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Samstag, 27. Dezember 2025

Coloring Chemistry

Der Artikel "Coloring Chemistry – Wie eine bewusste Farbwahl die chemische Kommunikation verbessert" in der Angewandten Chemie vom März 2022 thematisiert die oft unterschätzte, aber zentrale Rolle von Farben in der wissenschaftlichen Kommunikation, insbesondere in der Chemie. Die Autoren zeigen, dass Farben in Abbildungen, Diagrammen und Grafiken nicht nur der Ästhetik dienen, sondern maßgeblich beeinflussen, wie Informationen wahrgenommen, verstanden und interpretiert werden. Häufig verwendete Farbpaletten können problematisch sein, etwa wenn sie für Menschen mit Farbsehschwächen schwer unterscheidbar sind oder beim Druck in Graustufen wichtige Informationen verloren gehen.

Die Autoren argumentieren, dass eine unbedachte Farbauswahl zu Missverständnissen, Fehlinterpretationen oder eingeschränkter Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen führen kann. Daher plädieren die Autoren für den Einsatz wissenschaftlich fundierter, wahrnehmungsbasierter Farbskalen, die klare Helligkeitsunterschiede aufweisen und auch für Leserinnen und Leser mit Farbsehschwächen geeignet sind. Insgesamt ruft der Artikel die chemische Fachgemeinschaft dazu auf, Farbe als integralen Bestandteil guter wissenschaftlicher Praxis zu begreifen und sie bewusst einzusetzen, um die Verständlichkeit, Genauigkeit und Inklusivität chemischer Publikationen zu verbessern. 

Der Beitrag ist ein Viewpoint-Artikel der die Meinung oder Position der Autoren darlegt.

 

Nicht wissenschaftlich akkurate Darstellung.

Samstag, 20. Mai 2023

Fake Research Awards

Schon wieder ein paar Forschungspreise gewonnen

Nach "Predatory Publishing" und "Predatory Conferences" scheint das Verleihen wertloser Forschungspreise (Fake Research Award) eine neue Einnahmequelle für unseriöse Anbieter zu sein. Den Adressaten wird ein Forschungspreis angeboten. Diesen erhalten sie für irgendeine ihrer Publikationen verliehen.

Eine ausführliche Dokumentation und Analyse dieser Masche findet man auf der Webseite www.evscienceconsultant.com.

Hier Beispiele für E-Mails, die ich in den letzten zwei Monaten erhalten habe, nicht nur einmal, sondern mehrfach immer wieder der gleiche Text (Inhalt leicht gekürzt).

p.s.: Ich werde diese Preise NICHT annehmen.

 


Beispiel 1

Dear Author, 

We are delighted to inform you that you have been provisionally selected for the Best Researcher Award at the upcoming International Research Awards on New Science Inventions. We believe that your remarkable contributions to the field make you an excellent candidate for this prestigious award. Nomination for the award is currently open, and we encourage you to submit your research profile for consideration. To submit your nomination, please click on the following link and provide the required details. Nomination Link: https://x-i.me/mon23 

We appreciate your dedication and hard work towards advancing scientific research. Note: Submission is peer-reviewed by editorial members. Warm Regards, The Organizing Committee, International Research Awards on New Science Inventions. 

Reference: Two polymorphs of the title compound have been isolated. Polymorph (I) crystallizes in the monoclinic space group P21/n and polymorph (II) in the tetragonal space group I41/a. ...   [usw. der Abstract einer Veröffentlichung von mir]



Und gleich noch ein Internationaler Preis wurde mir angeboten:

Asia International Research Awards 2023 To ... ASTRA 2023 || On 1st July 2023 || Grandeur Hall @Breeze Residency || Trichy, Tamil Nadu, India 

We are pleased to notify you that the Asia Research Awards, in association with Times of Research and the World Research Council, are expecting you for ASTRA 2023.(Asia's Science, Technology, and Research Awards). There is no change in date and selection. You have won Asia's Outstanding Researcher Award for your excellence in, "Synthesis, crystal structure, and spectroscopic properties of ..."  [usw. der Titel einer Veröffentlichung von mir]

PROCEDURE: 
1. Fill out the form in the link: https://asiaresearchawards.com/nomination/ 
2. Kindly make the delegate fee on or before 20th April 2023 as follows: SNO DELEGATE FEE 1 INDIAN DELEGATE 8,500 INR 2 FOREIGN DELEGATE 225 USD (or) 225 EUR 
 3. If you are unable to attend the ceremony after confirming the delegate fee, your kit will be delivered to you via Courier.
4. This is the final selection and you can change the award title by emailing us your profile. 

Advantages: 
1. Winner's Memento in the Concerning Award Category. 
2. Grand Winner Medal. 
3. Winner's Badge. 
4. A Red-Carpet Interview for Wide Distribution. 
5. Esteemed Bonafide Letter. 
6. A full page in the Times of Research. 
7. Winners' Profiles are Featured on Our Website. 
8. A Photo and Video Glimpse of the Award Presentation. 
9. Membership in the World Research Council. 
10. Dinner for networking. 



Beispiel 3

Dear Author, 

We are delighted to inform you that you have been provisionally selected for the Best Researcher Award at the upcoming International Research Award on Nuclear Physics. We believe that your remarkable contributions to the field make you an excellent candidate for this prestigious award. 

Nomination for the award is currently open, and we encourage you to submit your research profile for consideration. To submit your nomination, please click on the following link and provide the required details. 

 Nomination Link: https://x-i.me/sondnucle3 

We appreciate your dedication and hard work towards advancing scientific research. 

Note: Submission is peer-reviewed by editorial members. 

