Book of Chemistry".

http://anorg-chemie.blogspot.de/search/label/Golden%20Book

Samstag, 8. Juni 2019

Graphical Abstracts in Chemistry

Die Kunst des Abstracts

Jeder Artikel in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift verfügt über eine Kurzfassung, den sogenannten "Abstract". Dieser fasst die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit zusammen. Darüber hinaus gibt es in chemischen Fachzeitschriften eine besondere Form der Kurzfassung, den "Graphical Abstract". Dieser zeigt blitzlichtartig das wichtigste Ergebnis oder einen wichtigen Sachverhalt aus dem Artikel. Der Graphical Abstract wird beim Inhaltsverzeichnis der Zeitschrift mit dargestellt. Hier dient er als Blickfang für alle Leser, die das Inhaltsverzeichnis durchblättern. Graphical Abstracts funktionieren sowohl bei den gedruckten Zeitschriften als auch in der online-Version.
Angesichts einer exponentiell wachsenden Flut an Publikationen (siehe "Über die Inflation wissenschaftlicher Zeitschriften") bietet der Graphical Abstract eine Möglichkeit Artikel aufzustöbern, die man sonst vielleicht übersehen hätte. So wie es schön und überraschend sein kann, in einem Buchladen unbekannte Bücher zu entdecken, so bietet der Graphical Abstract im Inhaltsverzeichnis ebenfalls die Möglichkeit etwas zu finden, was man gar nicht gesucht hat.




Donnerstag, 30. Mai 2019

New on the Bookshelf - Part 4

Neu in der Bibliothek


Das Buch "Shattered Symmetry" von Pieter Thyssen bietet eine Einführung in die Gruppentheorie und weit darüber hinaus bis zum "achtfachen Weg der Quarks, der vierdimensionalen Symmetrie des Wasserstoffatoms und der Struktur des Periodensystems".  Sehr mathematiklastig, sicher nicht für den leichtfertig Zerstreuung suchenden Leser geeignet. Der Autor nutzt Illustrationen aus "Alice im Wunderland und" und "Alice hinter den Spiegeln" um Sachverhalte zur Symmetrie zu verdeutlichen. Das ist ganz witzig und lockert die Lektüre auf.





Samstag, 25. Mai 2019

New on the Bookshelf - Part 3

Neu in der Bibliothek



"Atomic Adventures: Secret Islands, Forgotten N-Rays, and Isotopic Murder - A Journey Into the Wild World of Nuclear Science" von James Mahaffey. Eine Reise durch die wilde Welt der Atomwissenschaft, geschrieben von einem Insider. Kernspaltung und Atombombenprojekte in verschiedenen Ländern, Röntgenlaser, kriminelle Nutzung der Kernenergie und vieles mehr. Das Buch ist definitiv nicht  für zart besaitete Personen geeignet. An Kernphysik interessierte Leser wird es sicher ansprechen.


Samstag, 18. Mai 2019

New on the Bookshelf - Part 2

Neu in der Bibliothek


"Kleine Entdeckungsgeschichte(n) der Chemie im Kontext von Zeitgeschichte und Naturwissenschaften" von Michael Wächter ist eine recht kurz gehaltene Geschichte der Chemie, gut lesbar und verständlich. Empfehlenswert für Interessenten.




Donnerstag, 9. Mai 2019

Predatory Conferences

Tagungsorganisation als Geschäftsmodell - Teil 2

Was würden Sie davon halten, wenn Sie nicht nur als Redner zu einer wissenschaftlichen Tagung eingeladen würden, sondern sogleich auch noch im "Scientific Advisory Board" der Tagung mitarbeiten dürften? Das wäre doch eine verlockende Gelegenheit. Nähere Betrachtung der unten stehenden E-Mail ließ mich dann doch misstrauisch werden: Warum sollte ich ausgerechnet beim Themengebiet "Spectroscopy" mitarbeiten? Wie komme ich zu der Ehre?
Der Wissenschaftsjournalist Leonid Schneider beobachtet schon seit längerem die als Organisator dieser Tagung auftretende "International Association of Advanced Materials" (IAAM). Die Ergebnisse seiner Recherchen stellt er auf seiner Webseite "For  Better Science" zusammen. Posts die die "IAAM" betreffen sind diese: Linköping University and Tiwari’s predatory conferences, Predatory conferences and other scams of false Swedish Professor Ashutosh Tiwari. Aus dem Gelesenen entnehme ich, dass Tagungen die von dieser Gesellschaft organisiert werden "Predatory Conferences" sind! Finger weg von diesen Tagungen, nehmen Sie nicht daran teil!