Warm Regards, The Organizing Committee, International Research Award on Nuclear Physics. 

Reference: Two polymorphs of the title compound, C20H23N3O2, have been isolated.  ...   [usw. der Abstract einer Veröffentlichung von mir]


Abbildung: Hieronymus Bosch "Die Versuchung des heiligen Antonius" (Ausschnitt). Quelle:  Dguendel, Lisbon, Museum Nacional de Arte Antiga, Hieronymus Bosch, the Temptation of Saint Anthony-3, CC BY 4.0

Samstag, 5. November 2022

Predatory Publishing?

MDPI Special Issues - Eine Geldmaschine?

Diese Frage wird von Da-Wen Sun aufgeworfen. Er hat seit Januar 2021 mehr als 200 Einladungen erhalten, bei Special Issues (Sonderhefte) vom Verlag MDPI mitzuwirken. Er hat das auf seinem LinkedIn-Profil dokumentiert. Das führt ihn zu der Frage, ob diese Sonderhefte allein dazu dienen sollen Geld für den Verlag einzunehmen. 

Der Verlag MDPI ist wegen seiner Geschäftspraktiken umstritten:

 

Abbildung: Alice fragt die Raupe, was sie von MDPI hält. Originalillustration von John Tenniel (Quelle: Wikimedia Commons)


Samstag, 30. Januar 2021

The Graphical Abstract

Die Kunst des Abstracts

Viele chemische Fachzeitschriften nutzen für ihr Inhaltsverzeichnis grafische Abstracts. Dabei handelt es sich um eine visuelle Darstellung des Inhalts eines wissenschaftlichen Artikels. In anderen Disziplinen wird der grafische Abstract bisher wenig genutzt. 

Chemie ist eine visuelle Wissenschaft. Viele Sachverhalte lassen sich durch Strukturen und Strukturformeln ausdrücken. Daher ist es kein Wunder, dass grafische Abstracts hauptsächlich in der Chemie und angrenzenden Wissenschaften genutzt werden. Die Angewandte Chemie war 1976 die erste Zeitschrift die grafische Abstracts regelmäßig in ihre Inhaltsverzeichnisse integrierte. Die International Edition der Angewandten übernahm das 1977. Tetrahedron Letters verwendeten die grafischen Abstracts seit 1986, Chemical Communications seit 1994 und Journal of the American Chemical Society erst 2002. 

Was sind die Funktionen eines grafischen Abstracts? 

Einmal soll er die Aufmerksamkeit des Lesers auf diesen Artikel lenken. Dafür braucht man ein auffälliges grafisches Element, einen Blickfang. Dieser muss nicht einmal etwas mit Chemie zu tun haben, es reicht aus, Neugier zu erzeugen (Abbildung 1). 



 Not a fidget spinner! Thiocyameluric acid C6N7S3H3, the tri‐thio analogues of cyameluric acid, is a key compound for the synthesis of new s‐heptazine (tri‐s‐triazine) derivatives. Here, two different routes for the synthesis of thiocyameluric acid and its reaction to tris(aryldithio)‐ and tris(alkyldithio)cyamelurates C6N7(SSR)3 are reported as well as transformation to alkali metal thiocyamelurates M3[C6N7S3], M=Na, K.

Abbildung 1: Graphical Abstract in Anlehnung an eine Publikation in Chemistry – A European Journal

 

 

Zum anderen stellt der grafische Abstract im Idealfall das wichtigste Ergebnis einer Arbeit dar, sozusagen die Quintessenz oder Take-Home-Message eines Artikels. Hier schießen manche Autorenteams über das Ziel hinaus: Es ist kaum möglich eine vielstufige Synthesesequenz in einen grafischen Abstract zu quetschen, dann wird man nichts mehr erkennen können (Abbildung 2).
Weitere Beispiele für grafisch übertriebene Abstracts findet man hier.

 


A Synthesis of Oxymorphon from ready available sources. Oxymorphone is indicated for the relief of moderate to severe pain, such as treatment of acute post surgical pain.

Abbildung 2: Hypothetischer Graphical Abstract mit einer mehrstufigen Synthese.

 

Ebenso wenig ist es sinnvoll, das Bild einer Strukturanalyse aus der Publikation einfach zu verkleinern und in den grafischen Abstract zu packen (Abbildung 3). Häufig kann man auch da nichts mehr erkennen. 


The heteroscorpionate ligand 2,2-bis­(3,5-di­methyl­pyrazol-1-yl)-1,1-di­phenyl­ethanol and an easy preparation of its tungsten complex

Abbildung 3: Graphical Abstract in Anlehnung an eine Publikation in Acta Cryst C.

 

Eine klare, einfach zu erkennende Grafik ist oft die beste Lösung für den grafischen Abstract (Abbildung 4).

 


Light it up: In-situ cryo crystallization and structure analysis reveal the solid state structures of several pyrophoric hydridosilanes.

Abbildung 4: Graphical Abstract einer Publikation in Chemistry Open

 

Grafische Abstracts funktionieren nicht nur in gedruckten Zeitschriften, sondern helfen Lesern auch beim Durchscrollen der Inhaltsverzeichnisse auf dem Bildschirm. Als Leser muss man dann nicht unbedingt nach Stichworten oder Autorennamen suchen, sondern kann sich von den Grafiken inspirieren lassen. Die Entwicklung geht weiter und einige Zeitschriften bieten inzwischen auch Animationen und Videos in ihren Inhaltsverzeichnissen an (table of contents – TOC) an. 

 

Der Eintrag beruht zum großen Teil auf einem Artikel in Nature Chemistry. Hier der Link zum Originaltext.

Montag, 21. Dezember 2020

Thank You for the Music

 Wortspiele in der Angewandten Chemie

In der Angewandten Chemie finden wir seltsame Titelbilder und hin und wieder auch Wortspiele in den Abstracts. Letztere beziehen sich des öfteren auf Musiktitel. Hier ein paar Beispiele:

Als Bandnamen wurden ausserdem "Right Said Fred" und "Ace of Base" zitiert. Die Hoch-Zeit dieser Mode scheint zwischen 2007 und 2010 gewesen zu sein, in den letzten Jahren ist mir so etwas nicht mehr aufgefallen. Die Anspielungen sieht man meist nur in der englischsprachigen Ausgabe der Angewandten Chemie. Im englischsprachigen Raum wurde dieser Humor durchaus gewürdigt, wenngleich auch mit geteiltem Echo. Unten einige Links zum Weiterlesen... 




Wer noch andere Wortspiele findet, schreibt gern einen Kommentar zu diesem Post. 

Ansonsten: Frohe Weihnachten!


Samstag, 10. Oktober 2020

To be on "The Cover of the Rolling Stone"

Auf der Titelseite

Dr. Hook besang bereits 1972 die Genugtuung, wenn das eigene Bild auf der Titelseite einer Zeitschrift erscheint. In diesem Fall ging es um die Musikzeitschrift Rolling Stone. Sinngemäß geht der Text des Songs so: "... Es ist der tollste Nervenkitzel, wenn Dein Foto auf die Titelseite des "Rolling Stone" erscheint. Ich will mein Bild auf der Titelseite sehen, ich werde gleich fünf Hefte für meine Mutter kaufen..."
Ähnlich scheint es einigen Wissenschaftlern zu gehen, die großen Wert darauf legen, dass ihre wissenschaftlichen Arbeiten auf der Titelseite einer renommierten Fachzeitschrift promotet werden. Die Grafiken sollen den Inhalt des Artikels illustrieren und werden im Allgemeinen von den Wissenschaftlern selbst erstellt. Dabei kommt es schon manchmal zu schlecht gemachten Titelbildern mit fragwürdigen Assoziationen. Chemiker sind eben keine Grafiker und wissen häufig nicht so recht, wie man eine ansprechende Grafik gestaltet. (Ich weiß es übrigens auch nicht.)

Fiktive Titelseite einer fiktiven Zeitschrift zur Illustration eines Artikels.

Zweifelsohne steigert ein Titelblatt die Sichtbarkeit der eigenen Arbeiten. Aber einige Überlegungen geben zumindest zu denken, ob diese Art der Promotion sinnvoll ist:

In manchen Zeitschriften gibt es bis zu vier "Titelbilder". Das sind Titelbild, Innentitelbild, Innenrücktitelbild und Rücktitelbild. Die Autoren werden aufgefordert die Titelbilder selbst zu erstellen, eine redaktionelle Bearbeitung der Titelbilder findet bei den meisten Zeitschriften nicht statt. Wenn jede Ausgabe einer Zeitschrift bis zu vier Titelbilder hat, ist das dann gar nicht mehr etwas so Besonderes? 

Hinzu kommt, dass die Autoren für jedes veröffentlichte Titelbild einen Beitrag zu den Produktionskosten bezahlen müssen. Diese unterscheiden sich je nach Zeitschrift und können bis zu 1495 US-Dollar betragen. Handelt es sich dabei nicht eher um eine Methode, um mit der Zeitschrift etwas mehr Ertrag zu erwirtschaften? (Bei einigen wenigen Zeitschriften müssen die Autoren nichts für das Cover bezahlen, so zum Beispiel bei Nature Chemistry.)

Schließlich  muss man noch bedenken, dass Fachzeitschriften kaum noch gedruckt zu den Lesern gelangen. Entweder scrollen die Leser die Zeitschriften auf dem Bildschirm durch oder sie erschließen sich die Fachliteratur mit geeigneten Fachdatenbanken und Suchmaschinen. Beim Scrollen auf dem Bildschirm sticht ein gut gemachtes Cover natürlich schon ins Auge und vermag die Aufmerksamkeit der Leser auf sich zu ziehen. Aber die gleiche Funktion haben eigentlich die Graphical Abstracts.


Anregung für diesen Post lieferte der folgende Artikel: "Making The Cover - Scientific art on journal covers raises visibility, but does it still serve a purpose in the Internet age?" von Stephen K. Ritter (Chemical and Engineering News  2006, Volume 84, Seiten 24-27). Ein Teil der Argumente habe ich von dort übernommen.


Und schließlich hier noch das Original von Dr. Hook and the Medicine Show:

Samstag, 3. Oktober 2020

The Art of Cover

Die Kunst des Titelbildes

Titelseiten wissenschaftlicher Zeitschriften haben mehrere Funktionen. Sie sollen Appetit auf die Zeitschrift machen, sie dienen den Autoren zum bekannt machen ihrer Arbeiten, die Autoren können damit ihre Vorträge aufpeppen und - seien wir ehrlich - damit ein wenig angeben. Außerdem verdienen die Verlage ein wenig Geld damit, dass sie Cover entsprechend den Wünschen und Vorstellungen der Autoren veröffentlichen. Das Geschäft läuft für beide Seiten (Autoren und Verlage) so gut, dass manche Verlage inzwischen bis zu vier (!) Titelbilder in einer Ausgabe ihrer Zeitschrift unterbringen.
Lange her scheinen die Zeiten, als der Verlag nüchtern den Titel der Zeitschrift auf den Umschlag druckte (siehe Beispiel).