Abbildung: Alice hat sich auf eine Predatory Conference verirrt (Original: Illustration von John Tenniel).



Folgende E-Mail erhielt ich:

Greetings from the IAAM!
On the behalf of congress organizer and based on your expertise and contribution in this important subject area, I am delighted to invite you to deliver an Invited Talk and join as a Member of Scientific Advisory Board in the Thematic Subject on “Spectroscopy” of European Analytical Methods and Spectroscopy Congress during 11 – 14 August 2019, Stockholm, Sweden. If you are interested to participate and share your experience in our rich legacy of advancement of analytical methods and spectroscopy to global excellence, please send me your consent by 05 May 2019.
....
Please note that it is purely academic contribution and organiser will not pay any honorarium for this service. The IAAM hereby confirm you to provide a certificate for member of scientific advisory board after the congress. The Member of Scientific Advisory Board will also get complementary membership of IAAM for 5 years. Please read benefits and other information

  The International Association of Advanced Materials has a rich legacy of more than 5000 well-known speakers from about 100 countries of their IAAM congress assemblies in 2018. The glimpse of truly international networking has strengthened the objective, Knowledge Experience at Sea. Please read more about AMC and follow IAAM Blogs

The congress will bring an amazing experience of cruise hospitality and visit two capital cities of Scandinavia, with allusion of the beautiful views of Stockholm archipelago sailing through nearly 30,000 islands in the summer. Be a part of "Analytical Methods and Spectroscopy" @IAAM, which will run with the 4 thematic sessions and 2 parallel congresses.


Samstag, 4. Mai 2019

New on the Bookshelf

Neu in der Bibliothek


The Rhubarb Connection and Other Revelations von Lars Öhrström, Jacques Covès und Raychelle Burks bietet gut lesbare und teilweise amüsante Essays über Metalle, Metallionen und Metallkomplexe, so z.B. cis-Platin in der Krebstherapie, Rhabarber und Nierensteine, Vergiftungen mit Metallverbindungen.






"Elemente in 30 Sekunden" von Eric Serri. Das Buch erschien bereits 2016, passt aber genau zum Internationalen Jahr des Periodensystems. Die 50, nach Meinung der Autoren, wichtigsten Elemente werden jeweils auf einer Seite vorgestellt, mit Anwendungen und teils witzigen Illustrationen.





Samstag, 6. April 2019

Zitationsvorteil für Open-Access-Publikationen

In der bibliometrischen Fachliteratur taucht immer wieder der Begriff  "Citation Advantage" also Zitationsvorteil auf. Dabei wird vermutet, dass Open-AccesssPublikartionen öfter zitiert werden als kostenpflichtige Artikel - einfach weil sie leichter verfügbar sind. Ob das wirklich so ist und unter welchen Bedingungen eine Open-Access-Publikation tatsächlich mehr Zitationen einbringt, erfahren Sie in dem Artikel "Vorteil für Open-Access-Publikationen". Dieser ist in den Nachrichten aus der Chemie, Band 67, 2019, Heft 4, Seite 29-31 erschienen.


Carl Sptizweg: Der Bücherwurm (Quelle Wikimedia Commons)


Im Zusammenhang mit den Diskussionen um Open Access und die Geschäftspraktiken kommerzieller Verlage sind vielleicht noch folgende Artikel interessant:

Samstag, 2. März 2019

Marketing Video of TU Bergakademie Freiberg




Wer sich weiter über das Leben an einer Universität informieren möchte, kann sich zum Beispiel folgende Webseite vornehmen: "22 Filme die du sehen solltest, bevor Du an einer Universität studierst."  Nicht ganz ernst gemeint ;-)  und eine sehr amerikanische Sichtweise...

Ergänzung am 17. März:

Man hat mich auf "Die Mutter aller Imagfilme" aufmerksam gemacht: Dort steckt Alles drin! Es gibt kurze Interviews mit dem CEO, Acquisition Executive und Sales Manager. Außerdem sind die Worthülsen des Werbesprechs verarbeitet: "effiziente Synergieeffekte nutzen, Kernkompetenz, Nachhaltigkeit, Qualität und Leidenschaft, wir gehen die extra Mile, Face to the Customer..."; und das alles in 4 Minuten 23.