Zum Design von Titelbildern gibt es zahlreiche Hilfestellungen. So publizierte  Felice Frankel ein Handbuch über Wissenschaftsfotografie, Kelly Krause berichtet darüber in Nature. Richard Threlfall schreibt in Chemistry Views "After Acceptance: How to Turn Your Research into Cover Art". Der Artikel enthält auch zahlreiche Beispiele für gelungene Cover von verschiedenen Zeitschriften. Caitlin Monney liefert "4 Tips for Designing a Scientific Journal Cover" als kleines Tutorial mit instruktiven Illustrationen aus der Medizin. Ausführlich beschreibt Sven Gramp im Online Journal of Communication and Media Technologies "The Art of Science- Making Things Popular with Scientific Journal Covers". Schließlich gibt es noch kommerzielle Angebote, die den Wissenschaftlern das Design eines professionell gestalteten Covers abnehmen, zum Beispiel hier ab 490 US-Dollar.

Samstag, 6. April 2019

Zitationsvorteil für Open-Access-Publikationen

In der bibliometrischen Fachliteratur taucht immer wieder der Begriff  "Citation Advantage" also Zitationsvorteil auf. Dabei wird vermutet, dass Open-AccesssPublikartionen öfter zitiert werden als kostenpflichtige Artikel - einfach weil sie leichter verfügbar sind. Ob das wirklich so ist und unter welchen Bedingungen eine Open-Access-Publikation tatsächlich mehr Zitationen einbringt, erfahren Sie in dem Artikel "Vorteil für Open-Access-Publikationen". Dieser ist in den Nachrichten aus der Chemie, Band 67, 2019, Heft 4, Seite 29-31 erschienen.


Carl Sptizweg: Der Bücherwurm (Quelle Wikimedia Commons)


Im Zusammenhang mit den Diskussionen um Open Access und die Geschäftspraktiken kommerzieller Verlage sind vielleicht noch folgende Artikel interessant:

Samstag, 9. Februar 2019

How to look serious with Predatory Open Access

Open Access als Geschäftsmodell

Über betrügerische Open Access Verlage haben wir bereits in den Nachrichten aus der Chemie berichtet (Open Access – kostenlos oder sinnlos? Nachrichten aus der Chemie 64, 2016, 1087).
Fast täglich erhalte ich E-Mails, die mich zur Publikation in hoch angesehenen und teilwiese völlig neuen Open-Access-Journalen animieren wollen. Zum Glück landen die meisten davon direkt im Spam-Filter und die restlichen kann ich inzwischen ganz gut ignorieren.
Letztens fiel mir jedoch eine solche E-Mail besonders auf. Als Absenderadresse war angegeben: "Third Floor, 207 Regent Street, London". Ich dachte bei mir: Das ist doch mitten im Herzen von London, Regent Street ist eine der Hauptgeschäftsstraßen. Dort ging ich früher gern auf einen Schaufensterbummel. Wie kann sich ein unbekannter Verlag eine solch teure Adresse leisten? Die Eingabe dieser Adresse in die Suchmaske einer Suchmaschine fördert eine Anzahl aufschlussreicher Treffer zutage: Man erhält sofort mehrere Webseiten mit Mailing-Service-Diensten angezeigt.

Das bedeutet: Die Adresse gibt es. Man kann dort auch Post hinschicken. Diese wird dann an den eigentlichen Empfänger weiter geleitet. Es ist also eine Briefkastenfirma, die sonst wo sitzen kann. Ein Büro dieses Verlages wird man dort wohl nicht finden...




Abbildung: William Hogarth - Wahlpropaganda (Quelle: Wikimedia Commons)

Samstag, 4. August 2018

Secondary Publication Rights

Open Access und Zweitveröffentlichungsrecht


Die Bibliothek von Alexandria war das größte Repositorium wissenschaftlicher Texte in der Antike. Leider brannte die Bibliothek ab, siehe Abbildung.
Heute gibt es viele Repositorien für wissenschaftliche Texte. Als Autor können Sie Ihre Publikationen auf der persönlichen Webseite, bei einem institutionellen Repositorium, bei einem fachspezifischen Repositorium oder sogar bei einem akademischen Netzwerk frei zugänglich machen. Sie müssen dabei aber auf jeden Fall die Lizenzbestimmungen des Verlages, bei dem die Erstveröffentlichung ihres Textes geschah, beachten!

Mehr über das Zweitveröffentlichungsrecht und die damit verbundenen Möglichkeiten erfahren Sie in dem Artikel "Open Access und Zweitveröffentlichungsrecht" in den Nachrichten aus der Chemie, Band 66, August 2018, S. 751-754. Der Artikel ist übrigens frei zugänglich.



Die brennende Bibliothek von Alexandria (aus H. Göll: Das gelehrte Alterthum, Verlag
von Otto Spamer, Leipzig, 1870, S. 363)

Samstag, 21. April 2018

Preprints in Chemistry

Preprints in der Chemie


Unter diesem Titel haben wir einen Artikel in den Nachrichten aus der Chemie veröffentlicht. Seitdem im vorigen Jahr kurz nacheinander zwei Preprintserver für chemische Fachliteratur online gingen, ist dieses Thema hoch aktuell. Das "Chemistry Research Network" wird vom Verlag Elsevier betrieben. Kurze Zeit später kündigte die American Chemical Society einen eigenen Preprintserver "ChemRxiv" an. Auch dieser ist inzwischen online.
Das Hochladen von Preprints war bis vor wenigen Jahren in der Chemie eher verpönt. Redakteure von Chemiezeitschriften lehnten vorab veröffentlichte Manuskripte im Allgemeinen ab. Inzwischen hat sich die Einstellung der Zeitschriftenredaktionen jedoch weitgehend gewandelt. Wie der aktuelle Status ist, erfahren Sie in diesem Artikel
Übrigens: Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Chemiker lesen die "Nachrichten aus der Chemie" kostenlos.




Abbildung: "Opticks" von Isaac Newton. Was Newton mit Preprintservern zu tun hat, erfahren Sie in dem Artikel "Preprints in der Chemie". (Quelle der Abbildungen: Wikimedia Commons)


Samstag, 27. Januar 2018

#ICanHazPDF

Twitter zur Informationsbeschaffung


"Wie Wissenschaftler Bezahlschranken umgehen" unter diesem Titel berichtete der Chemreporter Marco Körner bereits 2015 über eine originelle Methode der Informationsbeschaffung. Unter dem Tag #ICanHazPDF bitten Wissenschaftler auf Twitter um einen bestimmten wissenschaftlichen Artikel. Wissenschaftler an anderen Einrichtungen, die Zugang zu diesem Artikel haben, schicken diesen dann an die angegebene E-Mail-Adresse. Damit werden die Bezahlschranken der Verlage umgangen. Zum Verwischen der Spuren wird der Tweet anschließend wieder gelöscht.
Der Hashtag hat bereits einen Eintrag in Wikipedia erlangt, scheint also immer noch gängige Praxis unter Twitter-Nutzern zu sein.
Anmerkung: Eine solche Praxis der Piraterie kann ich keinesfalls gutheißen. Keiner sollte so etwas tun!
Die Abbildung habe ich unter Verwendung einer Illustration von John Tenniel zu "Alice im Wunderland" erstellt.

Samstag, 28. Januar 2017

Science and Media

Wissenschaft im Spiegel der Medien


Wie oft hören wir in den Nachrichten, dass neue Erkenntnisse auf "wissenschaftlichen Untersuchungen" beruhen? Nachrichtensender liefern kontinuierlich Informationen darüber, was in der Welt der Wissenschaft vor sich geht. Dabei werden einige der wichtigsten oder interessantesten Entdeckungen auch dem Laienpublikum erklärt. Oft werden aber auch sich widersprechende Informationen verbreitet. Diese lassen den Zuhörer manchmal an der Ernsthaftigkeit der Wissenschaft zweifeln. Ein gutes Beispiel ist das jahrelange Hin und Her um das Cholesterin. Dazu gibt es eine sehr gute Dokumentation bei Arte: "Der grosse Cholesterinbluff".

Fernsehmoderator John Oliver wies in seiner Sendung auf verfälschte und unvollständige Informationen aus der Welt der Wissenschaft hin. Schauen Sie sich dazu den Videoclip an.




Heutzutage sind viele Menschen verwirrt von den sich widersprechenden Nachrichten über "neueste wissenschaftliche Erkenntnisse" und wissen nicht mehr was sie glauben sollen und ob Nachrichten überhaupt vertrauenswürdig sind. Stark vereinfachte Erkenntnisse aus der Wissenschaft verwandeln sich manchmal, nachdem sie auf eine Schlagzeile heruntergbebrochen wurden, in "wissenschaftlichen Klatsch". Es gibt sogar Fake News aus der Welt der Wissenschaft. In der Dokumentation "Mythen der Wissenschaft" wurde dafür ein Beispiel gezeigt. Zwei Journalisten dachten sich ein wissenschaftliches Institut aus, machten Untersuchungen an Probanden, drehten eine Weile an den Ergebnissen und schrieben dann eine Veröffentlichung und eine Pressemitteilung. Diese lautete im Wesentlichen "Schokolade macht schlank". Über das gewaltige Echo in den Medien waren die Autoren selbst überrascht. Sie deckten dann aber später selbst auf, dass die Studie gefälscht war.

Wissenschaftskommunikation ist eine wichtige Sache. Deshalb sollten Wissenschaftler diese nicht allein Journalisten überlassen, sondern selbst aktiv werden. Das Internet und soziale Netzwerke bieten dafür einfache und effektive Werkzeuge. Beispiele für erfolgreiche Wissenschaftskommunikation sind die Facebookseite von Nature Reviews, die Webseite "PhD Comics" und vielleicht auch dieser Blog. Die Webseite "Mind The Graph" bietet Werkzeuge zum Erstellen von Illustrationen und Infografiken an (siehe Werbebanner unten).  


https://blog.mindthegraph.com/scientific-research/#.WH-jmlyEJpa


Der Text dieses Posts beruht größtenteils auf dieser Quelle:  
https://blog.mindthegraph.com/scientific-information

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Social Networks for Science

Soziale Netzwerke für Wissenschaftler


Soziale Netzwerke gibt es nicht nur für Erika und Max Mustermann, sondern auch für Wissenschaftler.  Solche Netzwerke haben spezifische Funktionen für die Zielgruppe. Viel dreht sich dabei um die Darstellung, den Austausch und die Arbeit mit wissenschaftlichen Publikationen. Wer mehr über Nutzen, Vor- und Nachteile dieser Netzwerke erfahren will, liest den Artikel "Akademisch und vernetzt" in den Nachrichten aus der Chemie.

Übrigens finden Sie Zusatzmaterial zu diesem Artikel auf meinem Profil bei Researchgate.


Abbildung: Mattheus van Helmont - Ein Alchemist bei der Arbeit (Quelle: Wikimedia Commons).