Samstag, 16. Februar 2019

Datenbanken - Fachinformation - Literaturrecherchen - Version 2.0

2013 hatte ich schon einmal eine Übersicht über relevante Datenbanken für Chemiker und Naturwissenchschaftler geliefert. Es ist Zeit für ein Update dieses Posts, da sich inzwischen so einiges geändert hat. Nachfolgend also die aktualisierte Übersicht zu den aus meiner Sicht wichtigsten Datenbanquellen in den Naturwissenschaften. Diese Zusammenstellung ist persönlich gefärbt, desahlb bitte nicht sauer sein, wenn Ihre Lieblingsdatenbank fehlen sollte. 

Das Datenbank-Infosystem der Universitätsbibliothek Freiberg (DBIS) gibt einen sehr schönen Überblick über die verfügbaren online-Datenbanken an unserer Universität.


Hinweis für Leser von anderen Einrichtungen: Zu kostenpflichtigen Datenbanken erhalten Sie natürlich nur Zugang, wenn ihre Organisation (Firma, Universität oder Forschungseinrichtung) entsprechende Lizenzen erworben hat.


1. Wissenschaftliche Suchmaschinen


Google Scholar
Hier kann man gezielt nach wissenschaftlicher Literatur suchen. Dazu gehören Bücher, Zeitschriftenaufsätze und Patente.


BASE - Bielefeld Academic Search Engine
Das ist eine Suchmaschine für wissenschaftliche Dokumente. Aufgrund der Auswahl der Quellen enthält BASE fachlich qualifizierte Informationen in Verbindung mit umfangreichen und hochwertigen Metadaten und unterscheidet sich dadurch von kommerziellen Suchmaschinen (Quelle: Wikipedia).


ScienceResearch
Diese Datenbank verspricht "qualitativ hochwertige Ergebnisse durch Suche mittels fortschrittlicher "federated search technology" in anderen etablierten Suchmaschinen. Die in Realzeit erhaltenen Ergebnisse werden gesammelt, gewertet und Duplikate entfernt." (Quelle: About ScienceResearch.com) Ich habe bisher keine Erfahrungen gesammelt, ob diese spezielle Suchmaschine wirklich einen Erkenntnisfortschritt gegenüber "gewöhnlichen" Suchmaschinen bringt. Das probieren Sie am besten selbst aus!


Worldwidescience
Hier handelt es sich um ein Wissenschaftsportal welches vom Office of Scientific and Technical Information (OSTI) des US-Energieministeriums (DOE) betrieben wird. 




2. Datenbanken


Annual Reviews
  • Fachübergreifende Datenbank
  • Literaturangaben und Abstracts aus Naturwissenschaften, Medizin, Psychologie und Soziologie
  • Die Recherche ist kostenfrei, der Abruf der Volltexte ist kostenpflichtig!

BIOSIS - Biological Abstracts
  • Schwerpunkt der Datenbank ist Biologie und angrenzende Disziplinen (Biochemie, Biophysik, Genetik, Mikrobiologie, Ökologie, Pharmakologie, Paläontologie, medizinische Grundlagenwissenschaften)
  • es werden ca.  6000 internationale Zeitschriften ausgewertet 

ChemSpider
Ist eine frei verfügbare Datenbank chemischer Verbindungen. Sie wird von der Royal Society of Chemistry unterhalten. Das Ziel ist ein umfassender Zugang zu frei zugänglichen chemischen Informationen. Neben der Textsuche bietet ChemSpider eine Struktur- und Substruktursuche mit gezeichneten Strukturformeln an. ChemSpider legt großen Wert auf überprüfte Informationen.


INSPEC (Information Services in Physics, Electronics and Computing)
  • Inhalt der Datenbank entspricht den gedruckten Referateorganen "Physics Abstracts", "Electrical and Electronics Abstracts" und "Computer and Control Abstracts".
  • Damit liegt der Schwerpunkt der Datenbank in der Physik und allen angrenzenden Gebieten (Elektrotechnik, Elektronik, Computertechnik, Regelungstechnik, Informationstechnik, Maschinenbau, Fertigungstechnik und Produktion, Werkstoffwissenschaften, Kerntechnik, Geophysik, Ozeanographie, Biophysik, Biomedizinische Technik)
  • es werden ca. 3850 Fachzeitschriften, ca. 2200 Konferenzserien sowie Bücher, Reports und Dissertationen ausgewertet 
  • Der Zugang ist im Campusnetz über ProQuest möglich. 
  • Die Suche über "Subject Terms" oder "Classification Codes" erlaubt eine verfeinerte Suchstrategie.