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Quality of Open Access Publications

Die Qualität von Open Access-Publikationen


In den letzten Jahren entstanden sehr viele neue Open Access-Zeitschriften. Ein Teil dieser Zeitschriften und Verlage bewirbt aktiv seine Zeitschriften. Jede Woche erhalte ich E-Mails in denen ich dazu aufgefordert werde, in dieser oder jener Open Access-Zeitschrift zu publizieren. Meist sind es Zeitschriften und Verlage von denen ich noch nie gehört habe. Leider ist es so, dass nicht alle diese Anbieter seriös arbeiten. Bei manchen geht es nur darum, Geld aus den Autoren zu saugen. Diese unseriösen oder auch ausbeuterischen Open Access-Verlage sind gerade dabei, die ganze Open Access-Bewegung zu diskreditieren. In dem Artikel "Open Access - kostenlos oder sinnnlos?" haben wir versucht, Qualitätskriterien für Open Access-Publikationen zusammenzutragen (Nachr. Chem. 64, 2016, 1087-1089).
Schauen Sie sich diesen Artikel an und prüfen Sie die wichtigsten Kriterien die dort genannt werden, bevor Sie einen Artikel bei einer Ihnen unbekannten Zeitschrift einreichen!

Übrigens ist dieser Artikel selbst Open Access und kann von jedermann gelesen werden.



Abbildung: Mattheus van Helmont - Alchemist bei der Arbeit (Quelle: Wikimedia Commons).

Samstag, 10. Dezember 2016

The Quality of Scientific Publications

Über die Qualität wissenschaftlicher Publikationen

Wie zuverlässig sind eigentlich wissenschaftliche Publikationen? Gibt es Qualitätskriterien mit denen ich die Qualität einer wissenschaftlichen Publikation einschätzen kann?
Jawohl, dafür gibt es einige Kriterien. Diese erlauben zwar keine hundertprozentig sichere Evaluation, aber sie bieten Anhaltspunkte. Es sind sozusagen "weiche" Kriterien, die eine ungefähre Abschätzung erlauben. Wer mehr über dieses Thema erfahren will, schaut sich den Artikel "Wissenschaftliche Literatur - fundiert oder fingiert" in den Nachrichten für Chemie 64 (2016) 992-994 an.

Übrigens: Mitglieder der GDCh haben freien Zugang zu diesem Artikel. Loggen Sie sich dafür zunächst auf der Webseite der GDCh ein.


Abbildung: Mattheus van Helmont - Der Alchemist (Quelle: Wikimedia Commons)

Mittwoch, 3. Februar 2016

Social Network for Science 3.0

Soziale Netzwerke für Wissenschaftler 3.0

Bei den sozialen Netzwerken für Wissenschaftler kristallisieren sich die tatsächlich wichtigen Funktionen heraus. Im Mittelpunkt stehen hauptsächlich der Austausch und Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen. Wenn man so will sind Publikationen der "Lebenssaft der Wissenschaft".
Academie.edu ist eine Plattform für Wissenschaftler zum Austausch von wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Auf Academia.edu kann man eigene Artikel hochladen, den Impact der eigenen Arbeiten mit Analysewerkzeugen untersuchen und die neuesten Ergebnisse andere Wissenschaftler verfolgen. Bis jetzt nehmen mehr als 30 Millionen Nutzer teil. Sie haben bisher 8,7 Millionen Artikel hochgeladen. Die Webseite hat jeden Monat über 36 Millionen verschiedene Besucher. (Quelle: Academia.edu) Eine aktuelle Studie zeigte, dass auf Academia.edu hochgeladene Artikel 69% mehr Zitate innerhalb von 5 Jahren erhalten als vergleichbare Artikel.


https://www.academia.edu/

DeepDyve ist kein soziales Netzwerk, sondern eine kommerzielle Webseite. Diese stellt den Zugang zur Fachliteratur von zahlreichen akademischen Verlage bereit. DeepDyve gewährt einen zeitlich beschränkten Zugang zu Artikeln. Diese können mit dem Webbrowser angeschaut, jedoch nicht heruntergeladen werden. Das Mietmodell von DeepDyve unterscheidet sich damit vom traditionellen "Kaufen-und-Herunterladen" der kommerziellen Verlage. Das Geschäftsmodelle von DeepDyve zielt vermutlich hauptsächlich auf Laien ab, die keinen Zugang zu akademischen  Bibliotheken haben. Damit erhält auch dieser Personenkreis Zugang zu sonst kostspieligen wissenschaftlichen Artikeln. Mietzeiten für Artikel reichen von 30 Tagen bis zu einem Jahr, je nach gewähltem Tarif. (Quelle: Wikipedia) Nach eigenen Angaben verfügt DeepDyve über mehr als 12 Millionen Artikel aus mehr als 10.000 Peer-Review-Zeitschriften.
https://www.deepdyve.com/




Hier noch ein paar Links zum Thema:

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Bad Science in 2015

Aktuelles unter dem Label "Bad Science"


Hier wieder einmal einige Aspekte schlechter Wissenschaft, schlaglichtartig, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.



Eine Art Statusbericht zum Umgang der Universitäten mit Plagiatsanalysen auf Vroniplag findet man in der Zeitschrift Forschung und Lehre unter der Überschrift: "Viel Licht und noch mehr Schatten" (von Gerhard Dannemann und Debora Weber-Wulff, Forschung und Lehre, Ausgabe 4/2015, Seite 278). Der Fazit des Artikels lautet folgendermaßen: "Die bisherige Praxis lässt viel Licht und noch mehr Schatten erkennen. Fast alle Fälle von Kontrollversagen ließen sich vermeiden, wenn Hochschulen sich an geltendes Recht und die einschlägigen Empfehlungen der DFG hielten, auch wenn diese stellenweise präziser ausfallen könnten. Manchmal fehlt es an Personal, oft an Kenntnis der Regeln und am guten Willen. Als Bedrohung wird wohl nicht der Verstoß gegen gute wissenschaftliche Praxis empfunden, sondern dessen Bekanntwerden. Das wäre besonders fatal für die leider zahlreichen Fälle, die eine Kollusion zwischen Betreuer und Doktorand nahe legen."