Perinorm
Perinorm enthält Normen (z.B. ANSI, DIN, ISO) aus 23 Ländern, technische Regeln, deutsche Rechtsvorschriften mit technischen Bezug, geltende EU-Richtlinien und VDI-Richtlinien. Der Volltextzugriff auf Normen ist nur bei entsprechender Lizenz verfügbar!



PubMed (Public Medline)

  • PubMed enthält die Datenbank MEDLINE
  • In der Datenbank sind Informationen aus der Medizin und angrenzenden Bereichen enthalten.
  • Für die Datenbank werden mehr als 5.600 biomedizinische Zeitschriften ausgewertet.
 
Reaxys

Das ist eine Datenbank für Verbindungen und dazu gehörende Stoffdaten, Synthesen und bibliografische Angaben.Sie enthält Informationen über organische, anorganische und metallorganische Verbindungen,   ausserdem Patente (WO, EP, US) aus Life Sciences und organischer Chemie. Zu jeder Substanz können chemische Informationen, physikalische Eigenschaften, sowie pharmakologische, toxikologische und ökologische Daten abgerufen werden.
Reaxys kombiniert und ersetzt die folgenden 3 Datenbanken:
  • CrossFire Beilstein (beinhaltet die Druckausgabe von K. F. Beilsteins "Handbuch der organischen Chemie" )
  • CrossFire Gmelin (beinhaltet die Daten des gedruckten Gmelin "Handbuch der anorganischen Chemie")
  • Patent Chemistry Database

Scifinder
Scifinder bietet Zugang zur weltweit größten Sammlung chemischer Informationen. Daneben werden auch angrenzende Gebiete wie Verfahrenstechnik, Werkstoffwissenschaften und Biotechnologie erfasst.
Scifinder beinhaltet folgende Datenbanken:

  •     CAPLUS (Chemical Abstracts) und REGISTRY (Substanzen)
  •     CASREACT (Reaktionsdatenbank)
  •     CHEMCATS (Chemikalienkataloge)
  •     CHEMLIST (regulatorische Daten)
  •     Medline


ScienceDirect
  • enthält elektronische Zeitschriften und eBooks des Verlags Elsevier
  • fachübergreifende Datenbank mit Beiträgen aus Keramik, Glas- und Baustofftechnik,
    Medizin, Naturwissenschaft allgemein, Werkstoffwissenschaft / Werkstofftechnologie,
    Wirtschaftswissenschaften
  • Hinweis für Suchende: Sie bewegen sich hier nur im Universum des Verlages Elsevier. Für eine umfassende Recherche sollten sie unbedingt auch andere Datenbanken hinzuziehen!

SCOPUS 
Scopus ist laut Datenbankbetreibern, die weltweit größte Sammlung an Abstracts, Quellenverweisen und Stichwortverzeichnissen im Bereich der Natur- und Ingenieurwissenschaften, Medizin (STM), Geistes- und Sozialwissenschaften. Die Datenbank bietet eine Verlinkung zu Volltext-Artikeln und anderen bibliografischen Quellen.

    Springer Link
    Das ist eine umfangreiche Sammlung von Monografien, Handbüchern und Enzyklopädien und Zeitschriftenartikeln des Springer Verlags



    Web of Science
    Ist eine fachübergreifende Datenbank mit einem breiten Fächerspektrum von Kunst-, Geistes-, Sozialwissenschaften, Medizin, Naturwissenschaften und Technik. Diese Datenbank haben wir nicht in unserer Universitätsbibliothek lizensiert.


    3. Patente

    Patente zur Chemie sind grundsätzlich auch in Scifinder enthalten und können zu jedem beliebigen Suchbegriff über "Refine / Document Type / Patent" identifizeirt werden.
    Nachfolgend sind einige kostenlose Patentdatenbanken aufgeführt. 