Abbildung: Kupferstich zur Theosophie und Alchemie 1678 
(Quelle: Deutsche Fotothek bzw. Wikimedia Commons)


Interessant ist die Lektüre eines Diskussionspapiers der AlexandervonHumboldt-Stiftung zum "Publikationsverhalten in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen" (Beiträge zur Beurteilung von Forschungsleistungen 12/2009). Mehrfach taucht in dem Bericht der Begriff "Ehrenautorschaft" auf. So findet man den Begriff auf Seite 8 bei der Erklärung der üblichen Reihenfolge der Autorenschaft in den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen: "Bei dem zuletzt genannten Autor kann es sich auch um eine Ehrenautorschaft handeln, die auch in den Beiträgen aus der Chemie (Hahn) oder den Neurowissenschaften (Noth und Rose) erwähnt wird (beispielsweise in Form der Mitnennung von Klinikdirektoren). Auch heute noch unüblich sind Ehrenautorschaften in der Mathematik (Gritzmann); in der Informatik konnten sie sich bisher nur in den USA durchsetzen (Rammig). Auch in den Geschichtswissenschaften werden Autoren in der Regel nicht aufgeführt, wenn sie keinen eigenen Anteil an der Arbeit geleistet haben (Jehne)."
Weiter heisst es auf Seite 109:  "Der Letztautor ist gewöhnlich der Leiter der Arbeitsgruppe, aus der die Ergebnisse stammen. Von ihm wird angenommen, dass er die intellektuelle Konzeption für die Arbeit geliefert hat und an ihrer Abfassung wesentlich beteiligt war. In diesem Zusammenhang ist auch das – nicht der guten wissenschaftlichen Praxis entsprechende – Phänomen der Gast- oder Ehrenautorschaft zu erwähnen. Darunter versteht man das Verfahren, dass entweder „berühmte Namen“ (Gastautorschaft) oder etwa Instituts- oder Klinikdirektoren (Ehrenautorschaft) als Autoren geführt werden, auch wenn diese keinen wesentlichen eigenen wissenschaftlichen Beitrag zur Publikation geleistet haben. "


Ich dachte die "Ehrenautorschaft" gäbe es seit dem Zusammenbruch des Ostblocks nicht mehr. Aber da war ich wahrscheinlich wieder einmal zu naiv. Zumindest in der medizinischen Forschung ist das Problem nach wie vor aktuell und in dem Artikel "Honorary and ghost authorship in high impact biomedical journals: a cross sectional survey" sorgfältig dokumentiert.
Die Empfehlungen der DFG zur "Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" sind diesbezüglich jedenfalls eindeutig: "Empfehlung 11: Autorschaft bei Publikationen  -   Autorinnen und Autoren wissenschaftlicher Veröffentlichungen tragen die Verantwortung für deren Inhalt stets gemeinsam. Autorin oder Autor ist nur, wer einen wesentlichen Beitrag zu einer wissenschaftlichen Veröffentlichung geleistet hat. Eine sogenannte 'Ehrenautorschaft' ist ausgeschlossen."


Abbildung: Kupferstich zur Theosophie und Alchemie 1678 
(Quelle: Deutsche Fotothek bzw. Wikimedia Commons


Nun noch ein Blick auf das internationale Geschehen. Auch da gibt es interessante neue Entwicklungen. Die moderne Computertechnik ermöglicht Dinge, von denen unsere Doktorväter nicht zu träumen gewagt hätten: Mehr als 120 computergenerierte Publikationen wurden zurückgezogen. Darüber wird in der Zeitschrift Nature vom Februar 2014 berichtet.
Die Verlage Springer und IEEE (Institute of Electrical and Electronic Engineers) mussten mehr als 120 wissenschaftliche Artikel zurückziehen, nachdem ein französischer Wissenschaftler herausfand, dass es sich bei diesen Artikeln um computergenerierten Unsinn handelte.
Cyril Labbé von der Joseph Fourier Universität in Grenoble hat in den letzten Jahren zahlreiche computergenerierte Artikel identifiziert. Diese wurden zwischen 2008 und 2013 in mehr als 30 Tagungsbänden (Conference Proceedings) publiziert.  Labbé hat eine Methode entwickelt, um nach Manuskripten zu suchen, die mit der Software SCIgen erstellt wurden. Die Software kombiniert zufällig Wortgruppen und produziert damit unsinnige Artikel über computerwissenschaftliche Themen. Ursprünglich wurde die Software 2005 von Wissenschaftlern am MIT (Massachusetts Institute of Technology) entwickelt, um zu beweisen, dass Tagungsorganisatoren unsinnige Tagungsbeiträge akzeptieren. SCIgen ist frei verfügbar und es ist nicht bekannt wieviele Leute diese Software benutzen und vor allem nicht für welchen Zweck. Mit SCIgen erzeugte Manuskripte tauchen ab und zu auf, wenn Wissenschaftler unsinnige Manuskripte einreichten und das anschließend öffentlich machen.
Als Konsequenz dieser Affäre haben der Springer-Verlag und die Universität Joseph Fourier im März 2015 die Software SciDetect frei zugänglich gemacht. Damit ist es nun für Verlage und interessierte Personen leicht, möglich computergenerierte Artikel zu entdecken.