    4. Nachschlagewerke


    CRC Handbook of Chemistry and Physics
    • inhouse-Datenbank auf CD-Rom    
    • entspricht der gedruckten, jährlich erscheinenden Ausgabe des Handbook of Chemistry and Physics der Chemical Rubber Company CRC
    • Fachgebiete:  Chemie und Physik

    Römpp Online (Römpp-Lexikon Online)
    • RÖMPP Online ist die umfangreichste Enzyklopädie zur Chemie und den angrenzenden Wissenschaften in deutscher Sprache
    • das Nachschlagewerk bietet 60.000 Stichwörter aus fünf verschiedenen Römpp-Lexika zu den Fachgebieten Biotechnologie und Gentechnik, Chemie, Lebensmittelchemie, Naturstoffe, Umwelt- und Verfahrenstechnologie 

    Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie
    Dieses Werk ist in der neuesten englischsprachigen Version innerhalb des Campusnetzes zugänglich. Unbedingt empfehlenswert, um sich in ein Thema einzulesen, sind die älteren deutschsprachigen Ausgaben. Diese stehen als Hardcopy in der Bibliothek. Hingehen, lesen!


    5. Kataloge


    SWB
    Der Online-Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB) weist die Medienbestände von mehr als 1.200 Bibliotheken aus den Regionen Baden-Württemberg, Saarland und Sachsen sowie aus weiteren Spezialbibliotheken aus anderen Bundesländern nach.


    KVK
    Der Karlsruher virtuelle Katalog ist ein Meta-Katalog zum Nachweis von mehr als 500 Millionen Medien in Katalogen weltweit.


    6. Stoffdaten

    Einige der oben aufgeführten Datenbanken enthalten auch Stoffdaten, z.B. Reaxys oder Scifinder. Es gibt jedoch auch Datenbanken, die ganz gezielt spezielle Stoffdaten bereit halten. Dafür einige Beispiele:


    SDBS
    Die SDBS enthält spektroskopische Daten organischer Verbindungen. Nutzer können nach 1H-, 13C-NMR-, IR-, Raman- und Massenspektren suchen. Die Datenbank ist kostenfrei. Sie wird vom National Institute of Advanced Industrial Science and Technology bereitsgestellt. Das ist eine japanische Regierungsbehörde.


    NIST - National Institute of Standards and Technology
    Die US-amerikanische Regierungsbehörde sammelt Stoffdaten und stellt diese zur Verfügung. Die Daten sind geprüft und  voll zitierfähig. Die Webseite ist etwas spartanisch programmiert. Der Zugang zu den Stoffdaten erfolgt über die Webseite http://webbook.nist.gov/chemistry/.



    SPECINFO
    enthält spektroskopische Daten organischer Verbindungen. Die Datenbank kann über eine Webseite bei Wiley-VCH aufgerufen werden. Wir haben leider keinen Zugang zu dieser Datenbank und nutzen sie daher nicht mehr. Der Schwerpunkt der Datenbank liegt bei 13C-NMR-Spektren (fast 100000 Spektren), daneben sind auch IR-, Massenspektren und Heterokern-NMR-Spektren (15N-, 17O-, 19F-, 31P-NMR ) enthalten.



    ICSD (Inorganic Crystal Structure Database)
    enthält Kristallstrukturdaten von rein anorganischen Verbindungen, also alle Verbindungen ohne C-H-Bindungen!


      CSD (Cambridge Structural Database)

      enthält Kristallstrukturdaten von organischen und metallorganischen Verbindungen, also alle Verbindungen mit C-H-Bindungen! Sie wird als inhouse-Datenbank vom Cambridge Crystallographic Data Centre vertrieben. Also fragen Sie bei Ihrer Unversität oder Ihrem Arbeitgeber nach, ob eine Lizenz existiert.


      PDB (Protein Data Bank)
      Diese enthält Kristallstrukturen von Proteinen und biologischen Makromolekülen.


      Abbildungen in diesem Post: Leonhardt Thurneysser zum Thurn "Theosophie und Alchemie", 1574. Bereitgestellt von Deutsche Fotothek, abrufbar bei Wikimedia Commons.




      Noch offen:
      • ProQuest Materials Science Collection
      • Science of Synthesis füher Houben-Weyl
      • Landolt-Börnstein unter Springer Materials
      • STNEasy (Patente) 
      • ViFaBi
      • PubChem