Abbildung: Kupferstich 1678
(Quelle: Chemical Heitage Foundation bzw. Wikimedia Commons)

Montag, 16. November 2015

Information Literacy - Part 9

Abschluss der Artikelreihe zur Informationskompetenz

Über unsere Aktivitäten zur Vermittlung von Informationskompetenz hatte ich bereits mehrfach berichtet. Die Artikelserie in den Nachrichten für Chemie ist nunmher zu einem (vorläufigen) Abschluss gekommen. Hier für Interessenten noch einmal alle Publikationen in umgekehrter chronologischer Reihenfolge. Als Mitglied der GDCh können Sie diese Artikel kostenfrei herunterladen.


An dieser Stelle möchte ich mich bei Silke Tesch für die fruchtbare Zusammenarbeit bedanken. Die Redaktion der Nachrichten für Chemie hat uns bei der Überarbeitung der Artikel geholfen, auch bei ihnen möchte ich mich herzlich bedanken.

Freitag, 9. Oktober 2015

Dominance of a few publishers in Chemistry

Der Markt für chemische Literatur wird von wenigen Verlagen dominiert

Zu dieser Aussage kommen die Autoren des Artikels "The Oligopoly of Academic Publishers in the Digital Era" (Vincent Larivière, Stefanie Haustein, Philippe Mongeon) in der Online-Fachzeitschrift der Public Library of Science (PLOS one). Dazu werteten die Autoren 45 Millionen Dokumente aus dem Zeitraum 1973 bis 2013 aus der Datenbank Web of Science aus. Die Untersuchung zeigte, dass in Naturwissenschaften, Medizin und den Sozialwissenschaften die Verlage Reed-Elsevier, Wiley-Blackwell, Springer und Taylor and Francis vor allem seit Beginn der digitalen Ära in der Mitte der 90er Jahre ihren Anteil am Publikationsaufkommen immer weiter steigern konnten. Diese fünf großen Verlagshäuser publizieren inzwischen mehr als 50% aller wissenschaftlichen Artikel (Stand 2013). In den Sozialwissenschaften fand die größte Konzentration statt, 70% der Artikel erschienen bei den fünf Verlagen. Humanwissenschaften sind immer noch relativ unabhängig, 20% erschienen bei den fünf größten Verlagen. Die Naturwissenschaften und die Medizin liegen dazwischen. Bei diesen sind auch starke wissenschaftliche Gesellschaften am Publikationswesen beteiligt, so z.B. die American Chemical Society und die American Physical Society.


In dem Artikel findet sich im Weiteren eine detaillierte Beschreibung des Publikationswesens in Naturwissenschaften und Medizin: 1973 wurden nur ungefähr 20% aller publizierten Artikel auf diesen Gebieten von den fünf großen Verlagshäusern publiziert. Von 2006 an erreichten diese fünf Verlage zusammen 50% aller publizierten Artikel. Drei Verlage publizierten im Jahr 2013 ca. 47% aller erschienen Artikel auf diesem Gebiet: Reed-Elsevier 24%, Springer 11,9% und Wiley-Blackwell 11,3%. Die American Chemical Society (3,4%) und Taylor and Francis (2,9%) haben nur einen kleinen Anteil am Publikationsaufkommen. Aber immerhin gehört neben den kommerziellen Verlagen auch eine wissenschaftliche Gesellschaft (die ACS) zu den Top Fünf in Naturwissenschaften und Medizin.
In der Chemie ist die Konzentration des Publikationswesens auf die Top-Fünf Verlage noch höher (siehe Abbildung): 2006 wurden 80 % aller Artikel von fünf Verlagen publiziert. 2013 ist dieser Wert wieder auf 70% gesunken.


Abbildung: Prozentualer Anteil der Artikel, die von den fünf großen Verlagshäusern zwischen 1970 und 2013 publiziert wurden, aufgeschlüsselt nach Fachgebieten (Abbildung übernommen von Figshare, ursprünglich veröffentlicht in PLOS one).

Der Artikel enthält auch einen Abschnitt über die Ökonomie des wissenschaftlichen Publikationswesens. Darin wird unter anderem erläutert, warum dieser Zweig des Verlagswesens so hoch profitabel ist (ca. 30 bis 38 Prozent Gewinn im untersuchten Zeitraum). So müssen die Verlage für die Artikel (also die publizierten Inhalte, Neudeutsch: "Content") nichts bezahlen. Ebenso wenig bezahlen sie für die Qualitätskontrolle. Beides wird kostenlos von der wissenschaftlichen Community bereitgestellt. Darüber hinaus haben die Verlage das Monopol über die publizierten Inhalte. Sogar jeder einzelne Artikel kann vielfach an Leser verkauft werden.  Im Gegensatz dazu steigen die Preise für wissenschaftliche Zeitschriften um 5 bis 7 Prozent pro Jahr. Dadurch sind viele Universitätsbibliotheken nicht mehr in der Lage, die steigenden Kosten für Zeitschriftenabonnements zu bezahlen.




Über den oben genannten Artikel wurde auch in der Juniausgabe von ChemistryWorld berichtet ("Chemical sciences literature dominated by five publishing houses" von Rebecca Trager). Weiter heißt es dort, dass die führenden Verlagshäuser  ihren Anteil am wissenschaftlichen Publikationswesen vor allem durch die Gründung neuer Zeitschriften und durch den Kauf oder die Übernahme bestehender Zeitschriften vergrößerten. Die Royal Society of Chemistry (RSC) publiziert sechs der 20 führenden multidisziplinären  Chemiezeitschriften. Damit hat die RSC ein deutliches Wachstum ihres Marktanteils erreicht und die Impactfaktoren ihrer Zeitschriften in den letzten Jahren deutlich erhöht. Die RSC betont, dass dieses Wachstum nicht durch Aufkäufe bestehender Zeitschriften erreicht wurde, sondern durch den guten Service den die Gesellschaft als gemeinnütziger Verlag bietet.